Inbetriebnahme der Förderstätte muss noch kurz warten

Bahrenborstel: 10. 000 Kubikmeter Erdgas stündlich

Christian Brüning vor dem wichtigsten Element, dem sogenannten E-Kreuz (in Schwarz und Rot, hinter Gittern).
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Christian Brüning vor dem wichtigsten Element, dem sogenannten E-Kreuz (in Schwarz und Rot, hinter Gittern).

Bahrenborstel – Da kannste nichts machen: 13 Millionen Euro für den Bohrplatz, 1,5 Millionen für die zig Leitungsmeter und noch mal sieben Millionen für die oberirdische Anlage – aber wenn ein kleines Messgerät fehlt, geht auch die „Millionen-Anlage“ nicht in Betrieb. In zwei bis drei Wochen sollen die letzten fehlenden Teile geliefert und montiert sein, dann kann die Erdgasbohrung Burgmoor Z5 der „ExxonMobil“ in Bahrenborstel fördern.

Projektleiter Jürgen Nolle und sein Team haben dann gut ein halbes Jahr umfangreicher Arbeiten hinter sich. Zum Pressetermin der Inbetriebnahme sind die Arbeiten eben noch nicht beendet und kann die Anlage nicht in Betrieb genommen werden. Dafür gibt es Infos satt, deshalb werden Nolle, technischer Geschäftsführer Axel Weiß, Betriebsleiter Christian Brüning, Kirchdorfs Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher und Bahrenborstels Bürgermeister Matthias Stelloh von diversen CDU-Bundes- und Landespolitikern flankiert.

Brüning liefert Eckdaten: Gefördert werden 10. 000 Kubikmeter Erdgas pro Stunde. Zum Vergleich: Ein regulärer Haushalt benötige etwa 3. 800 Kubikmeter pro Jahr. Das Erdgas werde aus einer Tiefe von etwa 3. 500 Metern gefördert. Das Süßgas habe eine leichte Schwefelwasserstoffbeimischung. Und weil die unter einem Prozent liegt, werde dieser Anteil vor Ort herausgefiltert vor dem Einspeisen ins Leitungsnetz. Herausgefiltert werde zudem ein leichter Quecksilberanteil. Würde der Anteil des Schwefelwasserstoffs höher gelegen haben, wäre das Filtern vor Ort zu teuer gewesen, hätte das geförderte Erdgas erst nach Großenkneten zur firmeneigenen Filteranlage geleitet werden müssen.

Viel Technik vereinen (von rechts) der Entschwefelungsturm, der Quecksilberfilter und der Trocknungsturm.

So aber hat die Firma „ExxonMobil“ auf der Förderstelle Burgmoor Z5 nicht nur Einzelteile von ehemaligen Anlagen aufbereitet, also Materialien recycelt. Sie setzt auf neueste Technologien, betont Weiß. Dazu zählen auch die umfangreichen Sicherungsmaßnahmen rund um die Bohrung.

Filter für Quecksilber und Schwefel

Projektleiter Jürgen Nolle ist gelernter Maschinenanlagenmonteur und kann die Einzelteile und ihre Funktion präzise erläutern. Den Isolierflansch etwa, der zwei Rohrenden einer Pipeline isoliert und die Anlage vor Hochspannung schützt. Als Nolle die Quecksilberanlage erklärt, klingt es zwischendrin wie Bucher-Speck. Tatsächlich aber sagt er „Puraspec“: Aktivkohle filtert das Quecksilber aus dem Erdgas. „Molch-Schleuse“ ist ein weiterer Begriff für ein Teil, das bei der tatsächlichen Inbetriebnahme eine wesentliche Rolle spielen wird: Ein Kunststoffmolch drücke den Sauerstoff aus den Leitungen, bevor Stickstoff draufgeführt werde. Sieben Böden stark ist der Trocknungsturm für das Erdgas, bevor es in die Leitungen geführt wird. Das Herzstück, das sogenannte E-Kreuz, erläutert Brüning vor Ort mit anschaulichen Gesten, um den Laien in Sachen Erdgasproduktion die Arbeitsweise zu erklären. Und gleich mehrfach die Sicherungsmaßnahmen an den Schnittstellen der Förderung zu erklären. „Unser Beitrag zu Sicherheitsstandards ist extrem hoch“, bestätigt Axel Weiß. Grundtenor: Letztlich sind alle in Sekundenschnelle geschaltet, weil die Überwachung rund um die Uhr läuft. Wie viele Mitarbeiter hier noch vor Ort sind? „Keiner.“ Das Gros umfasse Erdarbeiten, auch, weil das Oberflächenwasser vor Ort aufgefangen und fachgerecht entsorgt wird. Das gelte auch für das Lagerstättenwasser, das, wie Axel Weiß betont, dem Kreislauf wieder zurückgeführt werde. Nachfragen zur umstrittenen Fördermethode „Fracking“ erstickt Pressesprecher Klaus Torp im Keim – mit Hinweisen auf die restriktive und 2016 noch verschärfte Bundesgesetzgebung dazu und der Aussage, dass die Firma „ExxonMobil“ seit 2011 Fracking nicht mehr als Förderoption bei den firmeneigenen etwa 300 noch bestehenden Erdgasbohrungen einsetzt.

Der Isolierflansch (das rote Teil) auf der Förderstelle Burgmoor Z5 in Bahrenborstel.

Etwa 30 Jahre, so der Plan, werde auf der Burgmoor Z5 gefördert. Laut Axel Weiß plane „ExxonMobil“ keine neuen Bohrungen. „Wohin wir uns entwickeln, ist heute nicht bekannt.“

Von Sylvia Wendt

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