Grabung am Heiligenberg bringt Licht ins Dunkel der Geschichte

Scherben aus Mittelalter

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Grabungsleiterin Veronica König (4.v.l.) präsentiert die Fundstücke am Vorwall. Darüber staunen (v.l.) Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch, Christa Gluschak und der designierte Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann, hier mit Landesarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf und Grabungstechniker Harald Nagel an der Grabungsstelle.

Br.-Vilsen - Wie genau die Menschen im 11. Jahrhundert auf dem Heiligenberg lebten und welchen Feinden sie trotzen mussten, das liegt im Detail noch immer im Dunkel der Vergangenheit. Aber dass sie auf dem Heiligenberg Gräben aushoben und mit dem Erdreich daraus Schutzwälle aufschichteten, dafür haben Landesarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf und sein Grabungsteam neue Beweise gefunden.

17 Scherben aus dem Mittelalter, darunter von einem hochmittelalterlichen Kugeltopf, brachten die Grabungen am Vorwall ans Tageslicht. „Wir haben keine Sensation gefunden“, resümierte Friedrich-Wilhelm Wulf, auch wenn die Anzahl der Scherben ungewöhnlich hoch sei.

Doch trotzdem sind der Archäologe und sein Team dem Leben der Menschen im Mittelalter ein Stück näher gekommen. Denn Grabungsleiterin Veronica König und ihr Team haben herausgefunden, dass besagter Vorwall einst von einem zwei Meter tiefen und 1,20 Meter breiten Sohlgraben geschützt wurde. Bis zur Spitze des Walls maßen sie 1,80 Meter – nicht unbedingt ein imposantes Bollwerk gegen feindliche Heerscharen, aber: „Es kann sein, dass der Wall mit Dornenhecken bewachsen war“, erläuterte Friedrich-Wihelm Wulf den einstigen Schutzmechanismus.

Klar ist, dass sich auf dem Heiligenberg mit seinen natürlichen Wällen und Schluchten in der Vorzeit eine der größten Schutzburgen im ehemaligen Regierungsbezirk Hannover befand – 3,5 Hektar groß. Das, was die Landesdenkmalpflege mit ihren dreieinhalb Mitarbeitern und dem Grabungsteam zu finden hoffte, kam am Vorwall allerdings nicht ans Tageslicht: Klare Beweise von Toren und Palisaden aus Holz oder Plaggen (Grassoden).

Rätsel geben den Spurensuchern aber zwei weitere Funde auf: Ziegelartig gebrannter Lehm. „Daraus wurden die Gebäude des Prämonstratenserstifts auf dem Heiligenberg gebaut“, erklärte Friedrich-Wilhelm Wulf. Doch an dieser Grabungsstelle, weit hinter den georteten Überresten des Klosters, könnten diese Reste wahrscheinlich nicht von einem Klostergebäude stammen.

Weit ab der jetzigen Grabungsstelle war bereits ein Leuchterfuß aus besagtem Kloster ans Tageslicht gekommen (wir berichteten). Genau der soll im kommenden Jahr zur 1200-Jahr-Feier des Bistums Braunschweig in einer internationalen Ausstellung zu sehen sein.

Der jetzt freigelegte Querschnitt des Vorwalls am Heiligenberg wird in der kommenden Woche aus Sicherheitsgründen wieder zugeschüttet. Aber eine Schautafel soll die Grabung und die Funde an Ort und Stelle dokumentieren.

Wie bereits berichtet, sollen ab dem kommenden Jahr weitere Grabungen am Heiligenberg folgen. Bis 2018 sind insgesamt vier Schnitte geplant.

sdl

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