Abiturient aus Fahrenhorst absolviert einjährigen Freiwilligendienst in Ägypten

Frederik Prigge befürchtet einen „echten Kulturschock“

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Bereits in Deutschland hat sich Frederik Prigge mit der arabischen Sprache auseinandergesetzt. ·

Stuhr - FAHRENHORST · Nach dem Abi in die weite Welt: Über den Europäischen Freiwilligendienst (EFD) fliegt Frederik Prigge aus Fahrenhorst heute für ein Jahr in die ägyptische Hauptstadt Kairo. Gemeinsam mit Einheimischen möchte er dort für einen kulturellen Austausch zwischen Europa und Ägypten werben. „Wir wollen Vorurteile abbauen“, erklärt der 19-Jährige. „Ich bin so etwas wie ein Botschafter Deutschlands.“

Das EFD-Projekt, an dem Prigge teilnimmt, trägt den Namen „Youth Empowerment for Social Engagement“. Allgemein möchte es Jugendliche befähigen, sich für soziale Belange einzusetzen. Im Falle Ägyptens geht es zunächst einmal darum, bei Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren ein interkulturelles Verständnis zu wecken. Dazu entwickeln jeweils fünf einheimische und fünf deutsche Freiwillige, darunter Prigge, gemeinsam ein Programm. Vor Ort arbeitet der EFD mit der ägyptischen Jugendorganisation IYDA zusammen, der „Intercultural Youth Dialogue Association“.

Das Programm soll den jungen Ägyptern die Chancen freiwilligen Engagements aufzeigen, auf ihre Rechte und Verantwortung als aktive Bürger hinweisen, einen interkulturellen Dialog ermöglichen und sie zu einem Auslandsaufenthalt ermuntern. Das Ganze soll in Projekten und Workshops an Schulen passieren sowie im Englisch-Unterricht, den Prigge erteilt. „Wir werden auch an Unis präsent sein“, weiß er. Und überall dort, wo sie auftauchen, dienen Prigge und seine Mitstreiter als Beispiele dafür, wie man ein Auslandsjahr vorbereitet.

Seine neue Wahlheimat kennt der Fahrenhorster bislang nur aus Dokumentationsfilmen und Erzählungen arabischer Facebook-Kontakte – „Ägypter, die Englisch können“, erklärt Prigge. Demnach wird er heute nach vier Flugstunden bei 40 bis 45 Grad in einer „riesigen, lärmenden Stadt“ landen. „Eine überfüllte Stadt, die ihrem Wachstum nicht gerecht wird“, findet er. Für die offiziell 16,2 Millionen Einwohner im Großraum Kairo gebe es viel zu wenig Wohnungen. Er selbst wird zunächst mit vier anderen deutschen EFD-Teilnehmern, Frauen und Männer, in einer Wohngemeinschaft leben. „Doch das sehen die Nachbarn nicht so gerne. Deshalb werden wir die WG nach kurzer Zeit aufbrechen und nach Geschlechtern getrennt leben.“

Überhaupt befürchtet der 19-Jährige einen „echten Kulturschock. Ich komme mitten im Ramadan an. Die Leute essen und trinken tagsüber nichts.“ Er habe sich schon mehrere lange Hosen aus leichtem Stoff gekauft, weil die Ägypter selbst bei hohen Temperaturen aus Respekt ein fremdes Haus nicht mit Shorts betreten. Warum er sich trotzdem Ägypten  ausgesucht hat? Es sei ein Land mit einer spannenden politischen Lage, einer interessanten Kultur und einer warmherzigen Gesellschaft, erzählt Prigge und fügt hinzu: „Dort leben offene Menschen, die in ihrer Förmlichkeit sehr einladend sind.“ Zudem reizt ihn die wirtschaftliche Perspektive. „Wenn sich in Afrika die Demokratie stabilisiert, ist dort sehr viel Potenzial“, sagt Prigge, der später Wirtschaft oder Internationale Beziehungen studieren möchte. „Gerne mit arabischer Ausrichtung.“ Dies motiviere ihn, die Sprache zu lernen.

Nach seiner Ankunft steht zunächst eine Woche Sightseeing auf dem Programm, unter anderem die Pyramiden und der Berg Sinai. „In der Zeit erhalten wir auch einen Crashkurs zur arabischen Kultur“, sagt Prigge. Bevor im Oktober die Workshops beginnen, besucht er einen dreiwöchigen Sprachkurs. Sein ehrgeiziges Ziel: „Ich will mich in einem halben Jahr verständigen können.“ Das Alphabet mit seinen fremdartig anmutenden Schriftzeiten beherrscht der Abiturient bereits. „Jetzt geht es darum, die auch als Wörter zu erkennen.“ · ah

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