50 Fälle im Jahr 2012 für das Netzwerk für Existenz- und Wohnraumsicherung

„Da kannste hingehen...“

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Susanne Gerking ist auf dem Sprung zum nächsten Klienten, dazwischen passt der Fototermin, hier mit Bereichsleiter Frank Kruse.

Freistatt - Von Sylvia WendtEs genügt mitunter nur eine Kleinigkeit – und schon gerät das Leben langsam, aber stetig mehr aus den Fugen. „Wer einmal in die Verschuldungsspirale geraten ist, der braucht Hilfe, um dort wieder herauszukommen“, sagt Susanne Gerking. Als Mitarbeiterin des Netzwerkes für Existenz- und Wohnraumsicherung (NEW) berät sie Klienten unter anderem im Sulinger Land.

Das NEW ist ein Projekt des Landkreises in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bethel im Norden, dem Caritasverband und dem Verein „release“. Die Mitarbeiter haben den Landkreis in drei Bereiche aufgeteilt: Bassum/Twistringen, den Nord- und den Südkreis.

Über Arbeit und Inhalte berichteten Susanne Gerking und Frank Kruse, Bereichsleiter Wohnungslosenhilfe/Bethel im Norden, jetzt dem Ausschuss für Jugend und Soziales der Samtgemeinde Kirchdorf. Das Gremium unter Leitung von Holger Könemann nahm eine Zahl mit Erstaunen zur Kenntnis: Allein 50 Fälle im Sulinger Land gab es für das NEW im Jahr 2012, darunter sieben aus der Samtgemeinde. 92 Menschen füllen die „Fälle“ mit Leben. Neun Familien sind darunter, acht Paare, 33 Einzelpersonen – und 27 Kinder.

Arbeitslosigkeit, ein Paragrafen- und Antragsdschungel, Verzweiflung und Resignation und daraus resultierende weitere Schulden und Probleme. „Armut ist teuer“, sagt Susanne Gerking – und kann das mühelos mit Beispielen belegen: Wer kein oder wenig Geld hat, hat die schlechtesten Wohnungen. Die sind zugig, schlecht isoliert, deshalb sind die Nebenkosten, etwa für Heizung, hoch. Und der alte Kühlschrank ist fürs kühlen zuständig, selten fürs Energiesparen.

Zuschüsse, Verordnungen, Vorschriften, wenn diese Leistung, dann jene nicht: Was Susanne Gerking aus ihrem Alltag erzählt, lässt jeden Laien verstummen, ob der Vielfalt an Dingen, die zu beachten sind. Wenn nun aber jemand „vom Fach“ schon intensivst daran arbeiten muss, alle Bestimmungen zu kennen – wie soll das ein Laie bewerkstelligen, der zudem vor den Trümmern seines Lebenstraumes steht? „Manche Klienten brauchen nur ein wenig Hilfestellung, um wieder beide Füße auf den Boden zu bekommen, andere sehe ich jede Woche zwei bis drei Mal“, erklärt Susanne Gerking. Ihre Arbeit sieht sie als Begleitung, als Hilfe, als Prävention davor, erneut oder weiter in die Spirale gerissen zu werden. Informiert wird das Team derzeit oft durch Vermieter, deren Mieter nicht gezahlt haben. Darüber freut sich Gerking: „Das zeigt, dass sie nicht gleich die Keule rausholen, sondern die Problematik gesehen haben.“ Andere Personen vermittelte das Jobcenter, und sehr gut funktioniere die Mundpropaganda: „Da kannste hingehen, die tun dir nichts“, wird die Hilfe der Netzwerk-Mitarbeiter bereits sehr geschätzt.

Kostenlos, ohne Formalitäten wird die Situation analysiert. Die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht und kommen zu den Klienten nach Hause (denn die meisten sind nicht mobil), begleiten sie zu Gesprächen mit dem Vermieter, helfen bei der Wohnungssuche, im Umgang mit Behörden und bei Anträgen, stellen Kontakte her zu anderen Fachstellen. „Damit das Leben wieder rund läuft“, heißt es. Über die finanzielle Ausstattung rangelt derzeit Politik. Land, Landkreis und Kommunen sind im Gespräch, wer das Netzwerk, dessen Finanzierung in diesem Jahr noch gesichert ist, künftig trägt.

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