Hausbesuch: Flüchtlinge freuen sich über Unterstützung und Zuwendung

„Danke Deutschland!“

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Bilder von den katastrophalen Zuständen in seiner Heimat Bosnien-Herzegowina zeigt ein 48-jähriger Flüchtling dem Landtagsabgeordneten Belit Onay (rechts) und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisverbands Bündnis90/Die Grünen, Torsten Eggelmann (Mitte).

Bassum/Syke - Von Anke Seidel. Es sind Fotos von katastrophalen Zuständen in Bosnien-Herzegowina, die ein 48-Jähriger auf den Tisch legt. Von Hochwasser und Feuer berichtet er den Politikern der Grünen, die ihn an diesem Abend in seinem neuen Zuhause besuchen: Der Flüchtlingsunterkunft in Bassum, dem ehemaligen Leistungszentrum des Nordwestdeutschen Schützenverbandes. Der 48-Jährige ist dankbar für die Unterstützung, die er hier erfährt: „Ich sage: Danke, Deutschland!“

Zuflucht und Nachbarschaft: Belit Onay, Landtagsabgeordneter der Grünen, geht genau diesen Themen bei Hausbesuchen in Niedersachsen auf den Grund. Im Landkreis Diepholz besucht er an diesem Tag insgesamt fünf Flüchtlingsunterkünfte in Syke und in Bassum, begleitet von Vertretern des Kreisverbands sowie der Ortsverbände.

Im Gespräch mit dem 48-Jährigen aus Bosnien-Herzegowina erfährt Onay, dass der Familienvater und viele andere Betroffene gern arbeiten würden – und etwas zurückgeben möchten für die Unterstützung, die sie erhalten: „Besser alle arbeiten...“ Genau das hört Belit Onay, als Sohn türkischer Eltern in Goslar geboren, nicht zum ersten Mal.

Nicht arbeiten dürfen: In der gleichen Situation sei in Hannover ein Flüchtling aus dem Sudan, Spezialist für Wirbelsäulen-Operationen. „Solche Ärzte werden bei uns dringend gebraucht“, so Onay – und übt heftige Kritik an der Vorrangprüfung. Dieser Gesetzesvorgabe zufolge dürfen Flüchtlinge nur Arbeitsplätze übernehmen, die nicht mit deutschen Arbeitnehmern besetzt werden können. Doch das sei graue Theorie: „Auf dem Papier gibt es zwar solche deutschen Arbeitnehmer. Aber in Wirklichkeit stehen sie überhaupt nicht zur Verfügung!“, ärgert sich der 34-jährige Landtagsabgeordnete.

Welche politische Entscheidung ist für ihn die dringendste? „Ich würde sofort das Asylbewerberleistungsgesetz kippen, weil es unheimlich diskriminierend ist.“ Entstanden sei es einst unter völlig anderen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, so Onay. Das Know-How und die Arbeitskraft der Flüchtlinge würden heute in der Gesellschaft dringend gebraucht.

86 Flüchtlinge leben allein in der Stadt Bassum, erfährt der Landtagsabgeordnete vom Ersten Stadtrat Norbert Lyko und Ordnungsamtsleiter Andreas Abelt. „Bis zu 70 weitere sind uns angekündigt“, so Lyko. Ihre Unterbringung ist eine Herausforderung für die Stadt – zumal das von der Stadt angemietete, ehemalige Leistungszentrum der Schützen ab 1. April nicht mehr zur Verfügung steht. Denn der Eigentümer aus Bramstedt hat Eigenbedarf: Er bringt dort seine Saisonkräfte für die Spargelernte unter.

Deshalb prüft die Stadtverwaltung zurzeit, ob sich das ehemalige Pastorenhaus an der Querstraße und das ehemalige Berufsqualifizierungszentrum des BNVHS (Bildungswerk Niedersächsischer Volkshochschulen) als Flüchtlingsunterkünfte eignen. Selbst auf Mobilhäuser hat die Stadt schon zurückgreifen müssen. In der kleinen Siedlung am Rande des Gewerbegebiets leben etwa 40 Erwachsene und Kinder – darunter ein 48-jähriger Roma aus Mazedonien mit seiner Familie. Wovon er träumt? „Arbeit und ein eigenes Haus!“ Erfahrungen auf Baustellen und im Heizungsbau bringe er mit.

Es ist eine herzliche Begrüßung, als Heiner Herholz, Gründer der Ehrenamtsinitiative „Willkommen in Bassum“ zu Besuch kommt. Eine Tochter des 48-Jährigen muss im Krankenhaus untersucht werden. Man klärt, wer die Familie dabei begleitet. Helfen wollen die Ehrenamtlichen besonders den Kindern: „Wir brauchen Fahrräder, und wir brauchen Sportsachen, Hallen- und Fußballschuhe!“ Wer helfen will, erreicht Herholz unter Telefon 0178/6252490.

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