Altes Gemeindehaus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Diepholz

Vor 50 Jahren eingeweiht

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Das Gebäude der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Diepholz an der Grafenstraße (Foto links aus dem Jahr 1995) wurde vor 50 Jahren eingeweiht.

Diepholz - Von Marco RitterVor 50 Jahren – am 16. Dezember 1962 – wurde an der Grafenstraße 30 das Gemeindehaus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) eingeweiht. Die damalige Eigentümerin, Else Schmidt, hatte die Wohnung mit dem daneben liegenden ehemaligen Pferdestall an die kleine Gemeinde vermietet, die sich am 12. November 1962 als selbstständige Zweiggemeinde mit eigenem Vorstand konstituiert hatte.

Nach dem Umbau war ein Versammlungsraum mit etwa 80 Sitzplätzen entstanden, der die Gemeinde bis zum Jahr 1999 beherbergte.

Dann zog sie in ihr neues Gemeindezentrum an der Heeder Dorfstraße 132, wo sich die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde bis heute versammelt und am Sonntag das Jubiläum feiert.

In den letzten Jahren hat die Gemeinde durch viele Veranstaltungen mit hochkarätigen Referenten und Künstlern mit christlichem Hintergrund das kulturelle und soziale Leben in Diep holz bereichert. Die Wurzeln der Gemeinde entstanden nach dem zweiten Weltkrieg, als Flüchtlinge nach Diepholz kamen. Zunächst traf man sich in einer Stube an der Bahnhofstraße, die jedoch nach zwei Zelt-Evangelisationen und der Berufung eines hauptamtlichen Predigers bald zu klein wurde.

Das Wort „Baptisten“ wird von dem griechischen Wort für „taufen“ abgeleitet. Martin Luther hatte 1525 die Bibel ins Deutsche übersetzt und sie als alleinigen Maßstab für das christliche Leben wiederentdeckt, was in Europa die Reformation auslöste. Bald gab es jedoch unter den Reformatoren Martin Luther, Ullrich Zwingli, Balthasar Hubmaier und anderen unterschiedliche Ansichten über das Abendmahl, die Taufe und die Frage nach dem Verhältnis von Staat und Kirche. So entwickelte sich neben dem lutherischen und reformierten der täuferische Zweig der Reformation.

Nach Auffassung der Täufer sollte eine christliche Gemeinde nur aus Menschen bestehen, die eine bewusste und freie Entscheidung für den Glauben an Jesus Christus getroffen haben. Die Taufe erfolgte wie bei den ersten Christen durch untertauchen. Diese sah man nur in der Glaubenstaufe und der Trennung von Staat und Kirche verwirklicht. Luther und Zwingli hingegen entschieden sich für das Staatskirchentum.

Vor 178 Jahren wurde in Hamburg die erste Baptistengemeinde in Deutschland gegründet. Während seiner kaufmännischen Ausbildung und Tätigkeit in Schottland und England hatte der in Varel geborene Johann Gerhard Oncken unabhängige und reformierte Gemeinden kennen gelernt. Nach Hamburg zurückgekehrt, gründete er einen Buchverlag zur Verbreitung der Bibel. Im Stadtteil St. Georg richtete er eine Sonntagschule für sozial schwache Kinder ein.

Die deutschen Baptisten nannten sich ursprünglich einfach nur „Gemeinde gläubig getaufter Christen“. Julius Köbner hatte 1848 ein „Manifest des freien Urchristentums“ verfasst: nicht kirchliche Tradition und der Staat sollten das Christsein bestimmen, sondern die Bibel.

So sind die Grundsätze von Religions- und Gewissensfreiheit, Taufe aufgrund einer mündigen Entscheidung sowie die Trennung von Staat und Kirche bis heute das Kennzeichen der Baptisten geblieben.

In Deutschland gibt es etwa 83 000 Mitglieder in über 700 Gemeinden, die im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Körperschaft des öffentlichen Rechts) zusammengeschlossen sind.

Sie sind Glieder der „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland“ und nehmen regen Anteil an der „Evangelischen Allianz“.

Mit mehr als 80 Millionen Gemeindegliedern und Freunden sind die Baptisten weltweit die größte protestantische Kirche.

Der Diep holzer Gemeinde gehören heute 33 Mitglieder an.

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