Gericht und Staatsanwaltschaft gehen von einer geringen Schuld aus/31-Jähriger will womöglich Einspruch einlegen

Kohltour-Unfall: Nur Strafbefehl für Fahrer

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Eine Polizistin überprüft das Unfallauto nach dem schweren Kohltour-Unfall. Archivfoto: Kater

Syke - Von Anke Seidel. Es sollte eine fröhliche Kohltour werden – und endete mit einem Horrorunfall, bei dem drei Menschen zum Teil schwer verletzt wurden: Ein Auto hatte am 15. Februar 2014 drei Kohlfahrer erfasst und verletzt. In der Dunkelheit waren – in kleinen Gruppen – insgesamt 26 dunkel gekleidete Kohlfahrer auf der rechten Fahrbahn der Kreisstraße 121 von Okel nach Osterholte unterwegs gewesen. Dem 31-jährigen Autofahrer hat das Amtsgericht Syke auf Antrag der Staatsanwaltschaft nun einen Strafbefehl erteilt – mit einer Verwarnung und einem Strafvorbehalt.

Will heißen: Die Geldstrafe in Höhe von 1050 Euro (15 Tagessätze zu je 70 Euro) muss der Mann nicht bezahlen, wenn er in den nächsten zwei Jahren weder einen Unfall verursacht noch eine Straftat begeht. Verbunden ist der Strafbefehl mit einer Auflage: In jedem Fall muss der 31-Jährige 500 Euro an die Organisation SOS-Kinderdorf zahlen.

Das erläuterte Carsten Dänekas, Richter und Pressesprecher am Amtsgericht Syke. Es gebe Hinweise, so der Richter, dass der Autofahrer Einspruch gegen diesen Strafbefehl erheben will. Bestätigt sich das, kommt es zur Hauptverhandlung vor Gericht.

Der Strafbefehl beweist: „Gericht und Staatsanwaltschaft gehen von einer geringen Schuld des Autofahrers aus“, so Richter Dänekas. Grundlage ihrer Entscheidung ist ein Unfall-Rekonstruktionsgutachten, das die alles entscheidende Frage untersucht: Hätte der Fahrer den Unfall verhindern können? Eine 17-Jährige war gegen die Windschutzscheibe seines Wagens geprallt und hatte Arm- und Beinbrüche erlitten. Ein 22-Jähriger zog sich einen vierfachen Fußbruch und Schnittwunden zu, ein 20-Jähriger kam mit Prellungen davon. Mit 63 km/h Kollisionsgeschwindigkeit, so hatten Fachleute ermittelt, war das Auto gegen die Menschen geprallt.

Eine Abkürzung war für die 26 Kohlfahrer zum Albtraum geworden. Weil eine Teilnehmerin fehlte, waren sie in Barrien-Bülten eine Dreiviertelstunde später gestartet als geplant. Um rechtzeitig beim Kohl-Essen im Landhaus Osterholte in Osterholz zu sein, wollten sie ihre knapp sieben Kilometer lange Tour über die K121 abkürzen. Weil es dort keinen Fußweg gibt, liefen sie hintereinander in Trauben von bis zu sechs Personen an der rechten Fahrbahn: Einige auf dem Grünstreifen, andere zu zweit oder dritt nebeneinander auf der Straße.

„Der Autofahrer war mit Fernlicht unterwegs, musste aber auf Abblendlicht umschalten, weil ihm ein Fahrzeug entgegenkam“, so Richter Dänekas. Dabei habe es der Fahrer dann belassen. Im Abblendlicht erkannte der Mann drei Personen auf der Fahrbahn, wich aus und scherte wieder ein. Mit einer weiteren Gruppe hatte er offensichtlich nicht gerechnet: Sein Wagen erfasste zwei Menschen, streifte einen dritten. Der Gutachter kam zu dem Schluss: Hätte der Fahrer wieder das Fernlicht eingeschaltet, dann hätte er die Menschen womöglich erkennen können. Und hätte der Fahrer gedanklich reflektiert, ob die Verkehrslage weiterhin unsicher ist, weil womöglich noch weitere Menschen unterwegs sind, dann hätte der Unfall vielleicht verhindert werden können.

Andererseits seien alle Kohlfahrer komplett dunkel gekleidet (bis auf die Turnschuhe) und deshalb sehr schwer zu erkennen gewesen. Weder Warnwesten noch Leuchten hätten sie getragen. Zwar sei ihr Bollerwagen aus hellerem Holz gewesen. Doch ob er für den Autofahrer überhaupt erkennbar gewesen oder durch Menschen verdeckt worden sei, das sei nicht mehr rekonstruierbar. Fest stehe allerdings, dass sich die Kohlfahrer auf der Fahrbahn befunden hatten.

„Deshalb die scheinbar milde Sanktion“, erläuterte Richter Dänekas den Strafbefehl.

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