Problem: Immissionswerte für verlassene Hofstellen

„Baugesetz-Änderung notwendig“

Nicht zu sanieren ist dieses alte Haus in der Kirchdorfer Ortsmitte. Archivfotos: S. Wendt
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Nicht zu sanieren ist dieses alte Haus in der Kirchdorfer Ortsmitte. Archivfotos: S. Wendt

Kirchdorf – Dass ein Bereich, als Baugebiet angedacht, letztlich nicht als solches entwickelt wird, kommt vor. In der jüngsten Sitzung des Samtgemeinderates Kirchdorf wurde das Thema etwas detaillierter erörtert – und ein wachsendes Problem in der Entwicklung des ländlichen Bereiches offenbar. Was war passiert?

Im Kirchdorfer Ortsteil Kuppendorf sollten weitere Wohnbauflächen planungsrechtlich vorbereitet werden, die dafür notwendige Flächennutzungsplanänderung wurde eingeleitet. Bestandteil ist die frühzeitige Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belange, die zu den Planungen Stellungnahmen abgeben. Es gibt allerlei, was zu bedenken ist bei solch einem Schritt. Und in einer jener Stellungnahmen wurde darauf hingewiesen, dass das als Wohngebiet anvisierte Areal fast identisch ist mit einem, das im Rahmen des Landesraumordnungsprogrammes für einen eventuellen künftigen Kiesabbau „reserviert“ ist. Damit fällt der Bereich aus der Planung.

Blick in ein altes Bauernhaus in Kirchdorf.

„Wir haben derzeit eine Nachfrage nach Baugebieten, das haben wir so noch nicht gehabt“, erklärte Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher. Über 50 Anfragen lägen bei Michael Kopecki im Rathaus in Kirchdorf vor – allein 20 aus Barenburg. Was eigentlich supergut klingt, entpuppt sich als ein fulminanter Hürdenlauf: Das Baugesetzbuch, so erklärte Kammacher in der Sitzung, müsse dringend überarbeitet werden. Insbesondere im ländlichen Bereich offenbarten sich fast unüberwindbare Hindernisse auf dem Weg in die Entwicklung von aktiven Ortskernen in den Ortschaften. Kammacher präzisierte: „Auch wenn eine alte Hofstelle seit Jahrzehnten nicht mehr bewirtschaftet wird und jetzt in neue Bauplätze, mitunter für die nachfolgende Familie, entwickelt werden soll, steht der Bereich im Baurecht immer noch mit Emissionen belegt da.“ Wegen der schon lange nicht mehr ausgestoßenen Belastungen aber werde die Wohnbebauung verweigert. Leerstand in den Ortskernen jedoch wollen die Planer vermeiden, was bedeute: „Weil wir an den Innenbereich nicht mehr herankommen, müssen wir im Außenbereich Optionen bieten.“

Niemand will Baugrund hergeben

Ratsfrau Edeltraud Dummeyer-Müller kommentierte: „Wir freuen uns doch, wenn Leute aufs Land ziehen.“ Ratsherr Ortwin Stieglitz ergänzte: „Die Kommunen sind willens, innerörtlich etwas zu tun, die Gemeinden wollen Flächen anbieten. Da wäre es auch eine Idee, über die Dorferneuerung Abrissmöglichkeiten zu fördern.“

Die alte Bausubstanz wird freigelegt.

Für Kuppendorf indes bedeutet das jetzt: Die Nachfrage der Häuslebauer, die sich dort niederlassen möchten, wird bedient, sie müssen sich aber noch gedulden. Für eine andere Fläche schickte der Samtgemeinderat die dafür notwendige Flächennutzungsplanänderung auf den Weg.

Von Sylvia Wendt

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