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Faszination Angeln

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Von: Sigi Schritt

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Vereinsvorsitzender Gerd Beuke zeigt auf die Raubfische, die er selbst sehr gerne angelt.
Vereinsvorsitzender Gerd Beuke zeigt auf die Raubfische, die er selbst sehr gerne angelt. © Sigi Schritt

Gerd Beuke über ein Hobby, das eine leckere Mahlzeit bietet sowie Jung und Alt verbindet

Twistringen – Eine Angel vom Discounter? Das sei für Gerd Beuke in den meisten Fällen keine gute Wahl, um in ein neues Hobby einzusteigen. Eltern, die ihrem Nachwuchs eine Rute schenken wollen, sollten ihren Kinder einen Gefallen tun und sie zum nächsten Angelverein schicken, lautet Beukes Tipp. „Irgendjemand wird eine aussortierte Rute abgeben“, ist sich der Vorsitzende des Angelvereins Twistringen sicher. Das ist einer der vielen Tipps für Anfänger. Der Fischereiverein hat natürlich noch mehr parat, um den Nachwuchs anzusprechen.

„Es gibt 1000 Arten, wie man einen Fisch aus dem Wasser holen kann“, und erfahrene Angler wollen ihr Wissen abgeben. Der Twistringer Verein bemüht sich intensiv um Anfänger. Beim Tag des Sports 2019 in Twistringen hatte der Verein seine Türen weit geöffnet und Interessenten für sich gewinnen können.

Die Faszination des Hobbys Angeln beginnt laut Beuke im Kindesalter und mit einer richtigen Angel. „Das war vor Jahrzehnten so, und das hat sich bis heute nicht geändert.“ Seine Einschätzung: „Die Angeln vom Discounter sind minderwertig. Die Rolle hat kein vernünftiges Kugellager. Die Schnur ist zu dick. Und der Schwimmer schwimmt nur irgendwie. Kurzum es ist eine Katastrophe.“ Es sei erheblich besser, wenn erfahrene Angler den Nachwuchs unterstützen. „Kinder im Alter von zehn Jahren finden Angeln geil. Ab 16 ändert sich das“, so Beuke. Wer in jungen Jahren intensiv gefischt hat, wird ab 26 Jahren wiederkommen, ist er überzeugt. Dann haben die Angel-Fans „eine feste Freundin“, und „sie stehen einigermaßen fest im Job.“

„Angeln ist ein Hobby, bei dem man gut abschalten kann.“ Und zum Abschalten gibt es an den Gewässern des Vereins reichlich Gelegenheit. Einerseits gibt es den See direkt am Vereinsheim hinterm Freibad. Dort schwimmen Aale, Weißfische, Schleien, Karpfen und Barsche. Andererseits gibt es noch einen Teich in Heiligenloh. Der ist einen halben Hektar groß.

„Besonders beliebt ist unsere Tongrube an der Alten Ziegelei. Unsere Wasserfläche war mal fünf Hektar groß. Ein Teil des Areals mussten wir an den Heimatverein abgeben. Jetzt haben wir immerhin noch drei Hektar, um Welse, Hechte und Zander zu angeln. Wenn man dieses Gewässer jedoch nicht kennt, dann holt man dort nichts nix raus.“

Es gebe die kapitalen Fische, und das sei kein Angler-Latein: Die Karpfen dort können schon mal zehn Kilogramm wiegen und Hechte sowie Welse mehr als einen Meter lang sein. Aale sind dort bis zu zwei Meter lang. Geräuchert eine Delikatesse. „Da leckt man sich alle zehn Finger nach“, sagt Beuke.

Der Verzehr von Fisch sei in Deutschland der einzige Grund, weshalb Angeln überhaupt erlaubt ist. Es geht ja um das Töten von Wirbeltieren. „Ein Fisch ist ein Lebewesen. Nur weil es nicht schreit, heißt es nicht, dass es keine Schmerzen hat.“ Das ist auch die Botschaft, die der Vorsitzende den Anfängern mit auf den Weg gibt: Man muss mit den Lebewesen vernünftig umgehen.

Deshalb würden die Twistringer Angler ihr Angelgeschirr danach ausrichten. „Wir versuchen, die Fische an der Oberlippe zu fangen“, erläutert Beuke. „Erstens hält der Haken dort gut, und zweitens wird der Fisch an dieser Stelle weniger verletzt.“ Manchmal erfordere das Fischen viel Aufmerksamkeit: „Wenn eine Brasse anbeißt, zuckt die Pose im Wasser kurz an. Wenn sie hochgeht, hat der Fisch den Köder im Maul. Dann muss man schnell den Fisch rausholen.“ Das sei „eine Aufgabe von höchster Konzentration“.

