Jahresempfang des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz gestern Abend in Freistatt / Rund 90 Gäste

Glauben nicht nur predigen, sondern leben

Klaus Priesmeier, Superintendent des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz (v.li.), begrüßte gestern Horst Glockzien (2. Vorsitzender im Kirchenkreisvorstand Grafschaft Diepholz), Dieter Finke-Gröne (Leitender Ministerialrat der Mittelstandsabteilung im niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr) und Landrat Gerd Stötzel.

FREISTATT (kat) · Kirche und Wirtschaft – passt das überhaupt zusammen? Ja, es passt und diese Verbindung ist sogar längst überfällig – diese Feststellung trafen gestern Abend alle Redner, die zum Empfang des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Grafschaft Diepholz in die Moorkirche in Freistatt gekommen waren, um vor rund 90 Gästen zu sprechen.

„Wirtschaften für das Leben“ lautete der Titel des Abends und Klaus Priesmeier, Superintendent des Kirchenkreises Grafschaft Diep-holz, eröffnete den Reigen der Redner, in dem er zunächst Vertreter der Kirchen sowie aus Politik und Wirtschaft begüßte, darunter MdB Axel Knoerig (CDU), Oberstudiendirektor Hans-Joachim Jacke (Berufsbildungszentrum Dr. Ulderup) und Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder (Kirchenkreis Syke-Hoya).

Priesmeier warf die Frage auf, inwieweit Christen einen besonderen Zugang zu Wirtschaft haben. „Die Gestaltung des Wirtschaftslebens ist nicht vorrangig Aufgabe der Kirche. Da sind andere am Zug. Oder auch: Christinnen und Christen – aber nicht als Kirchenleute, sondern in ihren ganz weltlichen Funktionen“, so Priesmeier. „Auch wir als Christenmenschen sind ja mittendrin in dieser Gesellschaft. Wir leben ja nicht auf einem anderen Planeten“, betonte er und schlug in Laufe seiner Rede den Bogen zurück zur Ökonomie: Ökonomie sei ein Betätigungsfeld für Kirche, wenn auch ein umstrittenes. „Aber eines, dessen wir uns einfach nicht entledigen können“, stellte der Superintendent fest und bat damit den Leitenden Ministerialrat Dieter Finke-Gröne vom niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, an das Mikrofon.

Finke-Gröne präsentierte seinen Zuhörern denn auch gleich einige Beispiele, anhand derer er eine drastische Momentaufnahme der jetzigen Krise aufzeigte: So habe er kürzlich den Arbeitsvertrag einer Friseurin gesehen – mit einem Stundenlohn von 2,04 Euro. Und: „Der Bundeshaushalt 2010 mit rund 360 Mrd. Euro wird zu einem Drittel mit Krediten finanziert; 160 Millionen davon gehen allein in den Sozialetat, der doppelt so stark gestiegen ist wie die Durchschnittslöhne in den vergangenen 15 Jahren.“ Finke-Gröne bemängelte die Angewohnheit der Gesellschaft, „jetzt, sofort und alles haben“ zu wollen. „Unser Denken und Handeln und damit unsere Politik müssen nachhaltiger werden“, forderte der Ministerialrat und wurde konkreter: „Soziale Verantwortung zu leben scheint mir der Schlüssel zur Lösungzu ein. Die Weltgesellschaft sei nur im Konsens lebensfähig, wenn Interessen aller ausgeglichen sind.

Hier holte der Politiker die Kirche mit ins Boot, die mit ihren Werten und Traditionen einen wichtigen Beitrag leisten könne: „Jedes System lebt vom Geben und Nehmen. Die Gegenleistung dürfte in Zukunft nicht mehr allein in materiellen Werten berechnet werden. Vielmehr wird als erweitertes Entgelt angestrebt der Gewinn an Zuneigung, Dankbarkeit, Anerkennung, der Betonung des Wir-Gefühls und der Motivation zu Opferbereitschaft. Eigentlich sind das urchristliche Vorstellungen“, betonte Finke-Gröne. Die Gäste in der Moorkirche antworteten ihm mit lebhaftem Applaus.

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