Malermuseum in Wehrbleck startet am 2. Februar in die Saison 2020

Bremer Grün und Osnabrücker Rot

Die alte Malertür mit dem fröhlichen Gruß birgt auf der Rückseite eine typische Maler(un-)sitte. Fotos: S. Wendt

Wehrbleck - Von Sylvia Wendt. Beim Thema Kalkfarben eskaliert es ein wenig und das, was Wilhelm Köster da erzählt aus dem Alltag eines Malers mutet an, wie das Seemannsgarn der Seefahrer. Aber nein, tatsächlich hätten manche in die Farbe uriniert, was der Farbe eine Konsistenz verliehen habe, um Striche besser ziehen zu können.

Von frischem Kuhdung zur Isolierung ist die Rede. Doch tragisch wird es, als Köster erzählt von erblindeten Malern: Die Alkalität von Kalkputzen könne, wenn keine Schutzkleidung vorhanden ist, zu schweren Verätzungen führen. Mittendrin ist Köster in Geschichten, die ein neues Ausstellungsstück im Malermuseum Wehrbleck bei ihm zutage fördert. Aus dem Hof Riechers habe er ein Stück Wickelstaken erhalten und erklärt die alte Bautechnik, samt Verputz. Und dessen mögliche negative Eigenschaften.

Und wer weiß eigentlich genau, wie groß Holzwürmer sind? „Ha, das zeig ich gerne, wenn Schulklassen zu Besuch sind“, sagt Köster und bewegt sich auf die typischen braunen Apothekerbehälter zu. Aber, leider, die eingelegten Holzwürmer sind in einer klaren Flüssigkeit in Klarglas konserviert. Lecker ist anders. Knackig-frisch sieht etwa die Zitrone aus, die eine Schülerin gemalt hat: Die Schwestern Nathalie (1. Lehrjahr) und Sandra Remus (2. Lehrjahr) haben Beispieltafeln für Maltechniken hergestellt und Köster für das Museum überlassen. Der Malermeister mit dem markanten Bart ist aktiv auf Lehrlingssuche, macht Werbung für den Beruf. Etwa beim Kreisjugendfeuerwehrzeltlager. Hier lädt er die Teilnehmer ein zu kunterbunten Freizeitangeboten, hat Farbmotive vorbereitet, erklärt den zwölfteiligen Farbenkreis.

Dann kommt Köster auf das Bremer Grün zu sprechen. Das von Werder? „Nein, das ist nicht das Bremer Grün“, erklärt der Malermeister. Das Bremer Grün sei eher bläulich, während das Werder-Grün gelblich sei. Das Bremer Grün sei genau das Gleiche wie das Osnabrücker Rot. Immer wieder seien Farben, natürlich, ein Thema und ein Vortrag über Farben ist ein Gedanke, der aber bisher nur in Kösters Hinterkopf „gebucht“ ist. Was bereits feststeht, ist der Saisonstart am Sonntag 2. Februar. Von 14 bis 18 Uhr ist das Malermuseum mit bekannten und neuen Exponaten geöffnet. Es findet sich auf dem Hof Witte im Wehrblecker Ortsteil Nordholz.

Der ehrenamtliche Museumsdirektor Köster möchte in diesem Jahr wieder Veranstaltungen anbieten. Am 5. September feiert das Malermuseum sein 15-jähriges Bestehen. Und Köster steckt mitten in den Vorbereitungen dazu, die sich alle um die Frage drehen: Was kann man machen, damit es interessant wird, die Leute neugierig werden – und das Museum besuchen? Köster möchte alte Werkzeuge vorstellen, die Besucher ausprobieren dürfen. Eingeladen hat er bereits die Pinselmacher aus Lohne, die vor Ort produzieren werden. Ein Malerkollege aus Bücken wird vor Ort Schützenscheiben bemalen, Baustellenschilder und was sonst noch einst zu den Aufträgen an die Maler und Lackierer gegeben wurde. Apropos Lack.

Ein Leihgerät aus dem Deutschen Industrielackmuseum hat Köster in dieser Saison in Wehrbleck zu Gast: Ein Pendelhärte Prüfgerät. Wer wissen möchte, wie das Ding funktioniert und wozu es überhaupt diente – muss Wilhelm Köster besuchen fahren.

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