Familie Twietmeyer weiht zum Kraftwerk umgebaute alte Wassermühle ein

Grüner Strom aus der Beeke

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Sie klappert wieder, die Mühle am rauschenden Bach: Bis zu 1,5 Kilowatt Strom pro Stunde kann der Generator erzeugen.

Sudwalde - Dreschen, Mahlen, Häckseln, Rübenschneiden – Aufgaben, für die Heinrich Rixe 1898 eine Wassermühle auf seinem Hof im Sudwalder Ortsteil Wiefhausen baute. Der gehört heute Renate und Hermann Twietmeyer, die ihrem Wunsch, dem zusehends verfallenden Bauwerk neues Leben einzuhauchen, Taten folgen ließen: Unterstützt durch Fördermittel und die Fachkenntnisse von Diplom-Ingenieur Professor Rüdiger Wormuth bauten sie die Mühle an der Sudwalder Beeke für die Stromgewinnung um. Gestern weihten sie mit Gästen aus Politik, von Behörden und Vereinen, Freunden und Nachbarn das „Elektrizitätswerk“ feierlich ein.

Rüdiger Wormuth ist Autor des Buches „Mühlen in den Landkreisen Diepholz und Nienburg/Weser“, im Rahmen der Recherchen dafür lernten er und das Ehepaar Twietmeyer sich kennen. „Wir haben darüber gesprochen, ob man nicht etwas machen kann, um die Mühle zu erhalten, und wie hoch die Kosten wären“, berichtete Hermann Twietmeyer. „Ich habe dem Ehepaar Twietmeyer in einem der ersten Gespräche gesagt: Es lohnt sich nicht“, bekannte Wormuth gestern beim Sektempfang lächelnd. Doch Twietmeyers ließen sich nicht entmutigen: Die LGLN-Regionaldirektion Sulingen bewilligte Mittel aus der Dorferneuerung Sudwalde, deckte so etwa ein Drittel der Kosten, einen Zuschuss in Höhe von 8 000 Euro stellte der Landschaftsverband Weser-Hunte zur Verfügung. Unterstützung, für die sich Hermann Twietmeyer herzlich bedankte, sein Dank galt auch den bauausführenden Firmen. Insgesamt flossen rund 75 000 Euro in das Projekt.

Die Bauarbeiten begannen im Juni vergangenen Jahres. Für einige Wochen floss die Sudwalder Beeke auf einer kleinen „Umleitungsstrecke“ entlang der Hofgebäude. So konnte der Betonkanal für das neue Wasserrad aus einem speziellen Stahl entstehen, das den Generator mit einer Maximalleistung von 1,5 Kilowatt in der Stunde antreibt. Beton und Stahl statt Stein und Holz – nach den heutigen Vorgaben des Denkmalschutzes zulässig, betonte Rüdiger Wormuth: „Die Wassermühle steht zwar nicht unter Denkmalschutz, aber ich denke, dass sie jetzt denkmalwürdig ist.“ Und zusammen mit der Photovoltaikanlage sei nun auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ein einleuchtendes Konzept zur Gewinnung regenerativer Energien verwirklicht. Biogas, Windkraft, Photovoltaik, das sei alles in Ordnung, so Landrat Cord Bockhop, Vorsitzender des Landschaftsverbandes Weser-Hunte – „aber eine klappernde Mühle am rauschenden Bach zu haben, das ist schon etwas Besonderes. Das hat Charme.“ Die Gemeinde habe nun alle vier genannten Formen der Energiegewinnung zu bieten, stellte Bürgermeister Rainer Klusmann fest. Er bedankte sich bei Twietmeyers für ihren Einsatz, um die alte Wassermühle für künftige Generationen zu erhalten, ebenso wie Heimatforscher Heinrich Meyer: „In zehn oder 20 Jahren wäre das wohl nicht mehr möglich gewesen.“

Aufgrund der Trockenheit führt die Sudwalder Beeke zurzeit wenig Wasser, der Generator liefert etwa 0,5 Kilowatt pro Stunde. Dafür kam die Photovoltaikanlage, passend zum Frühlingsanfang, auf Touren. Hermann Twietmeyer: „Ich wünsche mir tagsüber viel Sonnenschein, so wie es jetzt ist – und nachts Regen. Da muss ich mal mit Petrus reden...“ · ab

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