Brinkumer Arzt setzte für Suchtmedizin in Deutschland Impulse

40 Jahre Release

Dr. Eberhard Hesse und Alexandre Peruzzo

Brinkum - (sie) · Der Verein „Release“, der fünf Beratungsstellen im Nordkreis und damit ein Netzwerk psychosozialer Hilfen betreibt, feiert in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag. Der Trägerverein beschäftigt zehn Mitarbeiter in Vollzeit und gilt als Fachstelle für Sucht und Suchtprävention. Release ist auch eine Selbsthilfekontaktstelle und bietet zusätzlich eine Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung an.

Der langjährige Vorsitzende Dr. Eberhard Hesse und sein Nachfolger, Alexandre Peruzzo, blicken auf die Anfänge zurück. Eine Begegnung mit einem Drogenabhängigen sei für Dr. Hesse ein prägendes Erlebnis gewesen, das Auslöser gewesen ist, sich intensiver mit Suchterkrankungen zu beschäftigen. Dr. Hesse: „Er stand Weihnachten 1969 vor der Tür und bat um Hilfe.“ Der Arzt verabreichte ein künstliches Opiat. „Aus Unkenntnis wäre die Sache fast schief gegangen“, reflektierte Dr. Eberhard Hesse. Es eine Zeit gewesen, in der wenige Menschen in Deutschland überhaupt Heroin-Abhängige kannten und wussten, was Sucht wirklich bedeutet. Methadon-Ersatzdrogen-Programme liegen in weiter Zukunft. Man wusste in Deutschland nicht, mit welchen Ersatzmitteln man Kranken mit Entzugserscheinungen effektiv helfen konnte. „Das Opiat Methadon ist ein Schmerzmittel, das 18 Stunden im Körper bleibt“, erklärt der Mediziner. Dr. Hesse recherchierte und arbeitete intensiv daran, diese Lücke zu schließen. Er stieß auf Quellen in England und den USA und gründete mit Persönlichkeiten aus dem Landkreis den Verein Release. Die Justiz sei damals auf ihn aufmerksam geworden, weil er einer von zwei Ärzten in Deutschland war, die Drogenabhängigen einen Ersatzstoff verabreichten. Sechs Verfahren habe es gegeben, die aber alle eingestellt worden seien, berichtet Hesse, weil „ich die gebotene Sorgfalt nachweisen konnte“. Anfang der 70er Jahre kooperierte Dr. Hesse mehrere Jahre mit Alexandre Peruzzo, der damals eine neue Behörde, die Bremer Drogenberatungsstelle, aufgebaut und geleitet hatte. Den sicheren Job gab er auf und wurde freier Sozialarbeiter in der Praxis von Dr. Hesse. Gemeinsam haben sie mit Fortbildungsveranstaltungen und der Erarbeitung einer Ausbildungsordnung für Ärzte viele Impulse für die Suchtmedizin gesetzt, die heute nicht mehr wegzudenken sind. Peruzzo wurde Geschäftsführer mehrerer Suchtkliniken, blieb Release aber treu. Zukünftig will der Verein Dienstleister sein, ohne aber die Selbsthilfeorientierung (Patientenclub, Gesprächsrunden) zu verlassen. Die Hilfen sollen Patienten auch bezahlen können.

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