Rat ebnet Unternehmer Weg zu neuem Firmensitz

Bahrenborstel: Augenmaß für die Ortsentwicklung

Die Bushaltestelle in der Bahrenborsteler Ortsmitte soll eine Querungshilfe bekommen.
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Die Bushaltestelle in der Bahrenborsteler Ortsmitte soll eine Querungshilfe bekommen.

Bahrenborstel – Rechtzeitig zum Anpfiff fertig sein – ob sie das schaffen würden? Sie schafften es. Allerdings lag Bahrenborstels Bürgermeister Matthias Stelloh mit seinem 2 : 1-Tipp für die deutsche Fußball-Nationalelf daneben. Der Rat der Gemeinde Bahrenborstel hat am Dienstagabend etliche Weichen gestellt -– immer die Entwicklung des Ortes im Blick.

Zwei Tagesordnungspunkte rund um den Betrieb Förthmann mussten von der Tagesordnung genommen werden, weil die notwendigen Unterlagen nicht vorlagen. Man will die Thematik aber bei der nächsten Ratssitzung erneut ansetzen, kündigte Stelloh an.

Vorgelegt hatte seine Pläne indes Tobias Pohl. Um die Ernsthaftigkeit seiner Planungen zu untermauern, erhielt er persönlich Gelegenheit, dem Rat ein paar weitere Fakten zu liefern. Bürgermeister Stelloh unterbrach dafür kurz die Sitzung. Pohl ist vielen in Bahrenborstel bekannt – als Ortsbrandmeister übernehme er ehrenamtlich Verantwortung, dankte ihm Stelloh. Pohl seinerseits will zurückzahlen, mit Ortstreue. Er wisse um die Preise für voll erschlossenen Gewerbegrund im benachbarten Kirchdorf, jedoch: „Ich bin hier fest verwurzelt.“ Seit 2010 habe er nebenberuflich ein Ingenieurbüro geführt, sich 2018 mit jenem Büro und zusätzlich einer Zimmerei selbstständig gemacht. Seit Februar habe er Ingenieursbüro und Zimmerei als Firmen getrennt, beschäftige mittlerweile eine fest angestellte Kraft und drei Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis. Das Geschäft laufe gut. Seit 2018 bereits suche er nach einer geeigneten Gewerbefläche in der Gemeinde Bahrenborstel. Jetzt sei ihm die Fläche an der Ecke „Auf dem Kamp“ / Koppelweg aufgefallen.

Doch so einfach sollte sich die Idee, hier ein Lager für das Holz für die Zimmerei sowie ein kleines Bürogebäude zu bauen, nicht realisieren lassen. Nachfragen beim zuständigen Mitarbeiter des Landkreises ergaben: Das könne man über eine Innenbereichssatzung regeln. Die Nachfrage bei der Verwaltung in Kirchdorf wegen jener Innenbereichssatzung ergab: Die Gemeinde hat keine. Daher müssten der Flächennutzungsplan der Samtgemeinde (zuständig: der Samtgemeinderat) und der Bebauungsplan der Gemeinde (zuständig: der Gemeinderat) geändert werden, sodass die Baupläne auf dem fast 3 000 Quadratmeter großen Areal Realität werden könnten. Vorausgesetzt, das Immissionsgutachten spricht nicht dagegen, das Pohl in Auftrag geben muss. Er verspricht: „Da ist kein Sägewerk geplant, sondern wirklich nur ein Holzlager.“

Das Grundstück liege leicht außerhalb der Wohnbereiche, aber noch zentral in der Kommune, daher würde sich Pohl über genau diesen Standort freuen. Platz wäre auf dem Grundstück zudem, um Maschinen oder Fuhrpark des Bauhofes zu lagern oder den Altpapiercontainer des DRK-Ortsvereins aufzustellen. Tobias Pohls Nachfrage, wie die 25 Prozent zustande kommen, die in der Sitzungsvorlage als sein Anteil an den Kosten genannt werden, die entstehen, um das Grundstück planungsrechtlich abzusichern, lässt den Rat kurz diskutieren. Der würde, sozusagen als Wirtschaftsförderungsmaßnahme, Investoren unterstützen. Gerade erst sei aber etwa Frank Scharninghausen, der in das touristische „Moordorf“ im Ortsteil Holzhausen investiert, mit Planungskosten belegt worden. Ratsherr Christoph Hormann erinnerte daran, dass die Ratsmitglieder sich darauf geeinigt hatten, keine Grundsatzentscheidung bezüglich der Übernahme derartiger Kosten zu fällen, sondern immer von Fall zu Fall zu entscheiden. Ratsherr Detlef Nuttelmann ergänzte, es kämen noch weitere, erhebliche Kosten auf Tobias Pohl zu, im Hinblick auf Straßenbaukosten. Und: „Wir machen ein Wohnbauförderungsprogramm, warum nicht auch etwas für Wirtschaft?“

Ja, warum eigentlich nicht? Das dachte sich auch der Rat und votierte einstimmig dafür, die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 24 „Auf dem Kamp“ einzuleiten – und die Kosten dafür zu 100 Prozent zu übernehmen.

Damit wiederum kommt auch Frank Scharninghausen in den Genuss, seinen Anteil an den Planungskosten zurückerstattet zu bekommen. Auch das ist ein einstimmiger Beschluss am Dienstagabend. Damit steht es bereits 2 : 0 für die Bürger.

Thema im Rat ist auch der Wunsch nach einer Querungshilfe in Höhe der Haltestelle Krome. Nicht nur etliche Schulkinder, die die Haltestelle nutzen, auch die Kunden der DRK-Tagespflege, die im ehemaligen Gasthaus Krome Zeit verbringen, sind in diesem Bereich unterwegs. „Und daher wird eine Querungshilfe angeregt“, berichtet Bürgermeister Stelloh. Auf der Landesstraße seien die motorisierten Verkehrsteilnehmer in dem Bereich „relativ schnell“ unterwegs. Eltern hätten einen Zebrastreifen vorgeschlagen. Die Gemeinde wolle Optionen prüfen – etwa für eine sogenannte Dunkelampel. Die Mittel für eine Querungshilfe sollen im Haushaltsplan 2022 bereitgestellt werden. Bis dahin soll eine Entscheidung fallen.

3 : 0 für die Bürger. Und die deutschen Kicker verlieren gegen Frankreich mit 0 : 1.

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