Archäologen legen Überreste einer großen Burg aus dem 9. Jahrhundert frei

Heiligenberg: Sensationsfund

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Forsthaus-Chefin Adelheid Brüning zeigt den Überrest eines Gefäßes, mit dem Menschen womöglich vor 1 200 Jahren gekocht haben.

Br.-Vilsen - Von Anke SeidelWomöglich muss die Geschichte von Bruchhausen-Vilsen in einigen Kapiteln umgeschrieben werden. Denn am Forsthaus Heiligenberg entdeckten Archäologen eine historische Sensation: Aus dem Nebel der Vergangenheit tauchten Scherben und Spuren aus dem 9.

Jahrhundert auf. Sie belegen: Auf dem Heiligenberg befand sich nicht wie bisher angenommen eine Fluchtburg, sprich ein hölzerner Zufluchtsort nur für Notzeiten, sondern eine große Holz-Burg mit drei Gebäuden – bewohnt von Adeligen. Und das in einer Epoche, in der Karl der Große in Verden das legendäre Blutgericht anrichtete: 4 500 Sachsen sollen 782 dabei den Tod gefunden haben. 814, also im 9. Jahrhundert, starb der legendäre Kriegsführer. Ob er einst auch durch das heutige Bruchhausen-Vilsen geritten ist, das war gestern am Forsthaus Heiligenberg nicht die Frage. Dort ging es allein um den sensationellen Fund der Burg – der drittgrößten in Niedersachsen, wie Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf betonte: „Ein einzigartiger Fund für den Landkreis Diep holz!“ Bisher sei nur die kleine Hünenburg Stöttinghausen nachgewiesen – jetzt aber eine Verteidigungsanlage mit zwei Vorburgen und einem Hauptgebäude auf einem Areal von dreieinhalb Hektar. Spuren waren schon 1962 nachgewiesen und 1995 bestätigt worden. „Über diese Anlage war aber wenig bekannt“, sagte Wulf. Nur so viel wissen die Historiker: 1217 schenkten die Grafen von Wernigerode die Burg Heiligenberg den Prämonstratensern. Solchen Schenkungen an einen Orden seien damals üblich gewesen. Bis 1543 bestand das Kloster, danach waren alle Gebäude und der Friedhof offensichtlich aufgegeben worden. Jetzt aber künden Scherben von Tontöpfen und Steinzeug, Pistolen- und Musketenkugeln, Löffel und reich verzierte Scherben von Kachelöfen von Jahrhunderte langem Leben auf dem Heiligenberg. Ans Licht brachten es der Archäologe Matthias Hummel und seine Kollegen von der Grabungsfirma Denkmal 3 D, nachdem das Fundamt für das neue Gästehaus am Forsthaus ausgehoben war (wir berichteten). Bauherrin Adelheid Brüning ist verpflichtet, die Ausgrabungskosten in Höhe von bis zu 40 000 Euro zu zahlen. Sehr zum Leidwesen des Bezirksarchäologen: „Auf private Kosten wird hier archäologische Pionierarbeit geleistet, von der alle etwas haben!“ Aber die Bauherrin muss die Folgen der Auflösung der Bezirksregierung und die Reduzierung des Personals um ein Drittel tragen.

Deshalb forderte Wulf die Politik und Sponsoren auf, sich an den Kosten zu beteiligen. Die bisher geborgenen Fundstücke präsentierten die Archäologen gestern im Forsthaus Vertretern der Kommunalpolitik und Heimatfreunden.

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