Reise-Profi Wilfried Kammann aus Kirchdorf auf „Abschiedstournee“

„Bin zwar fit, aber halt schon 72“

Seine Gruppenreisen per Bus – hier im Zillertal – wird Wilfried Kammann (sitzend, links) nicht mehr anbieten. Treuen Teilnehmern sagt er auf vier Abschiedstouren Adieu.
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Seine Gruppenreisen per Bus – hier im Zillertal – wird Wilfried Kammann (sitzend, links) nicht mehr anbieten. Treuen Teilnehmern sagt er auf vier Abschiedstouren Adieu.

Kirchdorf – Wilfried Kammann spricht von einer Abschiedsreise. Wie meint der Kirchdorfer das? „Naja, ich springe derzeit als Aushilfsbusfahrer ein, mein Beförderungsschein läuft ja bis zum Jahr 2024. Bis dahin darf ich noch. Aber Fernreisen, das haben meine Frau Irmtraud und ich uns abgeschminkt.“ Wilfried Kammann ist seit Jahren unterwegs als versierter Bustourenorganisator, heute allerdings nicht mehr hinterm Lenkrad.

Seit 40 Jahren steuert Kammann die Busse, über 30 Jahre als Angestellter der Firma Lahrmann und nach deren Insolvenz machte er sich selbstständig. Buchte sich für Touren die Reisebusse des Sulinger Unternehmens Gaumann. Für das er aktuell Fahrten übernimmt.

In 40 Jahren hat Kammann etliche Reiseziele angesteuert, dabei ungezählte Kontakte geknüpft und gehörte in nicht wenigen Hotels schon „zur Familie“.

Kammann hatte Lust, reisefreudige Bekannte und Freunde und interessierte weitere Mitfahrer zu einer Reisegruppe zu formieren. Jüngere und Ältere gemischt, alle mit dem Interesse an einer fröhlichen Fahrt, bei der sie sicher sein konnten, dass das Hotel gut sein würde und die Ausflugsziele beeindruckend. Wilfried Kammann und Ehefrau Irmtraud konnten aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen, was Ziele in Europa und Nordamerika angeht. Denn auch durch die USA hat Kammann seine Reisegruppen geführt – was inbesondere diejenigen genossen haben, die sich aufgrund fehlender Sprachkenntnisse nicht für solche Expeditionen angemeldet hätten.

Fast alle Reisen seien schnell ausgebucht gewesen, berichtet Kammann. Auch die letzte Tour mit der Gruppe aus dem gesamten Landkreis Diepholz und dem benachbarten Rahden ins Zillertal. Die Einhaltung der 2G-Regel ließ die Teilnehmer die Reise weitgehend ohne Maske genießen. Die Pandemie hatte die Gruppenreisen pausieren lassen – die vier geplanten „Abschiedstouren“ wären sonst 2020 erfolgt.

„In dankbarer Treue waren alle Mitreisenden hoch motiviert“, berichtet Kammann. Und sie hatten Glück: Ein Almabtrieb in Reith im Alpbachtal war unter anderem Ziel – und fand statt. „Neben aufwendig geschmückten Kühen war die Geselligkeit und Kulinarik, untermalt mit viel Livemusik von Kapellen, ein Höhepunkt. Da alle Reiseteilnehmer geimpft waren, konnten sie die Annehmlichkeiten genießen“, berichtet Kammann.

Sieben wolkenfreie Tage hätten die Gruppe begleitet an den Tegernsee, bei der Rundreise über die Hohen Tauern, vorbei an den Krimmler Wasserfällen, beim Abstecher zum Tuxer Gletscher auf 2 660 Metern Höhe. Die Annehmlichkeiten des familiengeführten Vier-Sterne-Hotels hätten keine Wünsche offengelassen. Am Schluss seien sich alle Teilnehmer einig gewesen: „Tolle Erlebnisse mit hohem Spaßfaktor, könnte so weitergehen!“

Aber: Alle fünf Jahre muss Wilfried Kammann, wie alle busfahrenden Kolleginnen und Kollegen, zum Gesundheitscheck „und der ist nicht ohne“, sagt der Kirchdorfer. Auch zuletzt habe er diesen Check ohne Einschränkungen bestanden sowie weitere notwendige Module. Der Beförderungsschein gelte zwar noch bis 2024, aber bei diesen letzten Touren habe „Kollege Ralf“ als zuverlässiger und versierter Busfahrer für die Reisesicherheit gesorgt. „Ich bin zwar fit, aber ich bin halt auch schon 72 und das wissen die Mitfahrer allesamt.“ Läuft die aktuelle Beförderungserlaubnis in drei Jahren aus, wolle er diese nicht mehr verlängern.

Was aber passiert mit seinem wahren Schatz an Kontakten, an Adressen für Hotels und Aussichtspunkten, jenen Geheimtipps, die tatsächlich in keinem Reiseführer stehen – sonst wären sie ja keine Geheimtipps mehr? Wilfried Kammann ist kurz sprachlos. „Ja, stimmt eigentlich. Die Reisen waren immer persönlich, immer anders.“ Kammann gibt die Hoteladressen derzeit an die Kollegen in den Busunternehmen der Region weiter, die noch solche Gruppentouren anbieten.

Was machen Irmtraud und Wilfried denn nun im Urlaub? „Für uns waren die Bustouren immer unser Urlaub. Nun als Duo, fahren wir wohl per Auto los, so lange wir noch fit und flexibel sein können.“

Was käme nie in Frage für die beiden? „Radtouren, als Gruppe. Das geht ja gar nicht. Da kann ich ja gar nicht anhalten, wenn ich das möchte.“

Von Sylvia Wendt

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