Erste Reifeprüfung 1963 ist auch Nagelprobe für das neue Sulinger Gymnasium

Goldenes Abitur-Jubiläum

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Dr. Burkard Plenge, Knut Teske und Volker Scheland (von links) vor dem „Leserbrunnen“, gestaltet von dem Künstler Robert Enders – bei ihm hatten sie damals Kunstunterricht.

Sulingen - 22 Jugendliche mit Zylindern auf dem Kopf und Fackeln in der Hand, die in Pferdekutschen – begleitet von einem Polizeiwagen und der Musikkapelle der Märkischen Kabelwerke – durch Sulingen ziehen, um ihre Lehrer zu besuchen und mit ihnen auf das bestandene Abitur anzustoßen.

Knut Teske, Volker Scheland und Dr. Burkard Plenge erinnern sich beim Betrachten der Schwarz-Weiß-Fotos lebhaft an diesen Februarabend des Jahres 1963. Sie zählen zu diesen Abiturienten, den ersten, die am Gymnasium Sulingen die Hochschulreife erwarben.

„Es war wie Karneval“, beschreibt Knut Teske das Spektakel. „Bei minus 16 Grad – das Bier ist gefroren...“ Teske, der 26 Jahre als Redakteur der Tageszeitung „Die Welt“ arbeitete, später die Axel Springer Journalistenschule leitete, war damals Sprecher des Jahrgangs. Er wird am kommenden Freitag das Wort an die Gäste der Schulabschlussfeier am Gymnasium Sulingen richten, in deren Rahmen erstmals ein goldenes Abitur-Jubiläum gewürdigt wird.

Der Abiturjahrgang 1963 mit Klassenlehrer Joachim Hildebrandt – Burkard Plenge steht in der hinteren Reihe (4.v.l.), Volker Scheland in der mittleren ganz links und Knut Teske sitzt vorn.

„Die Schule wurde 1955 als Aufbau-Gymnasium gegründet, es war lange Zeit nicht klar, ob es eine Oberstufe geben wird“, berichtet Dr. Burkard Plenge. Der Jurist, einer der Herausgeber der Kreiszeitung, besuchte daher, ebenso wie Knut Teske, zunächst die Albert-Schweitzer-Schule in Nienburg. Volker Scheland hingegen, über 30 Jahre Vorstand der Volksbank Sulingen, war von Anfang an dabei: „Nachdem ich ein Jahr in der Mittelschule und eines in der ‚Warteschleife‘ verbrachte, weil noch nach Räumlichkeiten gesucht wurde, ging es im Gebäude der Grundschule los – dort, wo heute die Bücherei ist.“ Dort wurden auch ein Lehrerzimmer und ein Sekretariat eingerichtet. „Sekretärinnen gab es allerdings noch nicht, und die zwei hauptamtlichen Gymnasiallehrer konnten das Lehrerzimmer nicht füllen...“ „Freie“ Lehrkräfte kamen hinzu, etwa Pastor Heinrich Galleiske für den Religionsunterricht und später der heute renommierte Künstler Robert Enders als Kunsterzieher. Die neue Oberschule entwickelte sich positiv, und so wurde auf der gegenüberliegenden Seite der Schmelingstraße das Gymnasium gebaut und 1959 eingeweiht. Scheland: „Es fing klein an, das Hauptgebäude, die Aula und ein Trakt mit Klassenzimmern – an der Stelle steht heute das Stadttheater.“ Zwischenzeitlich hatten auch Burkard Plenge, ebenso wie sein Bruder Eckhard, und Knut Teske zum neuen Gymnasium gewechselt. „In der Klasse waren auch fünf Mädchen. Das war damals für uns etwas besonderes, wir waren in Nienburg ja auf einer reinen Jungenschule“, denkt Plenge zurück. Die „goldenen“ Abiturienten tauschen schmunzelnd Anekdoten über ihre damaligen Lehrer aus. Besonders gern erinnern sich alle drei an ihren Klassenlehrer Joachim Hildebrandt. „Der hatte es als Pädagoge einfach drauf“, so Teske, „ein Mann, der förderte und forderte.“

Beim ersten Abitur 1963, das durch externe Prüfer abgenommen wurde, „hatten die Lehrer mehr Angst als wir“, stellt Knut Teske fest, „es war das Anerkennungsabitur für das Gymnasium.“ So bestand nicht nur der gesamte Jahrgang, sondern auch die noch junge Schule die Reifeprüfung. · ab

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