Wer erfolgreich angeln möchte, sollte am Ufer nicht laut sein. „Fische haben ein Seitenlinienorgan, was Druckwellen wie ein Seitensonar orten kann. Wasser überträgt Schall- und Druckwellen, die auch vom Erdreich kommen können.“ Dieses Organ sei bei Raubfischen ausgeprägt. Ein kranker Fisch mit einer angeschlagenen Flosse hinterlässt andere Druckwellen im Wasser als ein gesunder Fisch. So wird der kranke, langsame Fisch eine Beute.

Wer sich für das Hobby Angeln interessiert, bekommt also viel Wissen mit auf den Weg. Spätestens mit 14 ist ein Angelschein notwendig, wenn man weiter fischen möchte. Für eine Prüfung kann man im Verein lernen und sie auch dort ablegen. So erfährt man, dass jeder Angler maximal nur drei Ruten auslegen darf.

Die Twistringer Angler beschäftigen sich ebenso mit dem Sauerstoffgehalt der Gewässer. In heißen Jahren sackt der Wasserstand des Haussees um bis zu 15 Zentimeter. „Das hinterlässt wenig Schäden. Wir haben den Teich mit Fischen besetzt, die auch mit einem geringeren Sauerstoffgehalt im Wasser auskommen können. Alles andere wäre Tierquälerei.“

Der Fischereiverein Twistringen hat sich vor 40 Jahren mit sieben Vereinen zu einer sogenannten Besatzgemeinschaft zusammengeschlossen, um den Bestand in der Hunte zu pflegen. Regelmäßig würden 1000 Fische ausgesetzt. Nahrung in dem Gewässer gebe es mehr als ausreichend. Die Fachwarte der Vereine wissen, wie sich die einzelnen Arten entwickelt haben, denn es laufen bei ihnen die sogenannten Fangmeldungen ein, die jeder Angler bei seinem Verein abgeben muss.

Hat der Verein Wünsche? Gerd Beuke wünscht sich, dass die Schleuse in Oldenburg für Fische durchgängiger wird, und das ein Wehr bei Wildeshausen komplett verschwindet. „Wir möchten Lachs ansiedeln. Bei kleineren Staustufen, die etwa 60 Zentimeter hoch sind, springt der Lachs rüber. Beuke wünscht sich Strömungslenker, doch bis diese installiert sind, muss ein aufwendiges Genehmigungsverfahren abgeschlossen sein. „Wir haben keinen Einfluss drauf.“ Diese Fischart will immer in der Strömung schwimmen, vorhandene Fischtreppen sind aber meist an den Seiten und liegen nicht im Hauptstrom.

Beim Twistringer Tag des Sports präsentiert Gerd Beuke Zielübungen.
Beim Twistringer Tag des Sports präsentiert Gerd Beuke Zielübungen. © Sigi Schritt

Der Lachs legt von den Meeren viele Tausende Kilometer zurück um in der Hunte zu laichen. Doch das ist ein Problem, den die Eier würden dort nicht überleben. Die Lösung: Die Vereine würden dieser Fischart mit Elektrofischen helfen, berichtet Beuke. Ein speziell geschulter Fischer betäubt mit einem Elektroschock-Gerät den Lachs. Eine andere Person schwingt im Wasser ein Netz und fängt den Fisch. Die Eier des Fisches werden abgestrichen. Die Samen werden in ein Bruthaus nach Oldenburg gebracht und dort ausgebrütet. Das Problem: Das Hunte-Wasser ist zu eisenhaltig, das würde der Laich nicht überstehen. Für die kleinen Brütlinge sei das kein Problem. „Wir setzen die kleinen Fische dann wieder aus.“

Gerd Beuke ist einer von zehn Fischereiaufsehern und zuständig für die Vereinsgewässer. Ob es dort Probleme mit Schwarzanglern gibt? Nein, sagt er. Und wenn, sei man ganz pragmatisch. Man erklärt den Menschen die Regeln und nimmt sie in den Verein auf. Die Jahresmitgliedschaft beträgt 60 Euro.

Kinder für den Verein zu begeistern: Das gehört zur Philosophie des Twistringer Angelvereins.
Kinder für den Verein zu begeistern: Das gehört zur Philosophie des Twistringer Angelvereins. © Sigi Schritt

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