Heimatverein Heiligenrode schürte im Backhaus ordentlich das Feuer: Zahlreiche Brote waren Lohn für die Mühe

Der Hefeteig mag keine Zugluft

Werner Leopold, Vorsitzender des Heimatvereins Heiligenrode präsentiert die fertigen Brote.

Heiligenrode - (ak) „Die Frühstückspause haben wir uns verdient“, behaupten Manfred „Manni“ Schiefer und Reiner Henning um kurz nach 9 Uhr mit einem Blick auf ihren schuftenden Kollegen Rainer Woiwode. Nicht zu unrecht, denn schließlich standen die beiden Heizer bereits morgens um 5 Uhr im alten Backhaus in Heiligenrode. Bäcker Rainer konnte indes noch etwas länger schlafen, bevor er Hand an Butterkuchen und Brote legte.

Ein angenehmer Duft von frischem Hefeteig zieht durch das Backhaus und lässt erahnen, was ab 14 Uhr zum Verkauf gedacht ist. „Zwei bis dreimal im Jahr backen wir, und das macht richtig Spaß“, ist sich das eingespielte Trio sicher. Seit vielen Jahren sind die drei Männer ehrenamtlich für den Heiligenroder Heimatverein in dem liebevoll restaurierten Backhaus aus dem Jahre 1817 tätig. „Früher wurde hier öfter gebacken, aber wir werden ja alle nicht jünger“, erklärt Reiner. Der „junge Spund“, Rainer mit „a“, rollt indessen den Teig auf dem siebten großen Blech aus. Gekonnt sitzt jeder Handgriff bei dem gelernten Bäcker. „Nicht die Tür aufmachen, schiebt die Bleche erst in die Ecke“, warnt der Fachmann eindringlich, denn Hefeteig mag keine Zugluft. Das Heizerduo gehorcht und bringt die guten Stücke in Sicherheit. Erst dann geht es zum Wasser holen nach draußen an den Mühlenteich. Der Backofen ist längst von der gröbsten Glut befreit, die Temperatur des in der Sandschicht steckenden Thermometers zeigt 160 Grad als ideale Ausgangsbasis für Kuchen und Brote. Bevor diese in den Ofen kommen, gilt es auch, die letzten Glutnester hervorzuholen. „Wir wollen hier doch nicht eine zweite Brandstelle verursachen“, spielt das Duo auf das kürzlich im Ort abgebrannte Restaurant an. Passiert ist indes im alten Backhaus noch nie etwas, denn schließlich ist mit „Manni“ ein zweiter Fachmann am Werke. Gelernt hat er den Beruf eines Heizers noch auf den letzten Dampfloks der Deutschen Bundesbahn und weiß somit, wie ein richtiges Feuer angefacht wird. Tags zuvor galt es, nicht nur kiloweise Mehl und Butter heranzuschaffen, auch das Birkenholz musste besorgt werden. Wie immer wurde es vom Mitglied Hans-Jürgen Hiller gesponsert. „So gute 100 Kilo Holz haben wir verheizt“, schätzt Manni „Wirf etwas Mehl rein“, fordert Bäcker Rainer auf, um die Temperatur zu überprüfen. Zufrieden zeigt er sich hinsichtlich des spontanen Bräunungsgrades, während er auf den Kuchen Butter „satt“, Zucker und Mandeln verteilt.

Flott geht ihm die Arbeit von der Hand, und sichtbaren Spaß hat Rainer Woiwode bei den Broten. Mit der rechten und gleichzeitig der linken Hand rollt er die Laibe und legt sie zum Gehenlassen in ausgemehlte Formen aus Weide.

„Das ist noch richtiges Handwerk, was in heutigen Bäckereien durch Maschinen nicht mehr üblich ist“. Bereits Tage zuvor wurde der Sauerteig angesetzt und am Sonntagmorgen mit den übrigen Zutaten in der uralten riesigen Mischmaschine verknetet. Die erinnert ein bisschen an einen Zementmischer vom Bau, leistet aber noch immer hervorragende Arbeit.

Reiner und Manni sind indessen mit ihrem Ofen fertig und schimpfen noch ein wenig über die vielen Löcher und Risse in den Schamottsteinen.

Musik ertönt seit Stunden aus dem kleinen Kofferradio, das zwischendurch verheißungsvoll „gutes Wetter“ verspricht. Der Blick auf den Mühlenteich mit seinen tönernen Menschen, den Gänsen, Kormoran und Fischreiher lässt das Team eher zweifeln. „Vielleicht gibt es Sonne in Bremerhaven, da kommt die Sendung ja her“.

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