Birgit Jürschik-Busbach stellt neuste Erkenntnisse rund um Lyme-Borreliose vor

„Glauben Sie nicht alles“

Autorin Birgit Jürschik-Busbach (l.) mit (v.l.) Isolde Hecht, Irmgard Bade, Anita Hohendorf-Kolbe, Alexandra Schaltinat von der Selbsthilfegruppe Borreliose, die sich mit Mundschutz präsentierten. ·

Sulingen - Ratschläge von Birgit Jürschik-Busbach: „Glauben Sie nicht alles, was man Ihnen sagt. Und helfen Sie den Ärzten auf die Sprünge“. Die Autorin des Buches „Die verschwiegene Epidemie“ war auf Einladung der Borreliose-Selbsthilfegruppe Sulinger Land in den Räumen der AOK zu Gast.

Sie selbst erkrankte 2006 an Lyme-Borreliose und wusste zu diesem Zeitpunkt wenig über die durch Zeckenbiss übertragene Infektionskrankheit. Heute gehört die Online-Redakteurin und Public-Relationsberaterin aus Leverkusen zu den am besten informierten Patienten. Ihre Erkenntnisse über Lyme-Borreliose, deren Fallzahl sich in den letzten Jahren vervielfacht hat, hielt sie in ihrem Sachbuch fest. Birgit Jürschik-Busbach bezieht sich auf neueste Studien, und sie deckt auf, warum Forschungsergebnisse zurückgehalten oder „versicherungsfreundlich“ interpretiert werden. So belegt sie, dass Borreliose bei 54 Prozent der Patienten auch nach einer 28-tägigen Antibiotika-Behandlung nicht ausgeheilt ist. Weitere Beschwerden werden von vielen Ärzten als „Post Lyme Syndrom“ abgetan, die Unkenntnis in der Ärzteschaft sei groß. Birgit Jürschik-Busbach ermunterte die Borreliose-Erkrankten, sich zu informieren und in ihren Ärzten den Detektiv zu wecken. Als politische Forderungen nannte sie die bundesweite Meldepflicht, die Erweiterung der Falldefinition und die Entwicklung von Forschungsprojekten in Diagnose und Therapie.

Bei der Diskussion meldete sich ein Tiermediziner zu Wort, der ebenfalls an Borreliose erkrankt ist. In punkto Borreliose-Diagnostik und -Therapie sei man in der Tiermedizin weiter als in der Humanmedizin, sagte er. Er äußerte die Befürchtung, dass weder Politik, Wissenschaft noch Medizin Interesse an der Thematik haben: „Hier regieren wirtschaftliche Interessen.“

Etliche der 50 Besucher kamen in Vertretung von Familienangehörigen oder Freunden. Das Problem sei, dass akut Erkrankte nicht in der Lage seien, für zwei Stunden aus dem Haus zu gehen, sagte Anita Hohendorf-Kolbe aus eigener Erfahrung. Die Sprecherin der Selbsthilfegruppe Borreliose erinnerte an die Treffen der Betroffenen an jedem zweiten Donnerstag im Monat im Gebäude der AOK Sulingen: „Es geht uns um gegenseitige Unterstützung, aber neben unseren Einzelschicksalen haben wir den Blick auf das Ganze.“

Erklärtes Ziel sei es, die Sicht der Gesellschaft auf eine Krankheit zu verändern, deren Ausmaß immer noch zu wenig bekannt ist. Insbesondere von der Ärzteschaft erhofft man sich mehr Unterstützung und Einfühlungsvermögen. Enttäuscht nannte sie die Tatsache, dass keiner der schriftlich benachrichtigten 35 Ärzte die Einladung zu dem Vortrag wahrgenommen hatte.

Die Selbsthilfegruppe kommt am Donnerstag, 13. Oktober, wieder zusammen, Beginn ist um 18.30 Uhr. · mks

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