Mehrheit der Syker möchte das alte Nummernschild zurück

Kennzeichen SY ungelöst

Für die Liberalisierung von Autokennzeichen wirbt Professor Dr. Ralf Bochert (rechts) symbolisch mit einem neuen   SY-Nummernschild in die Kamera. Bürgermeister Dr. Harald Behrens (l.) und Horst Meyer präsentieren ein „echtes“ Syker Kennzeichen: Es stammt von Meyers erstem Auto.

Syke (mwa) · Was ist die gleichzeitig am weitesten verbreitete, in der Bevölkerung am besten bekannte sowie für die Betreiberkommune billigste Werbung in eigener Sache, die sich eine Stadt nur wünschen kann? Antwort: Ein eigenes  Autokennzeichen!

Dieser Ansicht ist Professor Dr. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn . Er und seine Mitarbeiter haben sich dem Thema „Kennzeichenliberalisierung“ gewidmet. Die Idee: Warum sollte nicht jede Stadt, die es wünscht, ein eigenes Kfz-Kennzeichen haben?

Ein erster Schritt auf diesem Weg wäre, alte Autokennzeichen wieder einzuführen, die es heute nicht mehr gibt. Wie zum Beispiel das alte SY-Nummernschild für Syke. Bei einer Untersuchung zu diesem Thema haben  Bochert und sein Team 11 000 Menschen in 51 Städten befragt, wie sie zu dieser Idee stehen. Das Ergebnis: 73 Prozent wollen ihre alten Autokennzeichen wieder haben, nur 12 Prozent wollen das nicht. 15 Prozent haben keine Meinung dazu.

Auch in Syke, wo Bochert und sein Team für die Umfrage auf dem Wochenmarkt waren (wir berichteten), würden gern 55 Prozent ihr altes SY-Schild wieder an den Autos sehen. Dagegen sind 18 Prozent, 27 Prozent sind unentschieden.

„Das Verblüffende dabei ist: Es handelt sich hier nicht um ein Nostalgie-Phänomen“, so Bochert, der am Freitag Abend im Syker Rathaus das Ergebnis seiner Untersuchung vorstellte. „Denn gerade bei den Jungen, die noch nie mit einem SY-Schild unterwegs gewesen sind, ist der Anteil der Befürworter besonders hoch.“

Seiner Meinung nach führen vor allem drei Gründe zu diesen außerordentlich positiven Ergebnis: Erstens die Identifikation mit der eigenen Stadt durch das Kennzeichen, zweitens der damit verbundene Marketing-Effekt. Eine Stadt, die ein eigenes Autokennzeichen hat, wird praktisch überall wahrgenommen, wo „ihre“ Autos fahren. Der Dritte Grund wäre für Bochert Nostalgie: Wer früher mal so ein altes Nummernschild hatte, trauert dem heute nach. Wobei Bochert übrigens deutlich zwischen Städten und Gebieten differenziert. „Menschen identifizieren sich mit ihrer Heimatstadt. Zu einem Kennzeichen wie MKK für Main-Kinzig-Kreis baut dagegen niemand emotionale Bindungen auf.“

Tatsächlich gibt es eine Hand voll Kommunen, die sich ihre eigenen Autokennzeichen durch alle Gebietsreformen hindurch erhalten haben. Und es gibt derzeit erste Anläufe, einige buchstäblich aus dem Verkehr gezogene Kennzeichen wieder aufleben zu lassen. „Technisch wäre das auch in Syke überhaupt kein Problem“, sagt Bochert. „Bei der Zulassung erkennt der Computer am Wohnort des Halters, ob er jetzt ein DH oder ein SY vergeben soll.“ Das funktioniere zum Nulltarif, sagt er.

„Politisch ist das hingegen alles andere als einfach!“

Zunächst müsste der Syker Rat per Beschluss den Wunsch nach dem SY-Kennzeichen formulieren. Dann müsste der Landkreis mitspielen und mit der Stadt einen Vertrag schließen. Mit diesem Vertrag müsste sich der Landkreis an die Landesregierung wenden, und die müsste im Bundesrat beantragen, das Kennzeichen SY wieder in der Zulassungsverordnung zu führen.

Und was fängt die Syker Stadtverwaltung nun mit diesem neuen Wissen an? „Gute Frage“, zuckt Fachbereichsleiter Horst Meyer mit den Achseln. „Wir werden unsere Politik damit konfrontieren, es aber auf alle Fälle langsam angehen  lassen.“

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