INTERVIEW mit Astrid Unger, Beer-Sommelière

Bier, auch ohne Alkohol, dafür mit Mango

Astrid Unger, frisch ernannte internationale Beer-Sommelière, und Ehemann Ulf Meyer mit ihrer kleinen Brauanlage.
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Astrid Unger, frisch ernannte internationale Beer-Sommelière, und Ehemann Ulf Meyer mit ihrer kleinen Brauanlage.

Kirchdorf – Die deutschen Bierbrauer haben in der Coronapandemie einen Absatzrückgang hinnehmen müssen, aufgrund der ausgefallenen Feste. Grund heute, zum Tag des Deutschen Bieres, das Wochenende ganz süffig einzuläuten. Mit Astrid Unger, Inhaberin von „Baumann’s Hof“ Kirchdorf, die ihre Fortbildung zur Beer-Sommelière erfolgreich beendet hat. Und die sagt:

„Es muss nicht immer Weißwein sein.“ Und: „Bier schmeckt auch ohne Alkohol.“ Hm.

Warum diese Fortbildung?

Astrid Unger: Freude, Interesse und, wegen Corona, Zeit. Eine Konzentration auf das Thema Bier hatten wir schon, als wir hierher kamen vor sechs Jahren. In Hamburg trank man eher Wein, hier eher Bier, das war so die erste Erfahrung. Etwas Besonderes aus dem Thema Bier zu machen lag uns am Herzen, und während die Craftbeer-Szene an Fahrt aufnahm, hatten wir schon fast 30 Biere auf unsere Karte. Die neue Bierkarte enthält dann bestimmt an die 40 Biere. Teamseminare werden regelmäßig folgen.

Im ersten Vierteljahr 2021, in dem wir für den Tourismus und für private Gäste Restaurant und Hotel geschlossen haben, habe ich die Zeit genutzt und den internationalen Beersommelière-Kurs online absolviert. Im letzten Januar, kurz vor Corona, habe ich schon den Kurs zur „geprüften Bierfachfrau“ abgeschlossen, beide an der Deutschen Bierakademie in Kulmbach.

Sie werden seltene Biere anbieten, so die Ankündigung: Welche sind das?

Astrid Unger: Wir haben eine neue Zapfanlage mit sechs Hähnen bekommen – pünktlich zum Corona-Lockdown am 14. März 2020. Wir haben zwei Pilssorten, ein dunkles, ein hellbraunes Naturtrübes, ein Weizenbier und ein alkoholfreies Weizen-Bier. Alkoholfreies am Hahn ist sehr selten. Wir möchten das Thema aus der „Kompromiss-Ecke“ herausholen. Regionale Biere anzubieten und auch Spezialitäten ist uns genauso wichtig wie die internationale Vielfalt darzustellen. Das Ziel ist, ein paar Spezialitäten und Biertastings anzubieten.

Nun habe ich einen guten Fundus an Wissen und jede Menge Freude bekommen an dieser wirklich großen Bierwelt. Vor dem Kurs hatte ich mir online wild durcheinander Biere bestellt, die mir einfach vom Layout gut gefielen. Jetzt weiß ich, dass das zwar lustig war, aber null Struktur hatte.

Ist ein alkoholfreies Bier wirklich genauso gut? Wie überzeugt man einen passionierten Biertrinker, auch alkoholfrei zu genießen? Oder ist das eine Modeerscheinung?

Astrid Unger: Ich weiß nun, dass es überraschend viele Biere in allen Biersorten in alkoholfrei gibt. Die inzwischen unterschiedlichen Verfahren, dem Bier Alkohol zu entziehen, sind viel ausgereifter. Bei einer Handvoll Bieren habe ich die Wette verloren, dass sie „ohne“ sind. Echt toll, und wir werden eine eigene alkoholfreie Bierkarte haben.

Ich glaube nicht, dass es eine Modeerscheinung ist. Der Geschmack der Biervielfalt bleibt, man kann trinken, wenn man nicht viel verträgt oder wenn es um Genuss geht – und natürlich auch noch fahren möchte. Die in Gastronomie-Kreisen berühmte Gegenfrage des Kellners auf die alkoholfreie Bierbestellung eines Gastes „Malbuch und Stifte dazu?“ ist immer noch lustig, aber überholt.

Hatten Sie vor dem Kurs zur Bier-Sommelière schon einen Favoriten?

Astrid Unger: Das war ein sogenanntes IPA (India Pale Ale). Ein Bier, natürlich nach Reinheitsgebot gebraut, aber doch mit extrem anders ausgeprägtem Geschmack. Es ist viel fruchtiger und stärker mit Hopfen versehen. Auch ungeübte Zungen und Nasen schmecken ein bisschen Mango, Citrus heraus, manchmal ein bisschen Honig, mit der bekannten Bier-Hopfenbittere eine richtige Geschmacksexplosion. Mit Pils nicht zu vergleichen. Insgesamt ist dieser Bierstil im Moment sehr in, daran ist die Craftbeer-Szene sehr beteiligt. Es ist meist erfrischend und jetzt zum Frühjahr und Sommer sehr passend. Oft hat es einen hören Alkoholgehalt.

Hat sich Ihr Bier-Geschmack nach dem Kurs verändert?

Astrid Unger: Ich stelle fest, dass sich meine Sichtweise und der Geschmack schon verändert hat, ausgeweitet. Überhaupt: Den Horizont zu erweitern, der sich beim Foodpairing ergibt. Wozu Bier überall passt und auch als Cocktail, wie als gemixter Aperitif, sehr elegant daher kommt. Die Kombination von Bier und Essen ist natürlich etwas, was uns besonders interessiert. Nun kann ich unsere Speisekarte mit passenden Bierempfehlungen versehen, die richtig viel Spaß machen und außergewöhnliche Kombinationen bieten.

Welches ist Ihr augenblicklicher Favorit und warum?

Astrid Unger: Ein schönes fruchtiges IPA kann man wunderbar trinken, auch ohne etwas zu essen. Etwa zum Start in den Feierabend, zu feineren Speisen wie Fisch, aber auch zu Klassikern wie Currywurst. Das Frühlingsthema jetzt ist natürlich Spargel. Auch wenn wir unser Restaurant nicht öffnen dürfen, probieren wir Dinge aus.

Zu einem klassischen Spargelteller kann ich mir ein belgisches Witbier vorstellen. Das ist ein obergäriges, recht spritzig-aromatisch und widmet sich der alten Tradition aus Belgien, Biere mit Gewürzen wie Orangenschalen zu versetzen. Die Cremigkeit sowie der leichte Körper des mit Weizen und Haferflocken gebrauten Bieres harmonisiert perfekt zum leichten Spargel, würzigen Schinken und der Sauce Hollandaise.

Es muss also nicht immer ein Weißwein sein.

Wir haben übrigens schon eine Micro-Brauanlage im Haus, so eine richtige Kupfer-Miniatur. Wir wollen echten Brauereien keine Konkurrenz sein. Unsere Brauanlage soll dazu dienen, das Thema auszuprobieren und kleinere Mengen von Besonderheiten herzustellen und unseren Gästen zum Probieren zu geben. Als Erstes werden wir ein dunkleres Land-Bier versuchen. Die Zutaten haben wir schon alle da.

Von Sylvia Wendt

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