Der Heeder Landwirt Stefan Scharrelmann berichtet aus seinen Erfahrungen als Ausbilder in der Landwirtschaft

„Von jedem Lehrling lernt man etwas Neues“

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Stefan Scharrelmann (rechts) bildet zurzeit Jan Voß aus. Gemeinsam setzen sie die Ohrmarken bei Ferkeln.

Diepholz-Heede - Die Startphase ist überwunden, in ihrem neuen Lebensabschnitt können die Auszubildenden in der Landwirtschaft schon so etwas wie ein Alltagsgefühl entwickeln. Und wie steht es mit den Erfahrungen der Ausbilder? Stefan Scharrelmann aus Diepholz-Heede stellt im Gespräch mit Tabea Ziemert vom Landvolk-Verband Grafschaft Diepholz fest: „Es macht Spaß zu sehen, wie sich die jungen Leute entwickeln.“ Besonders schön sei, dass man von jedem Lehrling etwas Neues lerne: „Im Grunde ist es so, als wäre man 30 Jahre auf dem Lehrbetrieb gewesen.“

Zusammen mit seiner Frau Alexandra führt Scharrelmann einen Betrieb mit 300 Sauen für die Ferkelaufzucht und 1000 Mastplätzen. Bei durchschnittlich 30 Ferkeln pro Sau und Jahr kommt der Betrieb so auf 9000 Ferkel jährlich. 3000 davon können im Betrieb aufgezogen und gemästet werden.

Einen Teil davon mästet ein anderer Aufzuchtbetrieb im Ort, die restlichen Tiere verkauft der Landwirt über die Viehvermarktungsgenossenschaft.

2001 hat der Heeder sein Studium der Agrarwissenschaften in Osnabrück abgeschlossen und ist in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Im vergangenen Jahr erfolgte die endgültige Hofübernahme von seinem Vater. An der Ausbildung der Lehrlinge ist er aber „gefühlt schon immer“ beteiligt – seit 1983 bildet der Betrieb jedes Jahr einen Lehrling aus.

So wie Stefan Scharrelmann in Kindertagen, profitieren heute auch seine beiden Töchter von den Lehrlingen. „Mitunter sitzen sie drei Stunden lang ganz zufrieden beim Lehrling mit auf dem Trecker.“

Die Auszubildenden werden bei Scharrelmanns ins Familienleben integriert und in alle betrieblichen Abläufe eingebunden.

Zurzeit ist der 19-jährige Jan Voß in dieser Position. Weil er das Agrargymnasium besucht und eine Doppelqualifikation erworben hat, dauert seine Ausbildung nur 15 Monate. Was die Anforderungen an die Auszubildenden betreffe, so sei ein guter Hauptschulabschluss schon schön, aber „wir hatten schon alles, von Abiturienten bis Sonderschüler“, so Scharrelmann.

Bei der Auswahl der Lehrlinge achtet die Familie weniger auf die Schulnoten, sondern mehr auf die Persönlichkeit. Schließlich müsse man miteinander leben und arbeiten. Daher werden mögliche Kandidaten für die Ausbildung rechtzeitig vor Beginn der Lehrzeit zum Probearbeiten eingeladen.

Mindestens zwei bis drei Tage dauert die Erprobungsphase, lieber ist dem Betriebsleiter eine ganze Woche. Motivation, Aufmerksamkeit für und Interesse an betrieblichen Abläufen sind unverzichtbar, ebenso die Freude an der Arbeit mit Tieren.

Die Berufsschule besuchen die Lehrlinge entweder in Vechta oder in Sulingen. Die Wahl des Ortes wird dabei freigestellt, der Berufsschulstandort in Vechta bietet sich aufgrund der geringen Fahrzeit von etwa 15 Minuten an. „Schule geht vor“, das gilt auch in der Erntezeit oder anderen „heißen Phasen“, in denen viel Arbeit in dem Betrieb ansteht. Zusätzlich zum Besuch der Berufsschule ist das Führen des Berichtshefts Pflicht. Zusammen mit dem Auszubildenden wird individuell ein Ablaufplan für die Arbeit am Berichtsheft erstellt und der Fortschritt regelmäßig kontrolliert.

Wie auch bei vielen anderen Betrieben, sind die Ausbildungsplätze auch auf dem Betrieb Scharrelmann oft lange im Voraus vergeben. Eine Bewerbung für das Jahr 2018/2019 liegt schon vor. Einen Platz für 2016/2017 hat er noch zu vergeben – wie andere Landwirte auch.

Wer Interesse am Landwirtsberuf hat, kann sich an Ruth-Beatrix Hainke bei der Landwirtschaftskammer wenden (E-Mail: Ruth-Beatrix.Hainke@LWK-Niedersachsen.de).

Zurzeit erlernen im Landkreis Diepholz etwa 70 junge Menschen diesen Beruf.

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