Einrichtung weiterhin offen

Bethel im Norden und die Corona-Krise: „Die Wohnungslosenhilfe hilft immer“

Im „Haus Linde“ befindet sich die Aufnahme der Wohnungslosenhilfe von Bethel im Norden in Freistatt. Foto: Semper /Bethel
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Im „Haus Linde“ befindet sich die Aufnahme der Wohnungslosenhilfe von Bethel im Norden in Freistatt.

Freistatt – Wenn alle zu Hause bleiben sollen, wo bleiben dann die, die kein Zuhause haben? „Die Wohnungslosenhilfe hilft immer“, sagt deren Leiter Frank Kruse. „Unsere Einrichtungen sind offen, ob Corona oder nicht.“

  • Bethel im Norden in Freistatt auch in Corona-Krise für Wohnungslose geöffnet
  • Neue Abläufe und viel Disziplin sorgen für gute Situation
  • Covid-19-Patient erfolgreich und sicher in Bethel im Norden aufgenommen

Die Mitarbeiter von Bethel im Norden haben die Abläufe auf die aktuelle Situation abgestimmt und sind flexibel genug, sie den Gegebenheiten anzupassen. Soll heißen: „Wenn jemand anruft, beraten wir“, erklärt Kruse. Zu klären sei die jeweilige Lebenslage. Ob diese erträglich sei, ob sie auszuhalten sei – oder ob eine individuelle Lösung gefunden werden muss. Es gelte, „Einrichtungstourismus“ zu vermeiden. Kruse betont, dass die Einrichtungen untereinander bekannt und vernetzt sind und so ortsnahe Anlaufstellen vermittelt werden können.

Auszahlungsmodalität

Grundsätzlich hätten sich auch die Auszahlungsmodalitäten geändert: Ist es sonst nur möglich, für maximal drei Tage an einem Ort Zahlungen zu bekommen, erhalten Wohnungslose wegen des Coronavirus bis zu einem Monat ortsgebunden Unterstützung. „Das heißt, der Druck des Umherziehenmüssens fällt weg. Das entspannt die Lage sehr“, sagt Kruse. Die bisherige Praxis, Tagessätze zu vergeben und diese eben zu beschränken, müsste nach der Corona-Krise ein Thema sein, das zu neu zu besprechen sei, sagt Kruse.

„Stammgäste“

„Stammgäste“ haben sich bereits in Freistatt gemeldet und berichtet, dass sie bei Freunden Unterschlupf gefunden hätten und man sich keine Sorgen machen brauche um sie. Grundsätzlich sei die Situation dieser Menschen prekär, und die aktuelle Corona-Lage verstärke das nur noch, ergänzt Claus Freye, Mitglied der Geschäftsführung von Bethel im Norden.

„Und wenn eine Ausgangssperre käme, dann müssten auch Wohnungslose mit einer Wohnung versorgt werden“, stellt Kruse klar. Die zuständigen Einrichtungen seien durch das Sozialministerium darauf hingewiesen worden, dass sie während der Corona-Gefahr zur Aufnahme verpflichtet seien. Was denen natürlich nicht neu ist: „Unsere Aufnahmeverpflichtung ist uns völlig klar“, sagt Freye.

Man sei nicht blind in die Situation gegangen, ergänzt Kruse. „Wir hatten bereits eine Quarantänestation für Corona-Patienten eingerichtet: Das Seminarhaus hat einen Extra-Eingang, kann ja derzeit sowieso nicht genutzt werden.“

Quarantänestation

Zwei weitere, nicht genutzte Häuser sind hergerichtet für Übernachter, damit die separat aufgenommen werden können.“ Ein weiteres Haus werde derzeit hergerichtet, um vorbereitet zu sein, falls dringend zusätzliche Aufnahmen unter besonderen Auflagen vorgenommen werden müssten. Da stünden 15 zusätzliche Betten zur Verfügung.

