„Höchste Zeit für einen runden Tisch“

Die Diskussion um den Twistringer Bahnhof geht weiter. ·

Twistringen - Seit Tagen beschäftigt nicht nur die Twistringer Bevölkerung die Frage „Erhalt oder Abriss des Bahnhofsgebäudes?“ Die Meinungen reichen von „Höchste Zeit für einen runden Tisch“ über „Lieber Abriss als millionenschwere Sanierung“ bis zum Vorschlag, das Gebäude an sanierungswillige Kunststudenten zu vermieten.

Die Liberalen, die die Debatte ausgelöst haben, betonen, auch sie würden den Erhalt des Bahnhofs begrüßen. „Allerdings muss sich das Wünschenswerte am Machbaren orientieren, so deren Sprecher Marcel Schiller.

Der 52-jährige Friedhelm Drieling aus Scharrendorf, der 1974 auf diesem Bahnhof ausgebildet wurde, fährt jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit: „Trotzdem sage ich heute, das marode Gemäuer sollte abgerissen werden.“ Ein Investor werde seit Jahren in jeder Sitzung des Ortsrates in Scharrendorf angekündigt – aber nicht gefunden. Wer investiere schon in eine Bauruine, die außerdem zum Teil noch als Notstellwerk von der Bahn AG genutzt werde. „Können wir uns bei der Haushaltslage der Stadt Sentimentalitäten erlauben? Es ist sogar pragmatischer, einen Geldgeber für den Abriss zu finden“, meint das CDU-Ortsratsmitglied Drieling. Selbst wenn das Hauptgebäude stehen bleibe: Wer investiere geschätzte zwei Millionen Euro in die Restaurierung und organisiere die Nachnutzung? Insgesamt sei es wohl wichtiger, mit Fördergeldern in die Infrastruktur zu investieren.

Friedhelm Drieling verweist auf den Rotenburger Bahnhof. Dort wurde eine große Überdachung gebaut, und darunter: Kiosk, Warteraum, öffentliche Toiletten, Fahrradstellplätze.

Eine andere Meinung aus dem Internet: „Was bitte ist an einem Abriss-Vorschlag konstruktiv? Das ist die schlechteste aller denkbaren Alternativen.“ Twistringen würde mit dem Abriss ein weiteres ortsprägendes Gebäude und damit (wieder einmal) an Attraktivität verlieren. Stattdessen sei Idealismus gefragt. Der Bahnhof müsse bleiben. Bürger, Vereine, Unternehmer und Politik sollten gemeinsam ein Nutzungskonzept entwickeln. „Die Stadtverwaltung darf sich nicht länger mit dem Verweis auf klamme Kassen raushalten. Höchste Zeit für einen runden Tisch“, heißt es.

Ein weiterer Leser: „Als Twistringer bin der Meinung, dass der Bahnhof in seinem aktuellen Zustand ein Graus ist. Ihn abreißen ist sicher nicht meine Wunschvorstellung, aber damit könnte ich mich eher anfreunden als mit einer millionenschweren Sanierung.“

Marcel Schiller für die FDP: „Die Größenordnung einer umfassenden Renovierung ist in Kirchweyhe abzulesen (2,7 Mio. Euro). Selbst die Hälfte wäre nicht zu finanzieren.“ In keinem der Bahnhöfe in den Nachbargemeinden, auch nicht in Barnstorf (Mietsubventionierung) oder in Syke (gemeinnützige Lebenshilfe) gebe es ein Konzept, das einem Investor ein wirtschaftliches Überleben sichere.

Der nächste Kommentator im Internet schlägt seinen „Traumbahnhof“ vor: Abriss der alten Lagerräume zugunsten einen kostenlosen Parkplatzes und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder oder Roller. Das Hauptgebäude sanieren und restauriern. Dann einen Investor oder Gewerbetreibenden für einen Kiosk finden.

„Als Pendler von Bremen nach Twistringen fahre ich täglich an schmucken Stationsgebäuden vorbei. In Kirchweyhe, Syke und auch Bassum hat sich längst etwas getan; der Twistringer Bahnhof indes verfällt zusehends, gibt inzwischen ein katastrophales Bild ab“, erklärt Lehrer und Künstler Holger Hertwig. Der Bahnhof müsse unter allen Umständen erhalten und zu einem Aushängeschild und Schmuckstück werden. Es sei aber höchste Eile geboten. „Pfiffige Lösungen sind gefragt. Twistringer sind doch – hoffentlich – pfiffig.“

In Ottersberg, so Hertwig weiter, sei der Bahnhof an Studenten der Fachhochschule für Kunst vermietet. Von Twistringen fahre die neue S-Bahn bis Bremen-Walle durch, also fast bis vor die Haustür der HfK in der Überseestadt. Warum nicht das Stationsgebäude für zehn oder 15 Jahre günstig oder gar mietfrei Kunststudenten überlassen für Wohnungen, Ateliers, Galerie und Café – mit der Auflage, dass diese den Bahnhof zumindest ansatzweise sanieren, hat Holger Hertwig überlegt. · tw

Weitere Meinungen unter: //www.kreiszeitung.de

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