Gunnar Kunz stellte seinen Roman „Der Ruf der Walküren“ im Schäferhof in Stemshorn vor

Die Heldengestalten von mythischem Ballast und hohlem Pathos befreit

Der Berliner Autor Gunnar Kunz las aus seinem Buch „Der Ruf der Walküren“.

Stemshorn - Von Christa BechtelGrimhild, Sigfrid, Hagen, Brünhild, Gunter - diese Namen kommen mir bekannt vor, wird jetzt sicher manch Leser denken. Richtig, die Nibelungen-Saga! Die in die Jahre gekommene Literatur, im Mittelalter ein heldenepischer Stoff, hat Gunnar Kunz entstaubt und in seinem historischen Roman „Der Ruf der Walküren“ den Personen neues Leben eingehaucht.

Auf Einladung des Naturparks Dümmer und unter dem Motto „Natur(park) trifft Kultur“ stellte der Berliner Autor und Illustrator sein Werk am Freitagabend im Schäferhof in Stemshorn einem kleinen Zuhörerkreis vor. Der naturnahen Stimmung angepasst sorgte Silke Büscherhoff, Studentin für „Klassisches Schlagwerk“, für Musik. Virtuos brachte sie auf dem Marimbaphon beispielsweise „Ein Liebeslied“ des zeitgenössischen Komponisten Nebojsa J. Zivkovic oder von Bach „Badinerie“ zu Gehör.

„Wir wollen die Schönheit der Natur auch über andere Sinne transportieren“, nannte Detlef Tänzer, Geschäftsführer des Naturparks Dümmer Beweggründe, warum dieser mit Literatur und Musik eine Symbiose einging. Idee sei gewesen, so Tänzer, „Menschen zu begeistern und ihnen Inhalte des Naturparks zu vermitteln.“

„Geschrieben habe ich schon immer. Mit zehn Jahren wollte ich Schriftsteller werden und daran hat sich nichts geändert“, erzählte Gunnar Kunz im Gespräch, der sich mit seinen historischen Kriminalromanen aus der Weimarer Republik und zahlreichen Arbeiten für die Bühne einen Namen gemacht hat. Warum die Nibelungen-Saga? „Die hat mich seit langem fasziniert, denn das ist für mich die klassische Tragödie überhaupt. Von einer Vielschichtigkeit und Tiefe, wie man sie sonst nur bei den griechischen Tragödien findet“, bemerkte der Autor. Es gebe zahlreiche Fassungen. „Aber die machen alle den Fehler, dass sie immer einen Schurken haben: meistens Hagen, manchmal Sigfrid.“ Das gehe völlig an einer Tragödie vorbei, so seine Meinung.

Mit seinen fünf Hauptfiguren könne man mitfiebern. „Sie sind ehrenwert und nur durch die Unvereinbarkeit ihrer Ziele, durch Missverständnisse und die mangelnde Kommunikation reißen sie sich in den Untergang.“ Das findet Kunz tragisch, der schon die klassische Sage erzählt, aber auf eine moderne Art und Weise. Im Mittelpunkt stehen – auch bei ihm – Liebe, Leidenschaft und Verrat.

„Die Geschichte spielt in der Völkerwanderungszeit im fünften Jahrhundert, die ich so archaisch wie möglich erzählen wollte“, betonte Kunz, der während seiner Lesung im Schäferhof die Figuren zugunsten der Natur vernachlässigte. Er stellte die Beziehung der Germanen zur Natur in den Mittelpunkt. Da spürten die Zuhörer das Flüstern und Knarren des Geästs, die geisterhaften Wesen oder den gurgelnden Sumpf, mit dem Sigfrid kämpft. Wortgewaltig, feinsinnig, plastisch und fantasievoll von Gunnar Kunz zu Papier gebracht. Zudem befreit er die Heldengestalten von mythischem Ballast und hohlem Pathos und macht sie zu Menschen aus Fleisch und Blut mit all ihren Träumen und Hoffnungen, Verletzungen und Fehlern...

Am Sonnabend traten er und Silke Büscherhoff im Heuerlingshaus des Heimatmuseums in Aschen auf.

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