Herbert Brückner und Ulrich Dunker präsentieren Zahlen, Bilder und Fakten zum Schwarmer Bruch

Geschichte liegt hinterm Haus

Melioration im Schwarmer Bruch: Übersichtskarte von 1878.

Bruchhausen - SCHWARME (ine) · Oftmals liegen die spannendsten Geschichten direkt vor der Haustür. Oder hinter dem Haus. Genau das ist bei Herbert Brückner der Fall: Zusammen mit Ulrich Dunker arbeitet er die Geschichte des Schwarmer Bruchs auf, der unter anderem hinter seinem Anwesen verläuft.

Am Freitag, 21. Januar, wird um 19 Uhr in „Robberts Huus“ eine Ausstellung eröffnet, die Brückner und Dunker als Mitglieder des „EULE“-Vereins in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen haben. „Schwarme früher“ lautet das Motto der Schau, die die Schlagworte der Epochen „Urwald – Hochwasser – Melioration – Ackerland – Naherholung“ aufgreift. Die Veränderungen, die die Ausstellung zeigt, sind gewaltig: Durch das Urstromtal, das sich durch das Schmelzwasser der Eiszeit und die Nebenarme der Weser einst zu einer Art Urwald entwickelte, sollen im 21. Jahrhundert Fahrradfahrer radeln und Kanufahrer paddeln. Der Weg dahin fasziniert Herbert Brückner und Ulrich Dunker gleichermaßen.

Die Geschichte des Bruchs in Kurzfassung: Über Jahrhunderte stellte das Weserwasser ein großes Problem dar, da es die Gegend immer wieder überschwemmte. Im Jahr 1599 beschlossen die Ämter Hoya, Bruchhausen und Thedinghausen die Reinigung der Eyter, um das Gebiet zu entwässern. 1719 entstand die jetzige Eyter, auch in Hoya wurden die Weserdeiche verstärkt. Allerdings: Dadurch fehlte das schlickreiche Weserwasser. „Das nutzte man damals zur Düngung“, erzählt Herbert Brückner. Zugleich änderte sich auch in der Gesellschaft einiges: Der Bruch war Allmende und wurde privatisiert, die Lehnsherrschaft gehörte der Vergangenheit an und die Bauern wurden tatsächliche Besitzer ihrer Höfe. Zwischen 1882 und 1888 entstand dann der Plan zur Urbarmachung des Hochwassergebiets, und somit eines der größten Meliorationsvorhaben in ganz Europa: Fünf Millionen Goldmark Zuschüsse zahlten der preußische Staat und die Provinz Hannover, um im Bruch Kanäle zu bauen, die eine gezielte Überschwemmung mit Weserwasser und dem so wichtigen Schlick ermöglichten. „Damals kamen rund 300 Gastarbeiter für zehn Jahre hierher. Manche sind danach sogar geblieben“, weiß Herbert Brückner. Ohne ihre Arbeit wären die 375 Kilometer Wasserläufe, 82 Kilometer Deiche, 524 Stauanlagen, 85 Brücken und acht Schleusenwärterhäuschen nie entstanden.

Die Melioration und die 1882 gegründete Meliorationsgenossenschaft Bruchhausen-Syke-Thedinghausen wurde für die nächsten Jahrzehnte zu einem wichtigen Arbeitgeber in der Region, allein zwei Kanalarbeiter-Kolonnen waren stets im Einsatz. Übrigens: Der älteste noch lebende Schleusenwärter der Region, Hermann Meyer, ist erst kürzlich im stattlichen Alter von 96 Jahren aus dem Schleusenwärterhäuschen in Schwarme ausgezogen.

1961/62 kam die Flurbereinigung und mit ihr das Ende der Melioration. Statt Weserschlick konnte man nun Kunstdünger verwenden – die gezielte Überschwemmung war damit passé. Viele der Kanäle, Brücken und Häuschen fielen der Flurbereinigung zum Opfer. Was geblieben ist, soll nun wieder zum Leben erweckt werden: „Könnte man das nicht zu einem Naherholungsgebiet machen?“ Die Frage bewegte nicht nur Brückner und Dunker. Das Regionalmanagement Mitte Niedersachsen, eine landkreisübergreifende Kooperation von 18 Kommunen aus den Landkreisen Nienburg, Diep holz und Verden, hat eine Karte entwickelt, die die Menschen durch den Schwarmer Bruch leiten soll. „Spurensuche Melioration per Paddel und Pedale“ heißt der Slogan, der über den für Kanu und Rad ausgearbeiteten Routen steht. „Dabei führen die Wege so, dass man auch alte Schleusen mit besichtigen kann“, sagt Herbert Brückner. Und Ulrich Dunker unterstreicht: „Durch diese Denkmäler kriegt man einen Bezug zum Alten.“ Zudem sollen Hinweistafeln die Naherholungsfreunde über die Historie des Bruchs informieren. Zunächst aber zeigen Herbert Brückner und Ulrich Dunker die in knapp drei Jahren zusammengetragenen Informationen über den Schwarmer Bruch in „Robberts Huus“. Vom 21. bis 23. Januar 2011 ist die Schau aus Bildern, Karten & Co. dort zu sehen, danach wird sie im Kreismuseum Syke präsentiert. Einen ganz besonderen Bezug zur Landschaft hinterm Haus hat Herbert Brückner: „In meiner Kindheit haben wir uns dort noch im Kanal gewaschen.“

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