Geöffnet immer sonntags

Saisonstart im Malermuseum: Blaue Augen dank Ultramarin

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Frisch gestrichen: Die Werbung mit der Dame galt dem Malerhandwerk, nicht der Kosmetikindustrie.

Wehrbleck - Es ist eine richtig gute Idee, Kinder ihren Finger in Ultramarin tauchen zu lassen: Die Farbpigmente sehen super aus, wenn man sie rund ums Auge verteilt. Man kann die Spannung eines Familientreffens wunderbar steigern, indem man eine schwerwiegende Keilerei und daraus resultierende „blaue Augen“ vortäuscht. Wilhelm Köster, fast 69 Jahre jung, versteckt das verschmitzte Lächeln hinter dem markanten Bart. Oft genug kommen Gäste des Landhauses, das sich ebenso auf dem Hof Witte im Wehrblecker Ortsteil Nordholz befindet wie das Malermuseum, in die Räume - und erkunden unter der fachkundigen Leitung des ehemaligen Obermeisters der Maler- und Lackiererinnung die abwechslungsreiche Welt dieses Handwerksberufes.

Eine Familie erfuhr so, dass ihre Pläne zur Umgestaltung des Badezimmers dieses in eine Tropfsteinhöhle verwandeln würde. Köster erklärte die Eigenschaften einer Vliestapete (dabei half ihm ein Geschenk, das jetzt die Ausstellung im Museum ergänzt: ein rauschendes Vliestapetenballkleid in Silber) und den Vorteil für die Familie, würden sie für die Umgestaltung des Bades statt der Vliestapete doch eher einen Kalkanstrich wählen. So hätte die Feuchtigkeit eines Bades auch die Chance, zu verschwinden.

Die Winterpause im Malermuseum hat sein Direktor genutzt, um aufzuräumen, auszusortieren, neu zu arrangieren, neue Stücke zu integrieren - und zwischendurch noch ein gesundheitliches Alarmsignal zu überstehen. 964 Besucher hat Köster im Jahr 2018 im Malermuseum in Wehrbleck begrüßt. Das klingt zunächst nicht nach vielen Besuchern, doch letztlich ist das Museum eine Ein-Mann-Angelegenheit. Einzig Helmut Kellermann, pensionierter Handwerkskollege aus Varrel, übernimmt manchen Museumsdienst. Ist Köster, mittlerweile pensioniert, nicht im Museum, ist er in Sachen Museum unterwegs. Knüpft Kontakte, pflegt diese, findet Fundstücke im Internet oder wird angerufen, wenn ein Malermeister seinen Betrieb aufgibt.

Kamm-Zug-Technik: Alte Handwerkskunst der Maler.

Die Schablonen, mit denen früher Farbschemata simuliert wurden, könnten heute noch exakt so genutzt werden. Die quadratischen Bilder zum Thema „Malerarbeiten - falsch und richtig“ hätten aktuelle Berufsanfänger eigentlich gerne mitgenommen für ihren Unterricht. Neue Techniken zeigt Köster anhand von Platten. Allein: die rote Platte mit dem Glitzer glitzert eben nicht auf dem Foto. Wer wissen will, wie das aussieht, muss persönlich vorbeischauen.

Neulich habe eine Besucherin nach der Kammzug-Technik gefragt. Welche Technik? Die Kamm-Zug-Technik. Und tatsächlich: Da wird ein Kamm durch Farbe gezogen. Professionell gemacht, sieht das Ganze gut aus. Im unteren Bereich einer Wand würde es ebenso gut passen, wie eine der Holzmaserungen, die die Profis naturgetreu aufmalen können. Gerade erst hat Wilhelm Köster ein paar so kunstvoll bemalte Musterbretter neu in die Ausstellung integriert. Lesestoff, für den Fall, dass gerade kein Besucher sonntags Nachmittag im Museum vorbeischaut, bietet ihm das Protokollbuch der Malerinnung Herford. Die Eintragungen der Jahre 1947 bis 1987 bedeuten eine Zeitreise für den Malermeister.

Die bunten Muster stammen von Kurt Wünneker.

Die bunten Muster, die so dekorativ für das Foto sind? Das sind Entwürfe von Kurt Wünneker, die er für den Balken an der Rats-Apotheke in Sulingen gemalt hat.

Ein Bereich zeigt Apparaturen und mehr zum Thema Bodenbeläge. Und belegt, dass man sich manchmal nicht wirklich über Geschmack nicht streiten kann - manches Dekor ist schlicht hässlich.

Zwei Veranstaltungen hat Köster für 2019 geplant: Eine solle das „Malerhandwerk im Wandel der Zeit“ zeigen, eine zweite werde die Gruppe der Lohner Pinselmacher erneut nach Wehrbleck führen. Noch stehen keine Daten fest.

Individuelle Führungen können mit Wilhelm Köster verabredet werden unter Tel. 01 72 / 4 23 82 42. Das Museum ist sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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