Juniorwahl: Schüler befassen sich mit Politik und geben ihre Stimme ab

Gymnasiasten haben ihre Wahl schon getroffen

Wählen auf Probe: Sören Westerwarp aus der Klasse 9G1 wirft seinen Stimmzettel in die dafür vorgesehene Urne. Die Wahlhelfer des Politik-Leistungskurses (hinten) werten die Stimmen im Anschluss aus. ·
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Wählen auf Probe: Sören Westerwarp aus der Klasse 9G1 wirft seinen Stimmzettel in die dafür vorgesehene Urne. Die Wahlhelfer des Politik-Leistungskurses (hinten) werten die Stimmen im Anschluss aus. ·

Br.-Vilsen - Von Marvin KöhnkenFast wie bei der echten Landtagswahl ging es jetzt im Gymnasium in Bruchhausen-Vilsen zu: Da füllten rund 100 Neuntklässler Stimmzettel aus und probten den Urnengang. Schüler des elften Jahrgangs agierten währenddessen als Wahlhelfer und bildeten Presseteams, um unparteiisch über das Geschehen zu berichten.

Der Großteil der Neuntklässler ist 14 oder 15 Jahre alt – und somit noch nicht berechtigt, am Sonntag ein Kreuz zu setzen. Damit die Mädchen und Jungen trotzdem schon mal den Ablauf einer Landtagswahl kennenlernen, nahm das Gymnasium nun erstmals an der „Juniorwahl“ (http://www.juniorwahl.de) teil. Dieses Projekt steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Niedersächsischen Landtags, etwa 350 Schulen haben sich in diesem Jahr beteiligt.

Um entscheiden zu können, welche Parteien für sie infrage kommen, beschäftigten sich die Teenager zunächst mit den aktuellen Wahlprogrammen: Sie haben Referate, Präsentationen und Plakate erarbeitet.

„In den Diskussionen kamen die Schüler zu überraschenden Erkenntnissen“, sagt David Niemann, Obmann für Politik und Wirtschaft am Gymnasium. Die Jugendlichen hätten nicht nur über die großen Parteien, sondern auch über die Piraten und die NPD gesprochen. Dabei seien sie von so mancher thematischen Überschneidung zwischen ganz unterschiedlich eingestellten Politikern überrascht gewesen.

„In meiner Klasse haben wir uns mit verschiedenen Wahlsystemen beschäftigt und die Besonderheiten der Landtagswahl, zum Beispiel bei der Auszählung der Stimmen, besprochen“, erzählt Politik-Lehrerin Jenny Pöhl. Ihr Kollege Axel Witt bereitete ähnliche Unterrichtsinhalte vor.

Und schließlich hatten die Schüler die (Qual der) Wahl. Sie wurden in ein Wählerverzeichnis eingetragen und erhielten originalgetreue Stimmzettel, die sie in eine nach den Regeln des Grundgesetzes versiegelte Wahlurne warfen. Auf den Stimmzetteln fanden sie alle vor Ort wählbaren Parteien wieder – genau wie die wahlberechtigten Bürger in drei Tagen in den offiziellen Wahllokalen.

In Raum 115 des Gymnasiums, den die Elftklässler für die Juniorwahl hergerichtet hatten, bekamen die Schüler also ein Gefühl dafür, wie es ist, von ihrem Recht auf Mitbestimmung Gebrauch zu machen. Die Wahlbeteiligung war übrigens hoch: Die meisten der Neuntklässler nahmen an der Abstimmung teil und wollen das auch tun, wenn sie alt genug sind, um offiziell an die Urne gebeten zu werden.

Interessenschwerpunkte sind für viele die Bildungs- und die Energiepolitik. Niklas Clasen (15) zum Beispiel ist der Wegfall der Studiengebühren ein wichtiges Anliegen. Der 14-jährige Artus Meyer-Toms wiederum wünscht sich über eine gute Ausbildung hinaus auch, dass die Politiker die Energiewende hin zu mehr Nachhaltigkeit vorantreiben. Und Sarina Lässig (15) sieht dem hohen Unterrichtsausfall in der Oberstufe mit Besorgnis entgegen.

Wenn an diesem Sonntag um 18 Uhr die Landtagswahl beendet ist, wird es auch für die etwa 75 000 niedersächsischen Juniorwähler spannend: Ihre Ergebnisse sind dann im Internet einsehbar. Die Bruchhausen-Vilser Gymnasiasten wollen ihre Stimmen mit den offiziellen vergleichen und ein Fazit ziehen.

Die Presseteams veröffentlichen ihre Berichte über die Juniorwahl online:

http://www.gymnasium-bruvi.de

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