4500 Jahre alte Baumstämme aus Holzhausen werden in Freistatt präsentiert

Heim für historische Bohlen

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Das Archivfoto zeigt die Ausgrabungsstelle im Oktober 2008.

Freistatt - Der Bohlenweg von heute ist tückisch. Frisch verlegt, sind die einzelnen Bohlen richtig schön uneben, mit Zwischenräumen – eine schön anzusehende Stolperfalle im ehemaligen Schwimmerbecken des Freibades Freistatt.

 

Die Badeanstalt wurde im Jahr 2007 geschlossen. Zwischenzeitlich ist eine eingezäunte Teichlandschaft im Nicht-Schwimmer angelegt – das Schwimmerbecken indes nimmt mit in einen Bereich, in den man normalerweise keinen Fuß setzt, ins Moor. Der Bohlenweg, 2008 in einem Acker neben dem Steinloher Damm im Bahrenborsteler Ortsteil Holzhausen freigelegt, hat eine neue Heimat bekommen. 4500 Jahre alt, so die Datierung durch Spezialisten in Sachen Denkmalpflege, seien die gefundenen Stämme.

Frank Kruse.

Freistatts stellvertretender Bürgermeister Frank Kruse erinnert sich an die damalige Situation – er zögerte keine Sekunde, den Bohlen einen neue Heimat anzubieten. Das Areal mit Sinnesgarten (Fertigstellung in 2009) und Outdoor-Parcours (Eröffnung in 2011), Draisinenstrecke, Feldbahn-Haltestelle sowie Wohnmobilstellplatz und Teichanlage war damals in Planung und durfte gedeihen. „Nebenan“ befindet sich das Freistätter Moor – hier waren die Bohlen im gewohnt sauren Terrain eingelagert, bis sie im Industriemuseum in Lohne in einem drei Jahre dauernden Vorgang geduldig konserviert wurden. Immer dann, wenn Gelder übrige waren, konnte derweil am Projekt „Bohlenwegpräsentation“ weitergearbeitet werden.

Das Haus schützt die Bohlen.

Anders als für eine Moorleiche (Stichwort „Moora“) gab es für die touristische Aufarbeitung des Bohlenweges keine Landesmittel und so dauerte es, bis die historischen Bohlen ausgestellt werden konnten. Betriebe aus dem Unternehmensbereich von „Bethel im Norden“ erledigten die Arbeiten: die Tischlerei erstellte das Gebäude, das Luftzirkulation erlaubt, weil zwischen Wänden und Dach Aussparungen eingearbeitet sind. Außerdem wurde darauf geachtet, dass der Zugang zum Bohlenbereich so mit Gaze abgeriegelt wurde, so dass Ameisen der Zugang verwehrt bleibt. Denn: Die Konservierung ist unter anderem mit einer speziellen Zuckerlösung erfolgt, das könnte die kleinen Tiere anlocken.

Das Dach deckten die Mädchen und Jungs der Jugendwerkstatt ein – mit Reet, unter Anleitung des Reetdachdeckers, der das Material aus der Nähe von Hamburg anlieferte.

Den neuen Bohlenweg rund um das Häuschen hat eine Projektgruppe aus dem Freistätter Torfwerk-Team mit Bohlen aus dem hauseigenen Moor erstellt und die Anpflanzungen mit Torf und Heidekraut hat die unternehmenseigene Gärtnerei erledigt.

Für die Konservierung und Ausstellung wurden Fachleute befragt. Und deshalb muss der historische Bohlenweg über Winter aus seiner schicken Freibad-Datscha ausziehen: Frost ist schädlich. „Wir werden ihn deshalb von Ende Oktober bis zum Frühjahr sicher zwischenlagern“, erklärt Frank Kruse.

In Holzhausen sollen Hinweise auf das neue Häuschen erstellt werden, in welcher Form ist noch nicht festgelegt. Auch die Schilder, die dem Besucher vor Ort ein wenig vom Leben in der Region vor 4500 Jahren erzählen, müssen noch gefertigt werden.

Bis dahin aber bleibt der Blick auf Baumstämme, die jemand vor 4500 Jahren so mit Steinwerkzeug behauen hat, dass sie zu einem Weg zusammengelegt werden konnten und eine sichere Passage über das tückische Moor boten. Das ging ja auch nicht von heute auf morgen...

sis

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