Derweil versucht auch Bethel im Norden „professionell“ an Corona-Schutzkleidung für die Mitarbeiter heranzukommen, was angesichts der ausverkauften Lager der Anbieter schwierig sei.

Schutzausrüstung

„Deshalb wären wir dankbar für alle Ausrüstung, die nicht gebraucht wird: Masken mit FFP3-Standard, Schutzanzüge und dergleichen.“ Manche Spende gegen das Coronavirus habe man dankenswerterweise bereits erhalten. „Noch haben wir Ausrüstung, aber wir müssen uns ja auf eine längere Phase einstellen“, sagt Kruse.

„Darüber hinaus produziert Bethel im Norden selber etwa 100 Behelfsmasken für den Mund am Tag“, berichtet Claus Freye. Das sei allerdings auch nur eine Ergänzung für die professionelle Ausrüstung, zu der auch Spuckschutzmasken gehören. Die Arbeitsabläufe habe man wegen Corona angepasst, die Mitarbeiter in Teams aufgeteilt, die jeweils keinen Umgang miteinander haben. Ziel: „Wir brauchen immer einsatzfähige Teams. Wir ziehen alle an einem Strang“, versichert Freye.

Covid-19-Patient

Wie optimal die Abläufe abgestimmt seien, zeige sich daran, dass ein bestätigter Covid-19-Patient aus der Klinik in die Obhut von Bethel im Norden aufgenommen worden sei. Man befinde sich in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, sagt Freye. „Wir haben ein gutes, sicheres Gefühl.“ Der Mann sei in Quarantäne, alle Mitarbeiter, die in Kontakt mit ihm gewesen sind, seien getestet worden, alle negativ. Der Mann selbst sei ohne Covid-19-Symptome, alles im Ablauf habe reibungslos funktioniert. Neuankömmlinge etwa werden zunächst im „Haus Buche“ untergebracht, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren.

Disziplin

Hygienevorschriften beachten, Hände waschen, Abstand halten: „Die Menschen in den Einrichtungen sind erwachsen und halten sich an die Regeln. Sie sind sehr diszipliniert“, stellt Frank Kruse fest. Auszahlungen werden einzeln vorgenommen, man habe die Zeiten auseinandergezogen. Der Supermarkt vor Ort, unter Leitung von Bethel im Norden, ist auch in der Corona-Krise geöffnet. Man habe allerdings Vorrichtungen installiert, um die Mitarbeiter vor einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus zu schützen.

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Bethel im Norden umfasst jedoch nicht nur die Wohnungslosenhilfe: Man habe wegen der Corona-Pandemie in allen Bereichen die Arbeitsabläufe angepasst. Alle Mitarbeiter verhielten sich sehr diszipliniert. Und diese Disziplin mache sich bemerkbar, lobt Freye. Es sei nicht so, dass eine Vielzahl an Fällen nach Freistatt eingeschleppt wird. „Unsere besondere Lage beschert uns sonst relativ wenig Tourismus und erweist sich derzeit deshalb als positiv.“ Trotzdem sei es verwunderlich, dass weiterhin Wohnmobilfahrer versuchten, auf den abgesperrten Wohnmobilstellplatz zu gelangen.

Beschäftigungsmöglichkeiten

Freye betont, dass in der Eingliederungshilfe weiterhin die Beschäftigungsmöglichkeiten aufrechterhalten werden. Auch die Jugendwerkstatt und die WfbM-Maßnahmen seien weiterhin erreichbar, die Mitarbeiter beraten nach wie vor. Die Versorgung der Bewohner der Einrichtungen von Bethel im Norden in Freistatt erfolge durch eine Einkaufszentrale: Mitarbeiter packen Tüten und bringen die Waren in die jeweiligen Häuser. Auch die ambulante Versorgung habe sich entsprechend geändert.

Persönlicher Kontakt

Unterm Strich bleibt jedoch auch für Frank Kruse eine Erkenntnis, die derzeit weltweit viele Menschen haben: „Der telefonische Kontakt ersetzt nicht den persönlichen.“

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