Reise ins NEL-Dorado: Bernd Rasink berichtet über sensationellen Fund

Gesseler Gold zu Zeiten Tut ench Amuns getragen

„It‘s magic“: Das Modell des Schatzes.

Syke - Von Anke SeidelMit 120 Menschen zum Bersten gefüllt ist die Deele des Kreismuseums, als der Archäologe und Projektleiter Bernd Rasink mit ihnen ins NEL-Dorado reist: An die Trasse der Nordeuropäischen Erdgasleitung NEL, bei deren Bau Gold- und Schmuckstücke ans Tageslicht kamen – allen voran der spektakuläre Gesseler Goldschatz. Er umfasst 117 Stücke, die zu Zeiten Tut ench Amuns und Nofretetes in der Sonne glänzten.

Sie regierten in der Bronzezeit (vor etwa 3400 Jahren) im Alten Ägypten – schätzungsweise 3140 Kilometer von Gessel entfernt. Kaum zu glauben, aber wahr: Aus dem 6400 Kilometer entfernten Zentralasien, so haben Wissenschaftler zweifelsfrei festgestellt, kommen Stücke aus dem Gesseler Schatz.

Wie kam das Gold nach Gessel? War es Opfergabe oder Handelsware? Gab es Handelsrouten bis in die heutige Mongolei? Wer darauf detaillierte Antworten erwartete, den musste Bernd Rasink enttäuschen. Trotz intensivster Untersuchung mit weltweit modernster Technik wissen die Archäologen noch zu wenig über die 117 Einzelstücke des Schatzes. Aber fest steht schon heute: „Es hat damals kein großes Dorf dort gestanden.“

Bernd Rasink, Archäologe und Projektleiter.

Den Tag, an dem in Gessel der größte prähistorische Schatz Mitteleuropas ans Tageslicht kam, wird Rasink nie vergessen: „Ich war noch in Hannover, als der Handy-Anruf kam“, berichtet er auf der Museumsdeele. Jan Stammler, ein erfahrener Mitarbeiter im Grabungsteam, beschreibt ihm am Telefon ein außergewöhnliches Fundstück – und schickt ein Handy-Foto mit, das ein Goldband mit Sonnensymbol zeigt. Rasink, seit 30 Jahren Archäologe, ist fasziniert: „Das stammt aus der Bronzezeit!“ Deshalb engagiert der Projektleiter sofort ein Filmteam, das die Bergung, Freilegung und wissenschaftliche Untersuchung des Goldfundes von der ersten Sekunde an begleitet. „Goldene Zeiten“ lautet der Titel der 15-minütigen Dokumentation, die an diesem Abend im Kreismuseum zu sehen ist: Die Bergung des verheißungsvollen Erdblocks und der Versuch, mit Präzisionstechnik die Umrisse und Schatten zu entschlüsseln, die Spektakuläres ahnen lassen, seine Freilegung und Interviews zu seiner Bedeutung. Rapid Prototyping – für die Archäologen vollbringt diese Technik Wunder. Denn obwohl noch im Boden konserviert, kann der Schatz gescannt, vermessen und dreidimensional abgebildetet werden. Ein originalgetreues Modell entsteht, das für die Arbeit der Restauratorin Gold wert ist. „It‘s magic“, staunen die Archäologen: Das ist magisch.

„Es ist der erste Schatz, den man wissenschaftlich geborgen hat“, erklärt Rasink. Nicht alle Stücke befreit die Restauratorin vom Erdreich. Der Grund: „Vielleicht ergeben sich in zehn Jahren Untersuchungsmöglichkeiten, die man heute noch nicht kennt.“ Eines steht aber jetzt schon fest: „Die Geschichte der Bronzezeit im Landkreis Diepholz muss umgeschrieben werden“, sagt Rasink nach seinem Vortrag. Ein zweiter ist demnächst vorgesehen.

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