Extrem trockene Sommer durch Klimawandel: Wie lässt sich dieser Lebensraum dennoch schützen?/ Internationaler Erfahrungsaustausch

Wasser – Lebenselixier der Moore

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Internationale Fachleute diskutieren in Ströhen über den Moorschutz. Vorn in der Mitte: Dr. Mara Pakalne von der Universität Riga und Friedhelm Niemeyer vom BUND.

Ströhen - Von Anke Seidel. Extrem trockene Sommer und auffallend nasse Winter: Friedhelm Niemeyer und seine Mitarbeiter des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) in der Diepholzer Moorniederung registrieren diese Entwicklung seit Jahren. Sie sind besorgt, weil Wasser das Lebenselixier der Moore ist. Ohne Wasser keine Renaturierung dieser Flächen, die eine ganz besondere Bedeutung für den Klimaschutz haben.

Zwar besteht weltweit nur drei Prozent der Landfläche aus Mooren. Aber sie entziehen der Atmosphäre jährlich bis zu 250 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid – und damit schädliches Treibhausgas.

Wie Moore schützen, wenn sich das Wetter so weiter verändert? Wo gibt es Parameter, die trotz dieser Klima-Verschiebungen effektiven Moorschutz ermöglichen? Fragen, die im Mittelpunkt einer internationalen Tagung im Europäischen Fachzentrum Moor und Klima in Ströhen standen. Gestern beendeten die 40 Teilnehmer aus Deutschland, Lettland, Schweden und den Niederlanden ihren fundierten Erfahrungsaustausch in diesem bilateralen Kongress.

„Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse haben unsere europäischen Partner und welche neuen Strategien entwickeln sie zum Schutz der Hochmoore?“, lautete für Friedhelm Niemeyer die zentrale Frage dieser Tagung in Zusammenarbeit mit der Universität Riga in Lettland. Deshalb gehörte auch Dr. Mara Pakalne von der Universität Riga zu den Vortragenden. Sie ist außerdem Managerin des EU-„Life+“Projektes. Die Europäische Union förderte diese Tagung, weil wichtige Erkenntnisse für den Klimaschutz im Mittelpunkt standen.

Werden Moore zerstört, setzen sie hohe Mengen klimaschädlicher Gase frei, einzigartige Tier- und Pflanzenwelten werden vernichtet. Der BUND Diepholzer Moorniederung arbeitet seit drei Jahrzehnten für die Renaturierung – und pflegt bereits seit 2005 eine Partnerschaft mit Moorschützern in Lettland, weil dieser Lebensraum dort noch in seiner ursprünglichen Form erhalten ist. „So, wie wir das vor hundert Jahren auch noch hatten“, sagt Dr. Reinhard Löhmer als stellvertretender Landesvorsitzender des BUND.

„Das ist für uns die Messlatte“, blickt Friedhelm Niemeyer auf den ursprünglichen Zustand der lettischen Moore. Auch wenn in der Diepholzer Moorniederung dank der Renaturierung naturnahe, weil nasse Moorflächen wieder entstanden sind – dem Ursprungszustand entsprechen sie nicht ganz. Denn zu groß sind die Einflüsse des Klimawandels und vor allem der modernen Landwirtschaft. Der Stickstoff-Eintrag liege, so Löhmer, mit 25 bis 30 Kilogramm pro Hektar bei einem Vielfachen des Verträglichen. Will heißen: Zuviele Nährstoffe im Boden befeuern den Pflanzenwuchs der Birken – Bäume, die viel Wasser zehren. Immer wieder müssen die Schösslinge beseitigt werden (entweder von Menschenhand oder durch Schafe), damit die Moore nicht austrocknen.

In der Diepholzer Moorniederung sollen weitere Flächen renaturiert werden. Doch das soll erst nach Abtorfung der Flächen geschehen, weil die Torfindustrie ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist. Von dieser politischen Strategie hält Löhmer nicht viel. Denn durch den Torfabbau würden Treibhausgase freigesetzt. „Aber alles, was in dieser Form nicht oxidiert, ist ein Segen für die Menschheit.“ Deshalb plädiert Löhmer dafür, die Flächen sofort wiederzuvernässen und auf die Ansiedlung von Torfmoosen zu setzen. Sie könnten alle drei Jahre gemäht werden und der Torfindustrie als Ersatz dienen.

Dass Landwirtschaft und Naturschutz längst Partner sind, stellte Jan Grabowsky als Geschäftsführer des Europäischen Fachzentrums Moor und Klima mit Blick auf die Gäste fest. Während die internationalen Moor-Fachleute in Ströhen tagten, besuchten auch 300 Lohnunternehmer aus Niedersachsen das Haus.

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