Immer wieder ignorieren Unbefugte Baustelle auf der B61/Polizei kontrolliert

Autofahrer legen Hand an zentnerschwere Baken

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Ab hier geht nichts mehr: Weil eine weitere Umleitungsbeschilderung fehlt, finden nur Ortskundige eine alternative Strecke.

Scholen - Von Anke Seidel. Geht nicht gibt‘s nicht: Frei nach diesem Motto verschaffen sich Autofahrer auf der B61 widerrechtlich freie Fahrt durch die acht Kilometer lange Baustelle zwischen Anstedt und der Abzweigung nach Wedehorn. Sie schieben sogar die zentnerschweren Absperrbaken zur Seite, weiß Simon Kopmann als Chef der bauausführenden Firma Koldewey.

Seine Mitarbeiter bringen dort eine neue Fahrbahndecke auf. Noch bis einschließlich 12. November bleibt die B61 in diesem Teilabschnitt voll gesperrt. Weil sie eine wichtige Transitstrecke zwischen Bremen und Minden ist, sind ungezählte Auto- und Lastwagenfahrer auf diese Straße angewiesen. Eine Umleitung ist zwar ausgeschildert. Aber längst nicht alle akzeptieren den Umweg.

Die zentnerschweren Sperrbaken beiseite schieben – und einfach durchfahren: So ein Verhalten von Autofahrern müssen die Bauarbeiter dort immer wieder erleben, sagt Kopmann. Genau diese Fahrer schützt die Straßenbaufirma jetzt vor sich selbst: In Scholen, Abzweigung nach Brake, hat sie vier jeweils 1,5 Tonnen schwere Betonrohre hinter die Baken und quer auf die Fahrbahn gelegt. „Damit die Leute da wirklich nicht mehr durchfahren können“, sagt Kopmann. Genützt hat es offensichtlich wenig: Weil die Bauarbeiter den Radweg als Rettungsgasse freihalten müssen, nutzen die Autofahrer laut Kopmann nun diesen Durchlass, um durch die Baustelle zu fahren.

Bis zu 15 seiner Mitarbeiter arbeiten dort auf der Straße. Um Spurrillen zu beseitigen, haben sie zunächst vier Zentimeter der alten Fahrbahndecke auf einer Länge von acht Kilometern abgefräst.

Früher seien solche Arbeiten während einer halbseitigen Sperrung erfolgt. „Aber die Berufsgenossenschaft hat dafür mittlerweile ganz klare Regeln festgelegt“, sagt Kopmann. Zum Schutz von Leib und Leben der Bauarbeiter sei die Vollsperrung Pflicht: „Und darüber bin ich froh!“

Weil Kopmann weiß, wie wichtig die Busverbindungen zwischen Sulingen und dem Bassumer Bahnhof sind, hat er in einem Fall eine Ausnahme zugelassen: „Aus gutem Willen haben wir Weser-Ems-Bus immer durchfahren lassen“, sagt er. „Aber wir haben Weser-Ems-Bus schon zwei Wochen vor Beginn der Baumaßnahmen über die Sperrung informiert!“

Wie bereits am Dienstag berichtet, hatten Fahrgäste in Neuenkirchen vergeblich auf den Bus gewartet und die Informationspolitik von Weser-Ems-Bus kritisiert: Zu spät und nicht vollständig war im Internet dargestellt worden, dass mehrere Haltestellen an der B61 wegen der Baustelle nicht angefahren werden können. Weser-Ems-Bus hatte erklärt, von der Straßenbaufirma nicht rechtzeitig informiert worden zu sein.

Allein am Montag hätten selbst die Busse nicht durch die Baustelle fahren können, sagt der Chef der Straßenbaufirma. Denn nach einem technischen Defekt sei dort ein großes Baufahrzeug liegen geblieben.

Unabhängig davon war das Durchwinken der Busse ohnehin nicht unproblematisch: „Herdentrieb“, schmunzelt Simon Kopmann. Bis zu einem Dutzend Autos seien dem Bus sofort hinterher gefahren.

Wegen der zahlreichen Verstöße kontrolliert die Polizei regelmäßig vor Ort. „Wenn wir da stehen, verhalten sich natürlich alle ordnungsgemäß“, so ein Sprecher der Polizei.

Manche seien aber einfach mit der Umleitung überfordert, ja hilflos: Ein älteres Ehepaar aus dem Mindener Raum habe sich auf dem Weg nach Bremen nicht anders zu helfen gewusst, als durch die Baustelle zu fahren.

Andere wiederum, so weiß auch Kopmann, würden einfach stur nach Navigationsgerät fahren – ob das nun eine Baustelle anzeige oder nicht.

Grundsätzlich ist es nach Auskunft von Uwe Schindler als Direktor des zuständigen Straßenbauamts in Nienburg schwierig, alle Geräte mit allen Baustellen-Infos zu erreichen: „Mal ehrlich: Wie oft machen Sie ein Update auf Ihrem Navigationsgerät?“

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