Diepholzer Thomas Hoffmann kennt sich im Austragungsland der Fußball-WM 2022 gut aus

Geschäfte und Kicken in Katar

Die Diepholzer artec-Mitarbeiter Daniel Schäffer und Marco Müller (von links) bei der Installation eines Systems zur digitalen Erfassung und Speicherung von TV- und Radioinhalten bei der Nachrichtenagentur von Katar.

Diepholz - Von Eberhard Jansen· 24 Grad Celsius, sonnig. Die Wetteraussichten sind sommerlich für Weihnachten in Katar. Das arabische Land ist in den vergangenen Wochen in den Mittelpunkt der Fußballwelt gerückt: Die WM 2022 soll in dem Wüstenland ausgetragen werden. Ein Diepholzer kennt sich dort gut aus: Thomas Hoffmann, Vorstand der Hightech-Firma artec technologies AG, pflegt seit fünf Jahren intensive Geschäftsbeziehungen zu Katar.

Seit 2005 liefert das an der Mühlenstraße in Diep holz ansässige, börsennotierte Unternehmen Systeme zur digitalen Erfassung und Speicherung von TV- und Radioinhalten. Ziel ist es, ein umfassendes digitales Archiv für die dynamisch wachsende arabische Medienlandschaft zu schaffen. Mit der von artec technologies entwickelten Technik lassen sich audiovisuelle Inhalte in praktisch unbegrenztem Umfang digital erfassen und archivieren. Die in Diepholz erfundene TV-Suchmaschine kann nach Eingabe eines Suchbegriffs aus mehreren Millionen Sendestunden in Sekundenschnelle die passenden Bildsequenzen finden und umgehend abspielen. Darüber hinaus können auch andere Datenquellen wie Geschäftsdaten, Text, Bilder, Sprache und geografische Daten in geeigneter Form bei der Suche berücksichtigt werden.

Beispielsweise zeigt diese Audio- und Video-Suchmaschine zum Stichwort „Katar“ alle Sendungen an, in der dieses Wort gesprochen wurde – das Land also Thema ist.

Artec Technologies hat sich im Frühjahr eine Lizenz zur Ansiedlung im Qatar Science & Technology Park gesichert. Die Suchmaschine soll Mitte 2011 ihren Betrieb aufnehmen.

Der Staat, in dem 1,6 Millionen Menschen leben, wovon nur 320 000 Einheimische sind, möchte wissen, was die Welt über ihn denkt.

„Das Herrscherhaus Hamad ist sehr modern eingestellt und offen für neue Wirtschaftszweige“, weiß Thomas Hofmann, der etwa vier Mal im Jahr nach Katar reist. Der große Reichtum des Landes basiert auf riesigen Erdöl- und Erdgasvorkommen. Doch darauf will sich Katar nicht ausruhen. Die Herrscher fördern Bildung, Forschung und Industriezweige, die nicht mit dem Energiesektor zu tun haben – und denken damit über das Ende der Bodenschätze hinaus.

Demokratie ist dabei kein Thema. Das Herrschaftshaus ist unantastbar, regiert totalitär. Wichtige Posten sind an Mitglieder der Großfamilievergeben. Aber durch den Wohlstand im Land erwacht Kritik selten.

Große Unternehmen nutzen die Chance, sich im Land anzusiedeln oder Geschäftsbeziehungen auszubauen, darunter viele deutsche – wie auch artec technologies.

2005 verkauften die Diep holzer zum ersten Mal ein Medien-Computersystem in den Wüstenstaat, das kein Emirat ist, wie Thomas Hoffmann betont.

Großer Kunde der Diep holzer ist die staatliche Nachrichtenagentur „Qatar News Agency“.

Katar setzt – anders als der Nachbar Dubai – nicht auf Tourismus. Dennoch gibt sich das Land relativ offen für westliche Menschen und Ideen.

Geld spielt keine Rolle, ist nahezu im Überfluss da. So werde zurzeit ein sage und schreibe acht Kilometer langes Einkaufszentrum gebaut. Man stelle sich vor: Laden neben Laden von Diep holz bis zum Dümmer.

Aber reicht das alles für eine Fußball-Weltmeisterschaft? „Die kriegen das mit Hilfe westlicher Unterstützung gut hin“, ist sich Thomas Hoffmann sicher.

Und wie wird man im muslimischen Katar, in dem Alkoholverbot herrscht, mit Bier trinkenden Fans umgehen? „Sie werden Freizonen an und in den Stadien schaffen, zu denen Araber keinen Zutritt haben“, sagt der 54-Jährige artec-Vorstand. „So etwas Ähnliches gibt es jetzt schon in den Bars von großen Hotels.“

Gut ein Dutzend Stadien wird Katar zur WM in die Wüste stellen müssen      – voll klimatisiert wie nahezu alle Einrichtungen in dem Land mit Temperaturen von rund 45 Grad Celsius im Sommer.

Was geschieht nach der WM mit den Arenen? Hoffmann: „Die werden abgebaut und an arabische Nachbarländer verschenkt.“

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