Carmen Baehr kämpft für den Erhalt des Hügelgrabes in Stühren

„Funde sind zu erwarten“

Carmen Baehr kämpft für den Erhalt des Hügelgrabes. ·
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Carmen Baehr kämpft für den Erhalt des Hügelgrabes. ·

Gräfinghausen - Von Frauke Albrecht. Carmen Baehr wohnt zwar erst seit knapp fünf Jahren in Gräfinghausen bei Stühren. Doch mittlerweile kennt sie die Gegend besser als so mancher Alteingesessene. Und vor allem kennt sie die Geschichte des Hügelgrabes. Sie setzt sich für den Erhalt der Anlage aus der Bronzezeit ein. Baehr sieht das Kulturgut akut bedroht – durch Sandabbau.

Protestschild vor dem Haus der Familie Baehr.

Kaum ein Tag vergeht, an dem sie sich nicht im Internet auf die Suche nach Ansprechpartnern macht, die ihr helfen. Unterstützt wird sie dabei von vielen engagierten Bürgern aus Bassum, Stühren, Gräfinghausen und Stuhr. Wie bereits mehrfach berichtet, plant die Firma M+S in Stühren Sand abzubauen. Aufgrund der Größe und der damit einhergehenden Raumbedeutsamkeit des Vorhabens ist vor Einleitung eines Genehmigungsverfahrens ein sogenanntes Raumordnungsverfahren (ROV) erforderlich. Das wurde bereits im November eröffnet. Kürzlich fand dazu ein Erörterungstermin statt.

Der Ausgang des Verfahren ist noch offen. Baehr erwartet das Ergebnis aber noch in diesem Monat. „Ich kann das sehr schwer einschätzen“, sagt sie und setzt auf das Prinzip Hoffnung.

Die Aussage der Investors, dass das Hügelgrab auf jeden Fall erhalten bleibt, beruhigt sie in keiner Weise. „Selbst wenn das einzelne Grab erhalten bleiben sollte, wird das zerstört, was im Boden ist“, so Baehr. Sie meint nicht nur die Gräberfelder. Luftaufnahmen lassen eine Siedlungsanlage vermuten.

Experten sind sicher, dass so einiges in der Erde zu finden sei. Zu den Fachleuten gehört auch Friedrich-Wilhelm Wulf vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. In seiner schriftlichen Stellungnahme an den Landkreis geht der Fachmann auch auf den erst vor zwei Jahren auf der NEL-Trasse gefundenen mittelbronzezeitlichen Goldhort ein. „Es ist durchaus wahrscheinlich, dass dieser einzigartige Fund mit der bedeutenden Nekropole (Begräbnisstätte) und einer zugehörigen Siedlung bei Stühren in Verbindung steht“, schreibt er. Weiter heißt es: „Diese Anlage hat eine hohe Bedeutung für die gesamte Region. Nach den dort liegenden ehemaligen bronzezeitlichen Grabhügeln erhielt die Flur den Namen Sieben Berge. Im gesamten Bereich des geplanten Sandabbaus sind archäologische Funde zu erwarten.“

Daher sei eine denkmalrechtliche Genehmigung mit den entsprechenden Auflagen unbedingt erforderlich. Hierzu zähle unter anderem eine fachgerechte Grabung. Dieses sei aber aus archäologischer Sicht nur die zweitbeste Lösung, heißt es. Besser wäre es, die Schätze in der Erde zu belassen.

Auch Carmen Baehr hofft, dass es nicht zu einer Grabung kommt. Sie fürchtet, dass vieles gar nicht gefunden wird. Ohnehin sei bereits ein großer Teil der Anlage zerstört worden – vor Jahrzehnten untergepflügt.

Bei archäologischen Untersuchungen im Jahre 1978 barg man Spuren, die von der späten Jungsteinzeit bis zur vorrömischen Eisenzeit reichen. Einige Funde sind im Kreismuseum zu sehen.

Baehr versteht nicht, warum die Stadt Bassum das Grab nicht besser vermarktet. „Das Hügelgrab befindet sich direkt am Radfernweg Bremen-Osnabrück, und es findet sich keine Hinweistafel dort. Lediglich eine Schautafel gibt es – und die muss man suchen“, so Baehr.

Ihr schwebt eine ganz andere Nutzung des Geländes vor. „Wäre es nicht toll, Sieben Berge wieder aufzubauen und hier eine Art Museum zu errichten? Man könnte in unmittelbarer Nähe zeigen, wie ein solches Grab von innen aussah und wie die Siedlung ausgesehen haben könnte.“

Sie wird nicht müde, sich für den Erhalt einzusetzen. In Kürze wird sie zusammen mit der Gästeführerin Susanne Reichelt einen Vortrag über die Geschichte des Hügelgrabes halten.

Mittlerweile hat sie auch eine Mappe erstellt und auf der Bank vor ihrem Haus ausgelegt. Darin finden sich zusammenkopierte Daten. Baehr nennt das „Zeitreise: 2 000 Jahre Hügelgrab“. Radfahrer und Ausflügler, die dort Pause machen, sind eingeladen, darin zu blättern. „Während diese Dinge im Rest der Welt passierten, ist unser Hügelgrab aktiv als Friedhof genutzt worden“, heißt es. Die Liste beginnt 2800 v. Christus und endet 700 v. Christus. Bedeutende Ereignisse sind unter anderem Bau von Stonehenge, Besiedlung Grönlands durch die Inuit, die Himmelsscheibe von Nebra wird vergraben, Zerstörung Trojas, Gründung Roms, oder auch das Frettchen wird domestiziert. „Die Tiere habe ich für die Kinder mit aufgenommen“, so Baehr. Mit Leidenschaft trägt sie die Daten zusammen, könnte damit jede Schulklasse begeistern.

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