Musikalisches Duo auf Tigerjagd im Taunus

Böttger und Herzel begeistern

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Gottfried Böttger (l.) und David Herzel in Varrel.

Varrel - Mit einer Komposition von Jelly Roll Morton eröffnete Gottfried Böttger, Professor, Boogie-Woogie- und Ragtime-Pianist, Gründer der Jazz-Pop-Gruppe Leinemann und Udo Lindenbergs Panikorchesters, das Konzert im ausverkauften Küsterhaus Varrel.

Zu diesem Zeitpunkt noch alleine spielend. Auch das zweite Stück, eine über 300 Jahre alte Gospelmelodie aus Afrika, spielte Böttger allein, zuerst in der ruhigen Originalfassung und dann in einer Bearbeitung von 1890, die vom Ragtime beeinflusst wurde.

Dann kam auch David Herzel dazu, ein „sehr guter Freund und kongenialer Schlagzeuger“, wie Böttger sagte. Herzel ist im Küsterhaus ein alter Bekannter, setzte wiederum statt der Stöcke oft Bürsten oder seine Hände ein und bewies damit erneut, dass dieses Instrument vielfältige Möglichkeiten bietet und auch leise gespielt werden kann, um der Klaviermusik eine ganz eigene Struktur und Klangfarbe zu geben. Beide brauchten keine Noten, für die Absprachen reichte der Blickkontakt. Ragtime, Gospel und Blues, das seien die Wurzeln des Jazz, erklärte Böttger, der zu jedem Stück Interessantes zu berichten wusste.

Unter anderem, dass der Jazz im Dritten Reich verboten war. Damit durfte der „Tiger-Rag“ nicht gespielt werden. Aber unter dem Titel „Tigerjagd im Taunus“ ging das, und auch dieses Stück präsentierten Böttger und Herzel im Küsterhaus.

Auch wie die Melodie des Weihnachtsliedes „Leise rieselt der Schnee“ nach New Orleans und in ein Ragtime-Stück gelangt ist, erfuhr das Publikum: Auswanderer aus Hessen, wo das Lied entstanden war, hatten es nach Amerika mitgenommen.

Als letztes Stück kündigte Böttger ein Stück an, von dem das Publikum wohl nur die ersten vier Takte kannte, weil es danach immer ausgeblendet wurde: Die Erkennungsmelodie aus „3nach9“. Im Küsterhaus spielten die Musiker die Komposition im Gegensatz zum Fernsehen ganz durch, zum allerersten Mal mit Schlagzeugbegleitung, wie Böttger betonte.

Die Begeisterung des Publikums ergab als Zugabe eine Version von „Bei mir bist Du schön“ und gleich noch eine Uraufführung, einen improvisierten Boogie speziell für Varrel und das Küsterhaus, der so noch nie gespielt wurde und wohl auch nie wieder so gespielt werden wird.

Die stehenden Ovationen zum Schluss des Konzertes galten nicht nur dem Pianisten Gottfried Böttger, sondern auch David Herzel, der für seine Soli auch zwischendurch bereits viel Beifall bekommen hatte. 

gk

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