Anthony Hitchcock traut den derzeit verantwortlichen Politikern nicht zu, die anstehenden Probleme zu lösen

Wechselvolle Lebensreise durch Europa

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Anthony Hitchcock.

Kirchdorf - „Ich bin ein Europäer, der ganz zufällig einen britischen Pass hat.“ Mit diesen Worten leitete Anthony Hitchcock im Kirchdorfer Dorfgemeinschaftshaus den Bericht über sein Leben in verschiedenen Ländern Europas ein, den er auf Einladung der VHS und der Europa-Union gab. Einleitend berichtete Gerhard Thiel, Kreisvorsitzender der Europa-Union, über Entstehung und Ziele dieser Vereinigung. Seine Wanderlust und seine Liebe zur Musik habe er wohl von seinen Eltern geerbt, sagte Hitchcock: Sein Vater war ein Seemann und seine Mutter Pianistin, die hauptsächlich in Kinos als musikalische Begleiterin in Stummfilmaufführungen spielte. In den 60er Jahren ging Hitchcock das erste Mal ins Ausland: Als Angehöriger der Royal Air Force nach Gütersloh, wo er seine spätere Frau kennenlernte. Die standesamtliche Trauung fand in Wales statt, die kirchliche in Ströhen, die Geburtsorte der drei Kinder liegen in England und Deutschland. Nach der Militärzeit arbeitete Hitchcock bei VFW Focke in Bremen, zwischendurch auch in Ottobrunn in Bayern, wo er sich an die Bezeichnung „Saupreuß, englischer!“ erinnert. Die Familie zog 1976 nach Toulouse, wo er bis zu seinem Ruhestand 2004 arbeitete. Seit 2006 lebt das Ehepaar Hitchcock in Kirchdorf. „Europa hat sich entwickelt“, sagt Hitchcock, wenn er zurückblickt, was er früher alles für die Erlangung einer Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung in einem anderen europäischen Land anstellen musste. Und auch das Reisen innerhalb der Europäischen Union wurde dank des Schengen-Abkommens einfacher. Aber der Referent blickt recht pessimistisch in die Zukunft. Er traut den derzeit verantwortlichen Politikern nicht zu, die anstehenden Probleme zu lösen.

Der zweite Teil des Abends gehörte dem Leben von Paul Segrétain, der die Partnerschaft zwischen seiner Region in Frankreich und der Samtgemeinde Kirchdorf maßgeblich mit vorangetrieben hat. Er hatte während des Zweiten Weltkriegs im französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer gekämpft, war im November 1943 verhaftet worden und musste bis zum Kriegsende im KZ Buchenwald Zwangsarbeit verrichten. Seine Erinnerungen an diese schreckliche Zeit hat Segrétain aufgeschrieben, und Anthony Hitchcock hat die Schriften übersetzt. Die französischen Häftlinge schwörten nach der Befreiung, dafür zu kämpfen, dass die Schuldigen vor die Richter kommen, und dass der Aufbau einer neuen Welt des Friedens das Ziel sei. Mit der Begründung der Partnerschaft zwischen seiner Gemeinde Bessé-sur-Braye, deren Bürgermeister er in den 80er Jahren war, und der Samtgemeinde Kirchdorf hat er seinen Beitrag für den zweiten Teil des Schwurs geleistet. Und er machte das sichtbar bei der Vertragsunterzeichnung mit der Umarmung von Samtgemeindebürgermeister Fritz Speckmann und dem Kirchdorfer Bürgermeister August Hormann – beide hatten der deutschen Besatzungsmacht in Frankreich angehört.

gk

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