Asyl für Knüppelmaier

Launischer Marktempfang zum Abschluss des Herbstmarktes

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Der Ausflug führte vom Pflegezentrum auf den Herbstmarkt.

Kirchdorf - Die Plätze sind begrenzt: Das macht den Empfang der Gemeinde Kirchdorf im Saal des Rathauses zu einer nachgefragten Veranstaltung. Dass der Termin am letzten Tag des Herbstmarktes stattfindet, ist dabei völlig egal. Es gibt nicht wenige Bürger, die hätten gerne ein Live-Übertragung der Veranstaltung ins nächste Festzelt. Aber: Nö.

Bürgermeister Holger Könemann lädt die Gäste im Rathaus ein, miteinander ins (vertrauliche) Gespräch zu kommen. Seine Dankesliste ist lang, reicht von den Anwohnern, die sich klaglos zwei Wochen lang mitten im Rummel befinden, bis hin zu den Vertretern der heimischen Wirtschaft, die Arbeitsplätze in der Region schaffen und damit für Wohlstand sorgen. „Wir bieten dafür günstige Rahmenbedingungen“, sagt Könemann. Die Gemeinde wolle sich weiterentwickeln, man befinde sich in Veränderungsprozessen. 

„Dazu brauchen wir Sie, die Sie hier sind.“ Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher erklärte die Abwesenheit des Landrates mit einem Lächeln: „Die haben im beim Landkreis soviel Geld gefunden und wollen nix abgeben. Nun soll der Landrat das so hinbekommen, dass wir von dem Geld etwas wieder bekommen.“ Und, ganz ernst: Angesichts von Panama- und Paradise-Papers dankte Kammacher den örtlichen Firmen, die ehrlich und fair ihre Steuern bezahlen – „Gelder, die die Kommunen für die Bürger nutzen können.“

Bei Schnittchen, Kaffee und Tee

Bei Schwarten, Kaffee, Tee (serviert durch das Rathaus-Team um Jutta Langhorst) und Schnittchen schwillt der Lärmpegel an, bis Nadja Kulbarsch vom Bauamt die Marschmusik in Gang setzt. Klischeehafte Klänge begleiten den Auftritt von Anton Knüppelmaier (alias Gerd Kemmann). Der sich eigentlich 2016 aus Kirchdorf verabschiedet hatte in Richtung Papua-Neuguinea. 

Gerd Kemmann.

Doch auf dem Flug dahin hätte die Fluggesellschaft ihn gestoppt, wohl aufgrund eines anonymen Anrufes. Und so sei er dem Angebot von Bürgermeister Könemann gefolgt: „Wenn’s dich nirgends anders mehr haben woll’n, dann kommst halt hierher.“ Laut Knüppelmaier laufe der Asylantrag. Soviel vorweg: Nach dem Auftritt gewährte Könemann ihm dieses Asyl. Knüppelmaier analysiert den Wahlkampf in Niedersachsen, ausgelöst durch den Wechsel einer Abgeordneten aus der „Wohlfühloase“ der Grünen hin zur „schnöden CDU“. Nur warum? „Hat die die geileren Typen?“ 

Und schon ist er beim Wetter: Er erinnert an einen „Sandsturm apokalyptischen Ausmaßes namens Rita“, der im Februar den heimischen Landwirt Schmidt getroffen habe. Es sei nicht einfach in der Region, denn im September, da drohte wieder ein Exodus durch das Sulinger Land zu fegen. Grund: „Die Bundes- und Landespolitiker hatten Hausbesuche angekündigt.“ 

Holger Könemann.

Ein grandioses Comeback habe dabei CLP erlebt, gleich doppelt. Zum einen bezog sich Knüppelmaier auf den Landkreis Cloppenburg. Warum die Christdemokraten hier die grandiosen Ergebnisse einfahren? „Die Wahlkabine befindet sich im Beichtstuhl: Vor der Abgabe prüft der Pfarrer die Wahl.“ Zum anderen stehe CLP für die „Christian-Lindner-Partei“, wie die Plakate mit ihm als „geilen Typen“ gezeigt hätten. Sein Rat an die CDU lautete, keinen Alkohol an Minderjährige in bunten „Mutti“-T-Shirts auszugeben, weil die dann bei einem Wahlergebnis von 33,5 Prozent in frenetischen Jubel ausbrächen. 

Erklärungen, wie die Parteien jeweils den inflationär genutzten Begriff „Heimat“ benutzten (für die CDU sei es das, was Merkel sagt und die SPD habe gerade keine), kommt er über die Wildschweinjagd in Heide zu den niedersächsischen Problemwölfen „Meyerli“ und „Wenzeli“. Den Wahlkampf im Land, mit den Kandidaten Weil und Althusmann vergleicht er mit dem Wettlauf zwischen Hase und Igel („Hier hat der Igel eine Brille“). 

Und dann ist da noch Pastor Joachim Bachhofer, der erklärt, wie die Suche nach Priestern erfolgreich sein könnte; dem Rat, dem Leben mit Dank, Gelassenheit und Vergebung zu begegnen; und einer Geschichte von der Queen, einem Polospiel und Trump – die flugs zum Rundgang über Markt und durchs Gewerbezelt führt. - sis

186. Kirchdorfer Herbstmarkt - der Mittwoch

186. Kirchdorfer Markt

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