Werner Böckelmann und sein Interesse an Historie und Archivarbeit

Der Heimatforscher

Werner Böckelmann an seinem heimischen Arbeitsplatz.

Sulingen - WEHRBLECK (sis) · Wen fragen wegen historischer Daten? Werner Böckelmann aus Wehrbleck, der seit 16 Jahren als Archivar für die und in der Samtgemeinde Kirchdorf arbeitet.

Bald wird er 78 Jahre und die nächtlichen Einsätze am Schreibtisch mit Lupe und Tabak sollen der Vergangenheit angehören. Am Tage werde er von so vielen Dinge abgelenkt, nachts hingegen hätte er die Ruhe, die historischen Spuren zu verfolgen. Und passend dazu begleitet ihn nicht die schnelle Zigarette, sondern die gemächliche Zigarre. Der Posten des Archivars ist keiner, für den ein Salär gezahlt wird. Vielleicht auch deshalb nicht, weil die Arbeit unschätzbar ist. Man muss die Arbeit gerne machen oder, wie Böckelmann es ausdrückt, „den Biss haben.“ Das Interesse, die Neugier, einem Detail hinterherzujagen, das im Puzzle noch fehlt. Waren dazu früher persönliche Besuche in den Staats- und Kirchenarchiven notwendig, so sind heute die modernen Medien, auch für Werner Böckelmann, eine willkommene Hilfe. Statt um Kopien zu bitten, könne er die oft jahrhundertealten Schriften online einsehen. Und lesen: Kenntnisse alter Schriften wie Sütterlin sind wichtig. Werner Böckelmann beherrscht sie – und verbringt dennoch oft genug Stunden mit der Übersetzung alter Dokumente, weil es auch früher Leute mit einer „Sauklaue“ gab.

Warum Archivarbeit? Die Interessen des Werner Böckelmann sind vielfältig: Münzen, Mineralien, alte Banknoten, die Familie (und ihre Geschichte), der 6 600 Quadratmeter große Garten, das Haus, Holz hacken, Verse schreiben zu den Strohpuppen in Bahrenborstel, Arbeitskreise zur Dorfgeschichte – allein Fensterputzen verweigert der Senior. Und ab dem 31. Dezember 2010 auch archivale Verpflichtungen, denn dann reicht er den Schlüssel zum Archiv weiter an Irmgard Krebs aus Bahrenborstel. Nur noch Kurzpräsentationen will er dann leisten, als nächstes zum Notgeld der Handwerker und über die Ergebnisse des Arbeitskreises Dorfgeschichte in Wehrbleck, den er von 1989 bis 2005 leitete.

Es scheint unerschöpflich, das Interesse von Werner Böckelmann an der Historie. Als er das Archiv 1994 übernahm, musste er viele Dokumente von Schimmel befreien, manchem Buch einen neuen Rücken spendieren. Zwischenzeitlich hat er Zeitungen, Bücher, Pläne, Unterlagen, Heimatblätter und vieles mehr an bedrucktem Papier gesammelt und geordnet. „Alle Exemplare können vor Ort eingesehen werden, auch schon von Schulklassen“, sagt Böckelmann. Spannend ist es stets, wenn zum Jubiläum per Festschrift oder Chronik eine Reise in die Vergangenheit angeboten wird. Ideal wäre, wenn Fotos und Dokumente nicht achtlos entsorgt, sondern dem Archiv überreicht würden.

Sieben Räume im Rathauskeller sind gefüllt, schön wäre dort ein PC-Arbeitsplatz, um Material digital archivieren zu können. Das macht der Wehrblecker von zu Hause aus. Auch deshalb, weil der offiziell wöchentlich eine ehrenamtliche Tag im Archiv kaum reicht, die Fülle an Material zu bewältigen. Material, das später Auskunft über das Leben heute geben wird, den Nachfahren, wenn die interessiert, wie man anno 2010 lebte.

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