Rund 200 Gäste beim Naturschützer-Vortrag über Chancen und Risiken der Energieform / 75-kW-Mini-Anlagen favorisiert

„Es gibt zu viel Geld für Biogas-Anlagen“

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Uwe Baumert referierte über Biogas. ·

Br.-Vilsen - Von Regine SulingPlötzlich war der Akku leer, die Steckdose versagte ihren Dienst, und die Leinwand wurde für ein paar Minuten dunkel. Ein kleiner Zwischenfall, der zum Motto des Abends passte. Immerhin ging es um die Erzeugung von Energie. „Chancen, Risiken und Nebenwirkungen – Biogas auf gutem Weg?“ lautete das Thema am Donnerstagabend im Restaurant „Dillertal“. Weit mehr als 200 Interessierte lauschten dem Vortrag von Uwe Baumert.

Auf Einladung der Interessensgemeinschaft Landschaft und Tourismus (ILT) Süstedt und Bündnis 90/Die Grünen war der stellvertretende Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Niedersachsen, Uwe Baumert, nach Bruchhausen-Vilsen gekommen, um über das Thema Biogas zu informieren.

„Es gibt einfach immer noch zu viel Geld für Biogasanlagen“, sagte er. Seiner Ansicht nach werde Mais als Energiepflanze noch zu stark durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert, was zur stetigen Ausweitung von Maisanbauflächen führe.

Das wiederum habe nach Ansicht Baumerts gravierende Folgen für die Umwelt: „Hier sehen sie, wie es bergab geht mit allen Wiesenvögeln“, unterstrich er anhand von Bildern. Rebhühner und balzende Kiebitze verschwänden dauerhaft, die gesamte Flora und Fauna werde beeinträchtigt.

Aber auch die Pachtpreisentwicklung sei ein Problem. „Die Preise werden durch die Bioenergie befeuert. Ich möchte im Moment kein Milchbauer sein“, sprach der stellvertretende Nabu-Vorsitzende einigen anwesenden Landwirten aus der Seele. Uwe Baumert ist nach eigenen Angaben Schöpfer des Worts „Vermaisung“. „Wir müssen von der Vermaisung wegkommen und trotzdem betriebswirtschaftlich sinnvolle Biogasanlagen haben“, ist für den Naturschützer klar. Erreicht werden könne dieses Ziel durch einen besseren Substrat-Mix, in dem neben Mais, Rüben und Gülle auch Energiepflanzen wie die durchwachsene Silphie eine gewichtige Rolle spielen könnten.

Darüber hinaus bestehe nach seinem Empfinden bei den Anlagen selbst ein dringender Handlungsbedarf. „Das sind tickende Zeitbomben, die ein wahnsinniges Risikopotenzial haben.“ Die Sicherheit der Anlagen sei desaströs, ständig würden Sickersäfte austreten. Daher fordert Baumert eine Meldepflicht von Störfällen und ein Havariekommando – nicht zuletzt, um den Schutz des Grundwassers langfristig sicherzustellen. „Es muss einen Anschub geben, das durch die Europäische Union zu fördern“, sagte er und sprach auch die Forderung nach einer neunmonatigen Lagerung von Gülle und Gärresten an.

Politik kann

Großanlagen verhindern

„Wie können wir die geplante große Biogas-Anlage in Uenzen verhindern?“, stellte eine Frau in der anschließenden Diskussion die Frage, wegen der wohl das Gros des Publikums zur Veranstaltung gekommen war. „Eine Großanlage kann durch die Politik und viele Einsprüche verhindert werden“, sagte Uwe Baumert, in dessen Augen derlei Biogasanlagen „Wahnsinn“ seien. Er präferiere vielmehr kleinere Exemplare, zum Beispiel 75- kW-Mini-Biogasanlagen, die zu mindestens 80 Prozent mit Gülle betrieben würden. Auf diesem Feld gebe es aber derzeit nur wenige Anbieter. „Außerdem rechnen sich die Anlagen für die Landwirte nicht, die Investitionskosten sind noch zu hoch.“

Er appellierte an die Kommunen, ihre Planungsinstrumente voll auszuschöpfen und keine Anlagen in Wasserschutz- und Überschwemmungsgebieten zuzulassen. Dass sich eine Zusammenarbeit lohne, unterstrich Baumert mit dem Hinweis auf seinen eigenen Landkreis Rotenburg/Wümme. Dort gebe es eine Innovations- und Kooperationsinitiative, in der Kommunalpolitik, Naturschützer und Biogasanlagenbetreiber zusammenarbeiteten.

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