Zusammenhang mit Erdgasförderung erklärt

Weitere Erdbeben im Raum Syke nicht ausgeschlossen

LBEG-Präsident Andreas Sikorski (links) leitete gestern Abend die Diskussion in der BBS Europaschule Syke. Experten des Niedersächsischen Erdbebendienstes, des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) erläuterten die wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse des Erdbebens am 1. Mai.
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LBEG-Präsident Andreas Sikorski (links) leitete gestern Abend die Diskussion in der BBS Europaschule Syke. Experten des Niedersächsischen Erdbebendienstes, des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) erläuterten die wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse des Erdbebens am 1. Mai.

Syke - Von Anke Seidel. Weitere Erdbeben im Raum Bassum/Syke nicht ausgeschlossen, weil ein Zusammenhang mit der Ergasförderung „sehr wahrscheinlich“ ist: Das war gestern Abend die Botschaft der Experten des Niedersächsischen Erdbebendienstes, des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Syke.

In der Mehrzweckhalle der BBS Europaschule Syke präsentierten sie die wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse zum Erdbeben am 1. Mai, das den Boden in einer Stärke von 3,2 zum Beben gebracht hatte. Dass nur 50 Besucher an dieser Studie Interesse zeigten, irritierte Andreas Rathjens als Zuhörer aus dem Landkreis Rotenburg sehr: „Bei uns waren 250 Leute da!“ Noch gut kann Rathjens sich an das Erdbeben 2004 in einer Stärke von 4,5 im Raum Rotenburg erinnern. Im Raum Syke/Bassum bebte die Erde in diesem Jahr nicht zum ersten Mal. Bereits am 15. Juli 2005 war ein Beben in der Stärke von 3,8 gemessen worden.

Monika Bischoff vom Niedersächsischen Erdbebendienst bewies mit den seismologischen Messergebnissen eines ganzen Stationsnetzes, dass bei beiden Beben das Epizentrum im räumlichen Zusammenhang mit dem Erdgasfeld Klosterseelte/Kirchseelte/Ortholz stand – das gelte ebenso für die Herdtiefe (4,2 bis 2,8 Kilometer unter der Erdoberfläche). Die Erdbeben-Expertin erklärte außerdem, dass die 131 Bürgermeldungen, die nach dem Beben am 1. Mai eingegangen waren, die seismologischen Messungen bestätigt hätten.

Deshalb wunderten sich die Zuhörer in der anschließenden, von LBEG-Präsident Andreas Sikorski geleiteten Diskussion darüber, dass der Zusammenhang mit der Erdgasförderung lediglich „sehr wahrscheinlich“ sei. Warum? „Wir können ja nicht genau beweisen, was da unten passiert ist“, antwortete Monika Bischoff – und wies darauf hin, dass es bei diesem Beben keinen Zusammenhang zwischen Frackmaßnahmen und der Verpressung von Lagerstättenwasser gebe. Diese Technik wird im Erdgasfeld Klosterseelte/Kirchseelte/Ortholz gar nicht eingesetzt, bestätigte Harald Berndt, Projektmanager Seismik bei ExxonMobil. Denn das Gas lagert im porösen Gestein und kann frei an die Oberfläche fließen. Weshalb kommt es dann zum Erdbeben? „Das Gestein wird bei der Erdgasförderung aus den Poren verformt. Dann kann es irgendwann dem Druck nicht mehr standhalten“, erklärte Monika Bischoff. Was dann bis zu vier Kilometer tief unter der Erde geschieht, kam während der Diskussion mit den Experten ans Tageslicht: Bei einer Magnitude (Stärke) von 3,2 ist ein 300 Meter langer Riss entstanden, der das Gestein allerdings nur zwei oder drei Millimeter bewegt. Das setzt die Energie frei, die Menschen spüren und die seismologisch weithin messbar ist. Eines stellten die Experten gestern Abend klar: „Die seismologische Überwachung der Erdgasfelder zwischen Cloppenburg und Bremen muss weiter ausgebaut werden!“

Wie aber lassen sich Erdbeben im Kontext der Erdgasförderung vermeiden? „Das ist ein sehr komplexes Thema“, antwortete Harald Berndt, „wir haben aber Forschungsprojekte laufen“. Dazu gehöre ein geomechanisches Modell mit Produktionskammern, in denen der seismische Druck verglichen werde.

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