Grandiose Vorstellung des Michy Reincke Akustiktrio mit spontanem Vorprogramm / Überraschungsgast Tess Wiley überzeugt

„Ich hab nur einfach total Bock, heute hier zu spielen“

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Michy Reincke (links) und Ralf Denker ·

Syke - Von Michael Walter. Als das Licht im Sparkassen-Saal gegen zwanzig nach elf wieder anging, mussten einige erst einmal sacken lassen, was sie da gerade erlebt hatten.

Es besteht der Verdacht, dass rund 200 Personen am Samstag Abend in Syke Zeugen von etwas ganz besonderem geworden sind: Eines Konzerts, dass sich in dieser Intensität – und damit in dieser Klasse – möglicherweise nur schwer wiederholen lässt.

Seine aktuelle Herbsttour hatte das Michy Reincke Akustik-Trio (Reincke plus Martin Meyer am Flügel und Ralf Denker an der Gitarre) nach Syke geführt. „Ich weiß nicht, ob wir uns schonmal gesehen haben“, moderierte der mittlerweile 53-jährige gebürtige Hamburger an. „Es gab da eine Phase in meinem Leben – so zwischen 20 und 25 – die kann ich heute nicht mehr lückenlos nachvollziehen“, spielte er auf die exzessive Felix de Luxe-Zeit an. „Kann also sein, dass ich früher schonmal hier war. Ich weiß es nicht mehr.“ Dann präsentierte er seinem Publikum die erste Überraschung des Abends: Tess Wiley. Die Texanerin habe ihm eigentlich nur in der Pause beim CDs verkaufen helfen sollen. Aber beim Soundcheck habe er sie dann gefragt, ob sie nicht Lust hätte, selbst ein paar Nummern zu spielen, so Reincke. Und weil sie die hatte – nicht zuletzt wohl auch, weil sie gerade neulich ihre erste Single auf iTunes veröffentlicht hat – kam das Syker Publikum in den Genuss eines spontanen Vorprogramms. Das machte Wiley (solo mit akustischer Gitarre) so gut, dass sie nicht nur bei den Zuschauern ankam: Gerüchten zu Folge sollen auch die Gastgeber vom Konzertverein JFK so begeistert gewesen sein, dass sie ihr sofort ein Konzert für die nächste Saison angeboten haben.

Nachdem sich Tess Wiley mit dem balladenhaften „It's good what we've got“ einen wirklich starken Abgang verschafft hatte, bewies Michy Reincke zunächst einmal komödiantisches Talent, indem er charmant blödelnd über zehn Minuten eine technische Panne überbrückte, bis Ralf Denkers Gitarre letztendlich doch noch die Töne von sich gab, die sie von sich geben sollte. Auch in den folgenden Moderationen wirkte Reincke wie aufgedreht, so dass er selber schließlich süffisant bemerkte: „Man könnte meinen, ich hätte was eingeworfen. Also... nicht mehr als sonst. Ich hab nur einfach total Bock, heute hier zu spielen. Wir haben das schon beim Soundcheck bemerkt: Wir klingen heute richtig gut!“

Und das war nicht übertrieben! Reinckes aktuelles Album („Der Name kommt mir nicht bekannt vor“) ist vielleicht sein bisher bestes. Doch muten die Songs darauf geradezu brav an, verglichen mit dem, was er am Samstag Abend live auf der Bühne daraus gemacht hat. Das Minimal-Arrangement betonte vielmehr noch, welch ein Gefühl für tolle Melodien der Hamburger hat. „Nur um dich tanzen zu sehen“ klingt auf der CD schon gut. Live am Samstag war es großartig. Und auch die älteren Nummern wie „Jetzt ist schön“ oder „Einmal den Zigeunern hinterher“ wirkten geradezu wie vom Studio-Ballast befreit, taufrisch und um vieles intensiver. Dank der außergewöhnlichen Spiellaune  Michy Reinckes und seiner Mitstreiter. Zwei Gitarren, Piano, Stimmen – fertig! Mehr brauchte es nicht.

Die Zuschauer haben das gespürt und diese Stimmung auf die Bühne zurück reflektiert.

Hinzu kommt: Reincke hat in seinen Texten durchaus was zu sagen. Er singt etwa über Menschen, die nur noch in Quantitäten denken. Die mit den Dollarzeichen in den Augen und den Kühlschrankherzen. Denen ruft er zu: „Hört doch einfach auf, es zu versauen!“ Er singt über Wohlstand und Gier. Und über die lähmende Angst, die oft daraus resultiert. Er singt von den Zusammenhängen dazwischen, dass Leute, die viel weniger haben als wir, viel häufiger lächeln. Und er singt von Liebe und Sehnsucht, davon, einfach mal den Augenblick zu genießen und es auszukosten, wenn es schön ist. Mit einer Intensität und Emotionalität, dass sie fast schon greifbar wird. So entwickelte sich einer jener nicht allzu häufigen Abende, an denen der Funke von der Bühne zum Publikum und zurück mehrfach hin und her springt, Künstler und Zuschauer sich gegenseitig hochschaukeln und eine Eigendynamik entsteht, die nicht mehr zu stoppen ist.

Das Publikum verabschiedete die Musiker am Ende mit Standing Ovations. Und auch Michy Reincke scheint's gefallen zu haben: Er kündigte an, wenn Ende 2013 die nächste CD fertig ist, würde er 2014 gerne wiederkommen.

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