Kulturpreisträger präsentiert seine Werke im Kreismuseum / Landrat überreichte Urkunde und Scheck

Gerd Kadzik: Das Leben gemalt

Landrat Gerd Stötzel zeichnete den 80-jährigen Künstler Gerd Kadzik (links) gestern mit dem Kulturpreis des Landkreises Diepholz aus. „Mit großem Respekt und Hochachtung vor Ihrer Leistung“ beglückwünschte Stötzel den Maler und Grafiker.

Landkreis - (sdl) · „Mit einem gewissen ironischen Unterton“, so Laudator Dr. Rainer Beßling, habe der 80-jährige Künstler Gerd Kadzik die Nachricht aufgenommen: Da müsse man erst so alt werden, um den Kulturpreis des Landkreises zu bekommen. Doch bei der Verleihung gestern im Kreismuseum Syke bekannte der Maler und Grafiker vor 125 Gästen: „Es ist eine große Auszeichnung für mich, geradezu eine Ehre, die mich fast beschämt...“

Auf Beschluss des Kulturbeirates (Vorsitz: Jürgen Timm) erhielt Kadzik den mit 5 000 Euro dotierten Preis für sein jahrzehntelanges künstlerisches Wirken im Landkreis Diepholz und anlässlich seines 80. Geburtstages. Eine Ausstellung mit den Werken des Preisträgers ist noch bis zum 11. Januar im Kreismuseum zu sehen.

Fasziniert hat den in Mannheim geborenen Maler und Grafiker seit jeher das „Erlebnis des Sehens, das sicherlich für alle Menschen eine große Rolle spielt, ohne dass es in jedem Menschen die gleichen Empfindungen auslöst.“ So jedenfalls zitierte Landrat Gerd Stötzel den Künstler selbst.

Das Alter, so stellte Dr. Beßling in seiner Laudatio fest, sei relativ und vom Selbstempfinden abhängig. Eine Rentenabsicherung gebe es für Künstler sowieso nicht. Kadzik nutze die Jahre und interpretiere das, was er sehe. Dabei sei es nicht leicht, als Künstler wahrgenommen zu werden. Zu einfach sei es geworden, blickte der Laudator auf die wachsende Zahl der Freizeitmaler, „durch eine Ausstellung zum Künstler aufzusteigen.“

Kadzik war in Berlin zum Grafiker ausgebildet worden, hatte von 1960 bis 1970 als Grafiker im Verlagswesen in Düsseldorf gearbeitet, später in der Zeichentrickfilm-Produktion in Bonn/Bad Godesberg. Seit 1971 lebt der freischaffende Maler und Grafiker in Affinghausen. Studienreisen führten ihn durch Deutschland, Holland, Dänemark, Norwegen, England und Schottland sowie Frankreich und die USA.

„Er muss direkt vor Ort sein, direkt erleben...“, so Dr. Beßling und beschrieb die Maxime des Preisträgers so: „Die Kunst kann dazu beitragen, die Wahrheit hinter der Wirklichkeit sichtbar zu machen.“

Bewusst hat Kadzik in einem seine Werke den 30-jährigen Krieg thematisiert, denn in seinem Heimat ort (Kadzik verbrachte seine Schulzeit in Schwedt an der Oder) sei immer wieder gebrandschatzt worden. „Es ist ein abstraktes Bild, aber keine abstrakte Vision“, so der Laudator, „der 30-jährige Krieg hat seine Symbolkraft für die Perversion menschlichen Handelns nicht verloren.“ Wenn Kadzik in seinen Grafiken Märchen aufgreife, dann hätten sie hohe Symbolkraft – wie beispielsweise das Märchen vom Fischer und seiner Frau für das Thema Finanzkrise: „Man sollte sich hüten, Märchen als Gutenachtgeschichten für Kinder misszuverstehen.“

Landrat Gerd Stötzel hinterfragte gestern einen Sinnspruch auf seinem Küchenkalender. „Mittelmäßigkeit ist immer Unentschiedenheit“, hatte die Schriftstellerin Ina Seidel festgestellt – und der Lyriker Emanuel Geibel ausdrücklich vor Mittelmäßigkeit gewarnt. Gerd Kadzik habe er, so der Landrat, als entschiedenen Menschen kennengelernt. „Wenn Sie mal die Meinung gegeigt haben wollen“, riet Stötzel augenzwinkernd, „dann fahren Sie nach Affinghausen...“ Er überreichte dem 80-Jährigen den Kulturpreis „mit großem Respekt und Hochachtung vor Ihrer Leistung“. Den musikalischen Rahmen gestalteten gestern Lea-Marie Gehlmann, Johanna Retz sowie Maria und Peter Paulat (Jugendsinfonieorchester der Kreismusikschule) mit Werken von Mozart.

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