Vor 25 Jahren testet die Abfallwirtschaftsgesellschaft erstmals Biotonnen

Vokuhila geht – grün bleibt

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Ein AWG-Mitarbeiter informiert vor 25 Jahren über die Biotonne.

Bassum - Von Ove Bornholt. Es war die Zeit des Vokuhila-Haarschnitts, als Biotonne und Gelber Sack ihren – ja, man kann sagen – Siegeszug im Landkreis Diepholz antraten: Vor 25 Jahren startete die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) einen knapp zweijährigen Modellversuch in Alt-Bassum und Neubruchhausen mit der Biotonne, und junge Männer in orangenen Klamotten zogen von Tür zu Tür, um die neuen Behälter anzupreisen.

„Mit diesem Versuch waren wir einer der ersten Landkreise überhaupt“, erinnert sich AWG-Pressesprecher Matthias Kühnling an die Erprobung der Biotonne und des Gelben Sacks oder Wertstoffsacks, wie er im Verwaltungsdeutsch heißt. In einem Zwischenbericht der Kreisverwaltung vom August 1990 heißt es: „Die Vorsortierung von Abfällen im Haushalt ist für viele Bürger ungewohnt. Zwar gehört es heute schon zu einer Selbstverständlichkeit, Altpapier und Behälterglas zu sammeln, bei dem Modellversuch Biotonne wird der Bürger jedoch mit mehreren neuen Sammelsystemen konfrontiert.“

Die AWG-Mitarbeiter – einige davon mit Vokuhila, also vorne kurz und hinten lang – versuchten, jeden der 2450 Haushalte in Bassum und 303 Haushalte in Neubruchhausen aufzusuchen, um die Leute vor Ort über „die Notwendigkeit der Getrenntsammlung“ zu informieren. Dieser Eifer hatte einen guten Grund: Die Verwaltung zweifelte an der Begeisterungsfähigkeit der Einwohner für Tonne Nummer 2 und den Wertstoffsack. „Dem Bürger wird eine zusätzliche Leistung (die Abfallsortierung, Anm. d. Red.) abverlangt, ohne dass er dafür eine unmittelbare Gegenleistung erhält“, heißt es in dem 25-seitigen Papier.

„‚Die Tonne brauchen wir nicht‘, hieß es bei einigen Leuten“, sagt Kühnling und schiebt seine Kaffeetasse mit der Aufschrift „AWG-Energie-Pott“ über den kleinen Tisch für Besucher in seinem Büro. „Sie müssen die Skeptiker überzeugen“, erklärt er. Diese seien aber absolut in der Minderheit gewesen.

Dies zeigt sich auch in den Zahlen des Zwischenberichts von 1990: In Bassum entschlossen sich 94 Prozent der Haushalte einen Wertstoffsack und 86 Prozent der Haushalte eine Biotonne zu versuchen; in Neubruchhausen waren es 92 Prozent beim Wertstoffsack und 72 Prozent bei der Biotonne. „Wie erwartet, war im ländlich strukturierten Ortsteil Neubruchhausen wegen des höheren Anteils an Eigenkompostierern der Beteiligungsgrad niedriger“, heißt es in dem Bericht.

Der ebenfalls getestete Problemabfall-Behälter setzte sich übrigens nicht durch. In der kleinen roten Tonne sollten Öl und Medikamente gesammelt werden, doch nur rund die Hälfte der Haushalte konnten sich damit anfreunden.

Doch warum probierte die AWG überhaupt das neue Verfahren aus? „Müll-Notstand“, lautet Kühnlings knappe Antwort. Es habe einfach zu wenig Deponien gegeben, deswegen habe die AWG versucht, den kompostierbaren Müll vom Restmüll zu trennen.

Dem Modellversuch folgte bis 1993 schrittweise die Einführung der Biotonne im gesamtem Landkreis. 55000 Tonnen Biomüll werden derzeit pro Jahr im Entsorgungszentrum Bassum verarbeitet. Und im Gegensatz zum Vokuhila sind die grünen Tonnen mit etwa 50000 Exemplaren auch nach einem Vierteljahrhundert noch weit verbreitet.

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