Halloween, Reformationstag und Allerheiligen: Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche ziehen Vergleiche

Drei konkurrenzlose Feste

Der Brauch, Kürbisse an Halloween aufzustellen, kommt aus Irland: Dort soll der Teufel dem Bösewicht Jack Oldfield eine Rübe mit einer glühenden Kohle gegeben haben, damit er fortan durch die Stadt ziehen und Schrecken verbreiten kann.
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Der Brauch, Kürbisse an Halloween aufzustellen, kommt aus Irland: Dort soll der Teufel dem Bösewicht Jack Oldfield eine Rübe mit einer glühenden Kohle gegeben haben, damit er fortan durch die Stadt ziehen und Schrecken verbreiten kann.

Landkreis - Von Anika Bokelmann. „Bei uns stehen keine Kürbisse als Dekoration im Haus. Das hat sich nicht ergeben“, sagt Dr. Jörn-Michael Schröder. Auf die Frage, wie er zu Halloween steht, das heute zeitgleich mit dem Reformationstag gefeiert wird, erklärt der Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Syke-Hoya: „Das ist für mich keine Konkurrenz.“ Kritisch wird es aus seiner Sicht jedoch, wenn der Geister- und Dämonenglaube zu stark im Christentum kultiviert wird. Über die Streiche als negative Seite des Kults ärgert sich auch Kaplan Marc Weber von der katholischen Pfarrei St. Anna in Twistringen.

Was haben Halloween und Reformation überhaupt gemeinsam? Eigentlich nichts – außer das Datum, den 31. Oktober, und somit dem Vorabend von Allerheiligen, an dem der heiligen Toten gedacht wird. Seit einigen Jahren hat sich auch im Landkreis Diepholz das ursprünglich irische Fest von Halloween mehr in den Vordergrund geschoben. Das ist erkennbar an entsprechenden Angeboten in den Supermärkten und dem Fernsehprogramm, beides der amerikanischen Ausprägung des Volksbrauches nahe. „Das Fest hat in unserer Kultur keinen Hintergrund und wurde einfach übernommen“, so Weber.

Den großen Unterschied zwischen den religiösen und kultischen Festen sieht Superintendent Schröder in den Themen: „Der Gehalt und die Bedeutsamkeit von Halloween und dem Reformationsfest sind vollkommen unterschiedlich.“ Während das christliche Fest einen humanistischen Hintergrund habe und im Sinne der Befreiung gefeiert wird, gehe es bei Halloween um den „Geisterglauben, der Angst verbreitet“.

Die katholischen Christen erinnern sich morgen an Allerheiligen zwar an ihre Verstorbenen – „mit Geistern hat das aber nichts zu tun“, erklärt Kaplan Weber.

Die Tatsache, dass heute vor 497 Jahren der Theologe Martin Luther mit seinen 95 Thesen an der Wartburg den evangelischen Glauben gegründet hat, ist allerdings weniger präsent, als die Geschichte um den Bösewicht Jack Oldfield, der in Irland sein Unwesen getrieben haben soll. „Vor allem seitdem das Reformationsfest kein gesetzlicher Feiertag mehr ist, gerät er in Vergessenheit“, hat Schröder beobachtet. Das wird in drei Jahren anders: Beim 500-jährigen Jubiläum des Reformationsfestes wird es bundesweit frei geben.

„Ich habe kein Problem damit, wenn Kinder heute an der Haustür nach Süßigkeiten fragen oder Kostümfeiern steigen“, so Schröder. Das falle für ihn unter kommerzielle Vermarktung und oberflächliche Feiern und „hat keinen inhaltlichen Hintergrund“. „Da soll die Kirche nicht so sensibel sein“, so der leitende Geistliche des evangelischen Kirchenkreises Syke-Hoya.

Er könne jedoch verstehen, wenn einige Bewohner der Städte und Kommunen sich an der „reduzierten Form des Bettelns“ stören würden. Denn im Gegensatz zum Nikolaus-Singen stände heute die reine Forderung nach Gaben im Raum, erklärt Schröder. Marc Weber unterstreicht: „Die Kirche bietet einen schöneren Blick auf die Welt und auf das Leben nach dem Tod“ als die gruseligen Riten.

Wer heute Abend übrigens an der Tür der Superintendentur in Syke klingelt, sollte auf jeden Fall wissen, was für ein christliches Fest parallel zu Halloween existiert. „Meine Frau und ich fragen das ab, bevor wir die Süßigkeiten verteilen“, so Dr. Jörn-Michael Schröder, denn der pädagogische Aspekt solle nicht zu kurz kommen. Damit Halloween die christliche Tradition nicht vollkommen überlagert, gibt es neben den üblichen Gottesdiensten, die alle evangelischen Gemeinden und auch Schulen im Landkreis heute feiern, anderenorts Aktionen. „Hallo Luther, statt Hallo-Ween“ oder auch Luther-Bonbons – in sauer und süß, mit Apfelgeschmack oder Zitrone, Johannisbeere und Orange – sind originelle Ideen, um den Reformationstag wieder ins Gespräch zu bringen. Und auch bei Dr. Jörn-Michael Schröder gibt es heute Luther-Bonbons, versichert der Geistliche.

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