Goldfund: Einst Gabe für die Götter?

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Wissenschaftsministerin Johanna Wanka bewunderte bereits im Mai im Kreismuseum Syke die Funde aus dem Landkreis Diepholz, die beim Bau der NEL ans Tageslicht gekommen waren. Der Schatz gehörte – obwohl bereits im April gefunden – nicht zu den Exponaten.

Von Anke Seidel - Waren es goldene Gaben für die Götter, die Menschen vor mehr als 3 000 Jahren dem Erdreich anvertrauten – oder mussten sie sie auf der Flucht vor feindlichen Stämmen hastig verstecken? Fragen, die erst die wissenschaftliche Auswertung des „Diepholzer Schatzes“ beantworten kann.

Bernd Rasink, Archäologe im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, war bei der Ausgrabung vor Ort. Die genaue Fundstelle bleibt geheim.

Fakt ist jedoch, dass Archäologen im Landkreis Diepholz einen spektakulären Fund machten: Sie entdeckten beim Bau der NEL (Nordeuropäische Erdgasleitung) goldene Schmuckstücke aus der Bronzezeit. Von einem „Sechser im Lotto“ spricht Wissenschaftsministerin Johanna Wanka bereits. Ans Tageslicht gekommen sind bisher allerdings nur ein reich verziertes Stück, das an einen Armreif erinnert, und das spiralförmig gearbeitete Glied einer Schmuckkette. Weitere Stücke befreien die Archäologen jetzt aus einem 60 mal 60 Zentimeter großen Erdblock, den sie in Grabungstiefe an der Fundstelle bereits im April sichergestellt haben und der zurzeit in Hannover ausgewertet wird. Auf Anfrage dieser Zeitung beantwortete Bernd Rasink, archäologischer Projektleiter vor Ort und wissenschaftlicher Koordinator des Landesamtes für Denkmalpflege, Fragen zum Fund. Der Fachmann hat das reich verzierte, an einen Reif erinnernde Schmuckstück als Fibel identifiziert. Damit hielten Menschen vor mehr als 3 000 Jahren ihre Gewänder. Diese Vorfahren der Germanen lebten in Pfahlbauten mit ihren Hunden, Rindern, Schafen oder Ziegen unter einem Dach. Dass es schon damals kriegerische Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Stämmen gab, beweisen Schwerter: „Die haben wir in Hügelgräbern gefunden“, so der Archäologe. Damals versuchten die Menschen im heutigen Kreis Diepholz, die Götter mit Opfergaben gnädig zu stimmen. Die Ur-Germanen verehrten die Sonne als Lebensspenderin.

Gehört nicht zum „Diepholzer Goldschatz“: Diesen Ring aus dem 5. Jahrhundert entdeckten Grabungsmitarbeiter nahe Achim im Landkreis Verden.

Spannende Fragen müssen die Archäologen in Hannover in den kommenden Monaten klären: Wie viele Fundstücke stecken wirklich in dem Erdblock? Haben die Urahnen der heutigen Kreisbewohner sie gefertigt oder stammen sie aus einem Tauschhandel? Und vor allem: Aus welchem Grund vergruben sie die Schmuckstücke? „Aussagen können wir erst treffen, wenn der ganze Fund freigelegt wurde“, so der Archäologe. Um ihn einordnen zu können, müsse man ihn mit Fundstücken aus ganz Deutschland und anderen Ländern vergleichen. Den „Diepholzer Schatz“ wertet Landrat Gerd Stötzel als „goldrichtig“, denn gemeinsam mit den anderen Funden entlang der NEL gebe er Hinweise auf eine „sehr viel dichtere Besiedlung in unserem Raum, als man bisher annehmen konnte“.

Fasziniert vom Fund zeigte sich der Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Klare: „Um so etwas rankt sich immer etwas Phantastisches.“ Nach seinen Informationen soll der gesamte Fund im Februar der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Wo genau der „Diepholzer Goldschatz“ gelegen hat, darüber schweigt Wissenschaftsministerin Johanna Wanka genauso wie der archäologische Projektleiter Bernd Rasink. „Wir wollen verhindern, dass aus ganz Deutschland Goldsucher anreisen“, begründet Rasink die Geheimhaltung.

Dass sich unerwünschte „Jäger des verlorenen Schatzes“ auf die Pirsch begeben, haben Archäologen entlang der Pipeline bereits mehrmals erfahren müssen. Mit Metalldetektoren suchten Unbekannte nach Münzen und zerstörten beim Graben möglicherweise wichtige Spuren: Stumme Zeugen aus der Vergangenheit – für immer verloren.

Um das künftig zu verhindern, informierte das Landesamt für Denkmalpflege die Polizei und bat um Kontrollfahrten. Andrik Hackmann, Pressesprecher der Polizei-Inspektion Diepholz, bestätigte den Eingang einer Anzeige. Die Täter konnten allerdings nicht ermittelt werden.

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