Kuriositäten durchs Kanalnetz bis zum Klärwerk ins Stelle / OOWV investiert seit 2003 rund vier Millionen Euro in Modernisierung

Goldfisch, Billardkugel und Rosenkranz „herausgefischt“

Timo Giese zeigt das gereinigte Wasser, das in Richtung Delme fließt. ·
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Timo Giese zeigt das gereinigte Wasser, das in Richtung Delme fließt. ·

Twistringen - Von Theo WilkeModernisierung der Kläranlage am Steller Moor, Bau einer Druckrohrleitung Heiligenloh-Twistringen, Ausbau der Oberflächenentwässerung im Bereich Vechtaer Straße und Kreisel – rund vier Millionen Euro hat der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) seit der Übernahme des Abwasserkanalnetzes und der Kläranlage im Jahre 2003 investiert.

Bürgermeister Karl Meyer erklärte unlängst in einer Ortsratssitzung: Der OOWV schreibe mit der Twistringer Kläranlage schwarze Zahlen, obwohl der Verband in der Vergangenheit zahlreiche Neuerungen finanziert habe.

Horst Luckas und Timo Giese, die beiden Fachkräfte für Abwassertechnik, sorgen für den reibungslosen Betrieb auf der Kläranlage. Schmunzelnd schildern sie, was das Kanalnetz so an Raritäten und Fremdkörpern zum Klärwerk in Stelle befördert. Beispiele dafür, was sie „herausfischen“: Billardkugeln, einen noch lebenden Goldfisch, Personalausweis, Gebiss, Rosenkranz, T-Shirt, Lappen, Socken, Windeln, Hygienebinden und Slips.

Eine Vorgabe von Kreisbehörde und OOWV, die unangemeldet kontrollieren: Täglich ziehen Luckas und Giese fürs kleine Labor Proben und notieren die Werte nach Amonium, Nitrat, Phosphat und Schmutzgehalt. Durchschnittlich 5 000 Kubikmeter Klärschlamm fallen im Jahr an, die zumeist von Landwirten abgefahren werden.

Der Twistringer Horst Luckas (43), seit 1993 auf der Kläranlage, zunächst bei der Stadt angestellt, danach vom Wasserverband übernommen, wechselt sich beim Bereitschaftsdienst (16.30 bis 7 Uhr) mit dem aus Meppen stammenden Timo Giese (24) ab. Deren normaler Dienst läuft täglich von 7 bis 16.30 Uhr. Sie sind seit 2009 ein eingespieltes Team. Bei Störungen etwa an häuslichen Pumpstationen, fährt einer raus.

Für 11 042 Einwohnergleichwerte (rund 10 270 Einwohner angeschlossen) ist die Kläranlage ausgelegt und kann auf 13 500 EW ausgebaut werden. Tag für Tag landen (bei Trockenwetter) rund 1 636 Kubikmeter Abwässer in Stelle. Jahresschmutzmenge: 557 000 Kubikmeter.

Im vergangenen Jahr gab es bis zu 70 Störfälle, aber laut Luckas überwiegend aufgrund technischer Ursachen. Seit Anfang 2011 betreut das Duo nämlich auch 50 häusliche Pumpwerke, die seit gut 15 Jahren dort im Einsatz sind, wo der öffentliche Kanal fehlt, und sind mit der Zeit auch störanfälliger.

Die Kläranlage wurde 1962 gebaut, mit mechanischer Reinigung, Tropfkörper und Nachklärbecken. 1974 folgten Kombibecken aus Belebung/Nachklärung und Umbau des Tropfkörpers zum Schlammspeicher. 1990 wurde die Anlage um ein zweites Kombibecken sowie Nachklärung erweitert. Am 1. Januar 2003 übernahm der OOWV die Abwasserbeseitigung. Fortan investierte der Verband in Sanierung der Schlammspeicher, Becken und Betriebsgebäude, modernisierte die Steuerungstechnik und erneuerte auch die Schlammeindickung.

Die 2011 im Rahmen der Optimierung der Niederschlagswasserbeseitigung gebauten drei Regenrückhaltebecken in Scharrendorf werden bis zur Jahresmitte an den Vorfluter Kuhbach angebunden, so OOWV-Pressesprecher Lutz Timmermann aus Brake. Die Twistringer Pappelstraße erhält einen neuen Regenwasserkanal, das Gewerbegebiet „In den Weiden II“ wird erschlossen.

Die größte Baustelle des Braker Wasserverbandes ist zurzeit allerdings in Scharrendorf. Dort werden noch 690 000 Euro in die Oberflächenentwässerung investiert – am Ende werden es insgesamt rund 2,5 Millionen Euro sein.

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