Barenburg: Ariane Meyer lädt ein zum Mitmachen beim Benefiz-Nähprojekt

Abtauchen in die Farben

Den Kleiderschrank ausräumen beschert Stoffstücke.

Barenburg - Von Sylvia Wendt. Menschen, die aufgrund der geltenden Vorgaben aggressiv reagieren. Die aktuellen Beschränkungen, die Lagerkoller auslösen. Ariane Meyer aus Barenburg brauchte Farbe. Brauchte eine Ablenkung aus dem Reigen der Hiobsbotschaften, die aus der ganzen Welt als Nachricht in jeden Haushalt sickern. „Ich habe meinen Kleiderschrank geöffnet. Ausgemistet. Stoffe, Farbe und Materialien geben mir die Chance, an etwas Schönes zu denken. Das ist Balsam für meine Seele“, sagt die 46-Jährige.

Die erste Idee hat in kurzer Zeit zu einer zweiten geführt. Die erste Idee nennt Ariane Meyer ihr „Waikiki-Hilfsprojekt“. Der Name klingt nach bunten Farben und umfasst die Idee, andere zum Nähen zu begeistern.

Kleidung aus dem Schrank zu nehmen, neu zusammenzusetzen, Neues schaffen. „Recycling ist mein Thema“, sagt Meyer, die ihre Firma „Second Rose“ vor genau diesem Hintergrund gegründet hat. Materialien recyceln, Neues schaffen: Das geht mit Stoff, wie mit Papier – und was das Ganze mit Toilettenrollen zu tun hat, dazu später.

Ariane Meyer wendet sich online an ihre Freunde – und ermuntert sie, es ihr gleich zu tun. „Man muss nicht gut nähen können. Ich gebe Anleitungen, helfe. Wer Lust hat, macht einfach mit.“ Und näht, was er mag. Ariane Meyer etwa fertigt Taschen. Andere nähen Kuscheltiere, Etuis, Utensilos – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

„Wenn sich die Situation gebessert hat, wollen wir die Dinge gerne für einen guten Zweck verkaufen“, kündigt Meyer an. Und wenn es länger dauern sollte, bis das öffentliche Leben wieder soweit möglich ist, dann wäre auch eine Online-Verkaufslösung denkbar. Welch soziale Einrichtung letztlich mit dem Erlös bedacht wird, lässt Meyer bewusst offen: „Das hängt davon ab, wie sich die Bedürftigkeit bis dahin entwickelt hat.“

Derweil ist Ariane Meyer froh, wenn sie durch ihre beiden Aktionen täglich zwei bis drei Stunden den Gedanken an Corona, das Virus und seine Auswirkungen auf das tägliche Leben kurzzeitig verdrängen kann.

Dass das aber eigentlich gar nicht geht, zeigt Projekt zwei: Das Nähen von Behelfsmasken für den Mund, das sich aus dem ursprünglichen Nähprojekt entwickelt hat. „Das überrennt mich gerade.“ Seitdem sie öffentlich gemacht hat, dass sie diese Masken näht, häufen sich die Anfragen. Der Kommentar, der die Barenburgerin am meisten geärgert hat: „Komm, ich verkaufe dir die Dinger. Die gehen weg wie Bockwürste und du bist dann Millionärin.“

Es gehe ihr nicht um Geld, sondern um sinnvolle und uneigennützige Hilfe. Ariane Meyer hat sich mit dem Schwager, der an der Medizinischen Hochschule in Hannover arbeitet, ausgetauscht, hat sich die Vorgaben des Robert-Koch-Institutes vorgenommen. Und versucht, nutzbare Behelfsmasken für den Mund zu fertigen. „Die sind nicht zertifiziert, nicht geprüft“, betont Meyer. Aber sie können, da aus Baumwolle, ausgekocht werden, um sie erneut zu nutzen. Es gebe zwei Varianten, sie fertige beide. Und ausschließlich für diejenigen Gruppen, die sie brauchen. Nicht für jene, die sie einfach nur gerne hätten.

Ihr Schwiegervater bekommt etwa eine. Der hat COPD, muss zur Dialyse. Mitarbeiter einer Physiopraxis, die weiterhin medizinisch indizierte Behandlungen durchführen. „Das ist nicht für jeden gedacht, sondern für diese Personengruppen, die sie tatsächlich brauchen“, stellt Meyer klar.

Und betont: „Die bekommen sie kostenlos. Wir wollen die Masken nicht für horrendes Geld im Internet verkaufen.“ Nähgarn, Draht, Baumwollstoffe: Noch habe sie genügend Material, um weitere Masken zu fertigen. Drei Personen nähen die Masken derzeit, zwei weitere würden noch dazukommen.

Ariane Meyer gibt für beide Nähprojekte gerne Anleitungen heraus, man kann sie telefonisch oder per Mail erreichen. Wer seine Projekte posten möchte, kann das über das Portal von Ariane Meyer und Second Rose tun – oder im Hintergrund bleiben.

Zurück zu den Toilettenrollen. „Davon haben ja viele jetzt richtig viele. Und Pizzaboxen: Auch das alles kann man zweitverwerten. Dazu gebe ich ebenfalls gerne Bastelanleitungen heraus“, sagt Ariane Meyer.

Kontakt

Ariane Meyer ist zu erreichen unter Tel. 01 73 /6 73 82 67 und 0 42 73 / 5 80 76 64 sowie per E-Mail an ariane.meyer.svw1899@gmail.com.

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