Pfarrer und Gemeindereferentin sprechen über den Rücktritt von Benedikt XVI.

„Gut, wenn der nächste Papst etwas jünger wäre“

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Ein Bild von Papst Benedikt XVI. zeigt Pfarrer Thomas Kick. Er findet Ratzingers Entscheidung, von seinem Amt zurückzutreten, mutig. ·

Stuhr - Von Anne HundtSTUHR/WEYHE · Es soll ein historischer Tag werden: Papst Benedikt XVI. hat angekündigt, heute Abend gegen 20 Uhr zurückzutreten. Seit rund 700 Jahren ist er das erste Oberhaupt der katholischen Kirche, das sein Amt freiwillig abgibt. Wie stehen Katholiken aus Stuhr und Weyhe zu dieser Entscheidung des 85-Jährigen? Pfarrer Thomas Kick und Helmut Schomaker sowie Gemeindereferentin Ulrike Müller im Gespräch mit der Kreiszeitung.

„Es ist sehr schade, dass Benedikt zurücktritt. Er ist ein wirklich kluger Kopf, der auf der Ebene des Dialogs, Verbindungen zu allen Weltreligionen und zu Philosophien gesucht hat“, sagt Thomas Kick (46), katholischer Pfarrer der Kirchengemeinden Syke, Stuhr und Weyhe. Als Beispiel nennt Kick eine Vorlesung Benedikts an der Universität Regensburg zu Beginn seiner Amtszeit. Auch wenn seine Aussagen zum Islam umstritten gewesen sind, sind durch sie hohe muslimische Geistliche und Christen ins Gespräch gekommen.

„Die zahlreichen Schriften Benedikts werden auch nach seinem Rücktritt nicht in Vergessenheit geraten“, so Kick. Der Papst habe immer nach dem Wesentlichen gefragt, nicht nach den Zeitumständen. „Wer ist der Mensch?“, sei eine Frage gewesen, die Ratzinger immer wieder beschäftigt habe. „Im Kommunions- und Firmungsunterricht sind es genau diese Fragen, die wir mit den Jugendlichen sehr gut diskutieren und in die sich die Jungen und Mädchen hineindenken können.“

Auch Helmuth Schomaker, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinden Moordeich, Stuhr und Varrel, bezeichnet Ratzinger als einen großen Theologen, der in vielen Dingen fortschrittlich gewesen sei. „Trotzdem muss sein Nachfolger noch stärker an der Ökumene arbeiten.“ Er hoffe, dass es langfristig gesehen ein großes Konzil geben wird, an dem alle Weltreligionen teilnehmen dürfen. „Wir sagen zwar im Glaubensbekenntnis ‚Ich glaube an die eine Kirche‘. Es gibt aber eben mehrere Kirchen, die sich aufeinander zubewegen müssen.“

Den Rücktritt des Papstes sieht Schomaker nicht als Traditionsbruch an. „Es wäre durchaus bei dem ein oder anderen Vorgänger sinnvoll gewesen, wenn er sich auch zu diesem Schritt entschlossen hätte.“ Ob man Benedikt XVI. weiter mit „Seiner Heiligkeit“ ansprechen solle oder nicht, ist für ihn nicht entscheidend. Wichtig sei, dass der Papst das täte, was er schon immer gerne gemacht hätte: Bücher schreiben. „‚Jesus Christus von Nazareth‘ ist mein Lieblingsbuch vom Papst.“

Ulrike Müller (53), Gemeindereferentin für die Kirchengemeinden Brinkum, Kirchweyhe und Stuhr, findet: „Es wäre gut, wenn der nächste Papst etwas jünger wäre. Dann haben wir länger was von ihm.“ Von welchem Kontinent er kommt, spiele keine Rolle. Wichtig sei, dass er eine Bandbreite von Problemen anpacke. „Über die Stellung der Frau im Kirchenamt muss diskutiert werden. Bisher kann sie dort nicht hinein. Und wie sich die Kirche nach außen hin zeigen will, ist eine Frage, die geklärt werden muss“, so die 53-Jährige.

Die Kirche müsse ihre Inhalte klarer verkünden und zeigen, dass sie sich nicht nur im Sozialwesen engagiere. Außerdem müsse das Zölibat auf Freiwilligkeit beruhen. Trotz all dieser Baustellen habe Benedikt XVI. viel bewegt. „Er hat viele Schriften verfasst, die auch weiterhin nachklingen.“

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