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Gefiederte Plagegeister: Saatkrähen sind für manche eine echte Plage

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Von: Fabian Pieper

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Für manche eine echte Plage: die Saatkrähe.
Für manche eine echte Plage: die Saatkrähe. © Rolf Haid/dpa

Saatkrähen-Kolonien stellen Landwirte und Kommunen vor Probleme. Sie dürfen weder gejagt noch geschossen werden. Vergrämung ist das Stichwort.

Landkreis Diepholz – Sie gehören zwar nicht zu den zehn biblischen Plagen, im Landkreis Diepholz allerdings stellen sie gebietsweise dennoch ein großes Problem dar: Krähen. Ein Problem, unter dem vor allem Landwirte, aber auch Bürger in den Ballungsgebieten leiden und das gar nicht so leicht in den Griff zu bekommen ist. Denn es kollidieren wirtschaftliche Interessen und der Tierschutz.

Denn die Saatkrähe ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders geschützt, bedeutet: Sie darf nicht gejagt oder geschossen werden. Das bestätigt der Landkreis Diepholz auf Anfrage. Er schreibt in seiner Antwort: „Die Saatkrähe unterliegt nicht dem Jagdrecht und darf daher auch nicht geschossen werden.“

Deshalb wird auf Methoden der sogenannten Vergrämung zurückgegriffen. Das bedeutet, dass die Tiere verschreckt und damit aus ihrem aktuellen Lebensraum vertrieben werden sollen. Bei den geschützten Saatkrähen werden vor allem zwei Methoden angewendet: Die eine ist die akustische Vergrämung. Hierbei werden die Tiere über laute Geräusche vertrieben. Das sei, so der Landkreis, „in der Regel ohne Ausnahmegenehmigung“ möglich.

Zerstören der Nester nur mit einer Ausnahmegenehmigung

Die zweite Möglichkeit ist das Zerstören der Nester, das die Krähen zum Umsiedeln zwingen soll. Doch hier warnt der Landkreis. Er schreibt: „Das Zerstören der Nester ist nur mit einer Ausnahmegenehmigung zulässig.“ Zudem macht er in seiner Antwort darauf aufmerksam, dass diese Methode „ausschließlich in besonders sensiblen Bereichen, beispielsweise in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern und Friedhöfen, und unter Auferlegung diverser Nebenbestimmungen“ in Betracht gezogen werde. Die Nebenbestimmungen betreffen beispielsweise den Zeitpunkt, der vor der ersten Eiablage liegen müsse.

Tierschutzrechtlich seien diese Vergrämungsmethoden unbedenklich, schreibt der Landkreis weiter. Das Wort Tierquälerei will auch Bernd Averbeck, Vorsitzender des Nabu Dümmer, nicht in den Mund nehmen, auch wenn er auf die Probleme hinweist, die eine Vergrämung für die Tiere bedeutet: „Der Brutzeitdruck für die Tiere wird größer“, sagt er, da die Saatkrähe weniger Zeit habe, um ein Nest für die Eiablage zu bauen.

Doch Averbeck kennt auch die Probleme, die die Saatkrähe mit sich bringt: Lautes Krähen, Kot und Futterreste zählt er auf. „Ich kann verstehen, dass es die Leute stört“, sagt er. Meist sei das aber nur während der Brutzeit so, da die Krähen anschließend umherstreifen würden. Dennoch bewegt ihn sein Verständnis für die Probleme der Betroffenen zum Urteil: „Der Zweck heiligt wohl die Mittel.“

Hohe Kosten für die Landwirte

Einer, der sich mit den Problemen Betroffener besonders gut auskennt, ist Dr. Jochen Thiering, Kreisverbandsgeschäftsführer des Landvolks Diepholz. Er steht auf der Seite der Landwirte, die mit den Krähen zu kämpfen haben: „Im Bereich der Landwirtschaft ,plündern’ Saatkrähen relativ frisch eingesäte Felder. So picken sie Körner beziehungsweise junge Pflanzen heraus“, sagt er. Besonders betroffen sei die Mais-Aussaat.

387 Hektar an Fläche seien im vergangenen Jahr beschädigt worden, so Thiering. Weiterhin würden die Vögel Siloplanen und Ballenfolien aufpicken; der folgende Eintritt von Luft würde die Qualität des Grünfutters darunter beschädigen. Den Landwirten würden dadurch hohe Kosten entstehen.

Und die Saatkrähe verbreitet sich weiter: „Früher war sie fast ausgerottet“, sagt Bernd Averbeck, „aber das ist ein schlauer Vogel. Er hat in den letzten Jahren dazugelernt.“ Daher sei die Saatkrähe auch immer näher oder sogar in menschliche Siedlungsgebiete gezogen – und sogar die akustische Vergrämung sei nicht immer effektiv: „Die merken schnell, dass das nur Rauch und Schall ist.“

Der Landkreis bestätigt das. Es stelle sich „schnell ein Gewöhnungseffekt ein“. Jochen Thiering ergänzt, dass ein sogenanntes Beizmittel, das die Körner für die Krähe ungenießbar gemacht habe, nicht mehr für die Behandlung von Saatgut eingesetzt werden dürfe. Dadurch habe sich das Problem auf den Feldern verschärft.

Größere Kolonien gebe es laut Auskunft des Landkreises mittlerweile nicht mehr nur in der Stadt Diepholz, die in den vergangenen Jahren mit Saatkrähen-Kolonien zu kämpfen hatte, sondern auch in den Gemeinden Barnstorf, Lembruch und Hüde sowie in der Stadt Twistringen. Für Bernd Averbeck keine Überraschung: „Durch die Vergrämung zerstreuen sich die Kolonien in alle Richtungen.“ So kommt der Nabu-Experte zu der abschließenden Aussage: „Den Kampf gegen den Vogel kann der Mensch nicht gewinnen.“

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