Ein Fest für die Sinne, insbesondere für Auge und Ohr  / Indisches Music Ensemble of Benares gastierte in Lemförde

Den Gefühlen und der Musik hingegeben

Jyotika Dayal präsentierte den Kathak-Tanz faszinierend, mit Grazie und einer gehörigen Portion Lebenslust.

Lemförde - (cb) · Ein Fest für die Sinne, insbesondere für Auge und Ohr, wurde am Mittwoch den etwa fünfzig Besuchern im Rittersaal des Amtshofes in Lemförde geboten, die am Ende euphorisch eine Zugabe einforderten. Auf Einladung von KulturBunt gastierte das Music Ensemble of Benares, das aus Benares am Ganges, dem Zentrum für Musik, Meditation und Tradition in Indien kommt.

„Ich denke, wir machen unserem Namen ,KulturBunt‘ alle Ehre: einmal durch das indische Kolorit, durch die Farben Indiens, die Musik, die Töne, die Bewegungen, die Tänze, die wir heute Abend erleben werden. Zum anderen, dass wir uns mal wieder getraut haben, bunt zu sein, etwas ganz Besonderes zu machen“, sagte Eva Völkening, die im Namen des Vereins die Besucher begrüßte und ihnen dabei den Tipp gab: „Geben Sie sich Ihren Gefühlen und dieser Musik hin.“

„Benares ist in Indien die heiligste Stadt überhaupt und liegt am heiligen Fluss Ganges, wo sich vor etwa 5000 Jahren die ersten Menschen angesiedelt haben“, erklärte der deutsche Musiker Günther Paust, der 1982 das „Music Ensemble of Benares“ für eine Europa-Tournee zusammen stellte. Der erste Teil des Programms biete indische Vokal- und Instrumentalmusik, der zweite indischen Tempeltanz, kündigte Paust an.

Mit einer Abend-Raga (Raga= das, was dem Geist Farbe gibt), die in der Regel fünf bis sieben Noten beinhaltet, eröffneten Jyotika Dayal, Khyal-Gesang/Tanpura, Ravi Srinivasan, Tabla, und Arun Srinivasan, Harmonium, das Programm. Normalerweise setzt sich Musik aus Melodie, Rhythmus und Harmonie zusammen. In der indischen Klassik gibt es jedoch keine Harmonie, also keine Tonartwechsel, sondern sie ist eine modale Musik, die immer am selben Grundton festhält.

Von diesem Grundton ausgehend, begannen die Künstler ihre Improvisationen und die Zuhörer tauchten ein in eine meditative fremde, spirituelle Kultur – in eine Melodie des Schwans – und vergaßen Raum und Zeit. „Bei diesem Stück kommen uns immer Erinnerungen an lange Zugreisen durch das nördliche Indien oder an den Monsun“, kündigte Ravi Srinivasan „Birds in Bhunpal“ an. Mit Vogelzwitschern, Pfeifen wurde es für das Auditorium nicht nur zu einem eindringlichen Naturerlebnis, sondern sie spürten das indische Gefühl, die bunten Farben hautnah.

War im ersten Teil überwiegend das Ohr gefordert, so waren es nach der Pause die Augen: Tempelmusik zog mit Jyotika Dayal – farbenfroh gekleidet, mit Ghungroos (Glöckchen) am Fußgelenk – und ihrem Kathak-Tanz in den Rittersaal. Kathak bedeutet Erzählung, die uralte Kunst des Rezitierens und Singens von Hindu-Mythen und Legenden. Geradlinige Schritte, gleitende Bewegungen, rasche Pirouetten, wechselndes Tempo und rhythmische Muster machen die Schönheit dieses Tanzes aus. Jyotika Dayal präsentierte ihn faszinierend, mit temperamentvoller Bein- und Fußarbeit, aber auch mit Grazie und einer gehörigen Portion Lebenslust – anfangs als Huldigung an Lord Shiva. Voller Leichtigkeit und Improvisation reihten Musiker und Tänzerin die Zyklen des 16-schlägigen (oder auch mehr) Rhythmus aneinander. „Wichtig ist aber der 17. Schlag, der den nächsten Zyklus ankündigt. Tabla und Fußarbeit müssen zusammen treffen, denn alles, was der Tabla-Spieler mit seinen Fingern auf dem Trommelfell erzeugt, erwidert die Tänzerin mit ihren bloßen Füßen“, hatte Günter Paust verdeutlicht. Ekstatische Rhythmen, ausdrucksvolle Gesten, subtile Sinnlichkeit, gepaart mit Geschichten z.B. von Krishna, zogen die Besucher in den Bann dieses intensiven, erlebnisreichen Abends.

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